
Meine Einschätzung zum Fernsehen hab’ ich ja durchaus in einigen Artikeln schon thematisiert. Heute soll es um ein spezielles Segment der Fernsehunterhaltung gehen, die sogenannten “Late-Night-Shows”. Wie immer hat da das US-amerikanische Fernsehen dem deutschen etwas voraus, dort gibt es Late-Night Talkshows schon seit über 50 Jahren, populär geworden ist das Format insbesondere durch die Tonight Show Starring Johnny Carson. In Deutschland beginnt Late-Night wohl erst mit Aufkommen des Privatfernsehens und wurde primär durch Thomas Gottschalk und Harald Schmidt begründet, die sich stark am amerikanischen Vorbild orientierten. Wichtige Bestandteile sind meist eine Komiker als Gastgeber, eine Live-Showband, ein Sidekick, prominente Gäste (die üblicherweise Sendungen, CDs oder Filme anzupreisen haben), Auftritte von Musikern und lustige Einspieler, meist in Form von regelmäßigen Segmenten.
Hier einige amerikanische Shows, die ich gerne konsumiere/konsumiert habe.
Meine allererste Begegnung mit Late-Night war 1998 oder 99 weil wir da Satelitenfernsehen bekamen und ich plötzlich NBC Europe gucken konnte. Dort liefen ab abends um 10 nacheinander die Tonight Show mit Jay Leno und die Late Night Show mit Conan O’Brien. Beide gab’s über Videotext auf Wunsche deutsch untertitelt, was praktisch war, weil Schulenglisch durchaus nicht ausreicht, um einen Amerikaner in nativer Sprachgeschwindigkeit zu verstehen. Leno fand ich schon damals nicht so prall (lief auch parallel zu einer anderen guten Sendung, darum hab’ ich’s immer verpasst), aber mit Conan O’Brien lernte ich amerikanisches Englisch und das über viele Jahre. Richtig lustig fand ich den natürlich erst Jahre später, dann aber insbesondere, weil er mit dem Lustigmachen immer bei sich selbst anfängt (insbesondere wegen seiner Frisur und Kellerbräune) und erst dann andere auf’s Korn nimmt.
Gastgeber: O’Brien begann als Autor bei Saturday Night Live und bei den Simpsons (z.B. die Folge “Marge vs. the Monorail“) bevor ihm die Nachfolge von David Letterman für die Late Night Show angeboten wurde. Während die ersten Jahre für den unerprobten O’Brien sehr holprig waren wurde die Show bis Ende der Neunziger Jahre zu einer der erfolgreichsten Late Night Shows mit besten Quoten zu seiner Sendezeit. Darum wurde, auch zu meiner persönlichen Freude, O’Brien 2009 als Nachfolger von Jay Leno die Tonight Show (die älteste amerikanische TV Sendung) übergeben, die er aber nach nur 7 Monaten wieder aufgeben musste (2010 Tonight Show Konflikt (WP:EN)). Insbesondere während der letzten Wochen vor dem Ende der Show im Februar 2010 waren die Sendungen gespickt von Gags und Seitenhieben über die Late-Night-Auseinandersetzung, die in den Medien breite Resonanz erzeugte. Aufgrund vertraglicher Verbote konnte O’Brien nach dem Ende bei NBC nicht sofort eine neue Show beginnen, weshalb er sich zunächst auf Twitter zurückmeldete und dann eine Tournee durch über 30 Städte der USA und Kanada machte. Noch Ende dieses Jahres startet O’Brien eine neue Show auf dem Kabelsender TBS.
Band: Max Weinberg (Drummer der E-Street Band von Bruce Springsteen) und die Max Weinberg Seven/Tonight Show Band
Sidekick: Bandleader Max Weinberg, Andy Richter (mit Unterbrechung)
Populäre Segmente: In the Year 2000/3000, “String-Dance“, Masturbating Bear, Triump the insult comic dog (Handpuppe), Horny Manatee
Neben Jay Leno ist David Letterman der große Talkmaster im amerikanischen Fernsehen und auch darüber hinaus vielen Leuten ein Begriff.
Gastgeber: Lange Jahre moderierte Letterman die Late Night Show nach der Tonight Show mit Johnny Carson, die er während seiner frühen Jahre häufig gastmoderiert hatte. Umso mehr enttäuschte es ihn, als nach dessen Abschied nicht er sondern Jay Leno die Tonight Show übernahm. Daraufhin verließ Letterman 1993, auch auf Rat von Carson hin, NBC und ging zu CBS wo er noch heute die inhaltlich kaum veränderte “Late Show” moderiert. Außerdem produziert er mit seiner Firma “Worldwide Pants” neben seiner und der “Late Late Show” TV-Sendungen wie “Alle lieben Raymond”.
Band: Paul Shafer and the CBS Orchestra (zu NBC Zeiten “Worlds most dangerous band”), Letterman nennt sie auch gerne “the mighty, mighty American party and show band”
Sidekick: Bandleader Paul Shaffer, sowie Produzentin und andere Mitarbeiter im Off
Populäre Segmente: Top Ten List, Soup of the Day/Hello Deli Bits

Erst vor kurzem entdeckte ich Dank des Internet die Show, die immer nach Letterman läuft. Mal abgesehen von dem lustigen schottischen Akzent, wird hier das Konzept von Late-Night ordentlich umgekrempelt. Craig Ferguson macht keinen geskripteten Monolog (der meist von Karten abgelesen wird) zu Beginn sondern hält stattdessen einen eher improvisierten und persönlichen, manchmal auch ernsten Monolog. Immer wieder bezieht er dabei sein Publikum ein. Er hat keinen menschlichen Sidekick, stattdessen steht ihm das Roboterskelett Geoff Peterson zur Seite, welches vordefinierte Bemerkungen zum Besten gibt. Er beendet jede Show mit dem Sgement “What did we learn on the Show tonight Craig?”, in dem er kurz die Show und den Tag Revue passieren läßt. Hin und wieder verändert er das Format komplett, so machte er beispielsweise eine Show ganz ohne Publikum, bei der er sich mit dem britischen Komiker Stephen Fry unterhielt als Hommage an die klassische Talkshow. Ein Markenzeichen der Sendung ist auch, dass ausgiebig geflucht wird, da die Flüche und Schimpfwörter in Amerika aber nicht ausgestrahlt werden dürfen, werden die Münder der Personen dann mit Landesflaggen überdeckt (anstelle des üblichen Verpixelns) und es ertönt ein passender Spruch wie “Oh lala”, “Uh Oh” oder “Aye caramba”.
Gastgeber: Craig Ferguson ist ein gebürtiger Schotte, der 1994 in die USA auswanderte und 2008 die amerikanische Staatsbürgerschaft erlangte. Schon in seiner Heimat konnte er sich als Musiker und Stand-Up Comedian einen Namen machen. Doch zu Beginn der Neunziger wirkte sich sein Alkoholismus immer stärker auf seine Karriere aus, 1992 machte er eine Entziehungskur und ging danach nach Amerika. Hier spielte er in diversen Filem und Serien mit (u.a die Drew Carey Show) und wurde 2005 der Nachfolger von Craig Killborn für die Late Late Show. Sein Stil unterscheidet sich stark von der klassischen Late-Night-Show. In vielen seiner Shows hat er auch ernste Themen verarbeitet, so erzählte er nach dem Tod seines Vaters eine Show lang sichtlich emotional Anekdoten aus dessen Leben. Die Show wurde für den Emmy nominiert und auch nach dem Tod seiner Mutter gab es eine Gedenksendung. Immer wieder thematisiert Ferguson – durchaus auch in ernste Tönen – seinen eigenen Alkoholismus. Regelmäßig verwendet er auch Handpuppen innerhalb seiner Sendung wie Brian, der Hai oder Sid, das fluchende weiße Kaninchen.
Band: Hat keine Live-Band
Sidekick: Geoff Peterson, Roboterskelett
Populäre Segmente: Check the Tweets (and E-Mails), Handpuppen
Das deutsche Fernsehen hat erst in den 1990ern überhaupt Late-Night-Programme etabliert. Vorher gab’s lediglich das Testbild. Vorreiter war hier, wie so oft, Thomas Gottschalk mit Gottschalks Late-Night, die von 1992 bis 1995 lief (und die ich niemals gesehen habe). Allerdings stieß das Format, welches wohl überaus erfolgreich auf RTL lief, die Tür auch für die folgenden Sendungen auf, die man wohl getrost als Klassiker der deutsche Fernsehlandschaft bezeichnen kann.
Derzeit versandet Schmidt mit seiner Show merklich in der ARD, wenngleich es auch hin und wieder noch die Harald-Schmidt-Momente gibt, die man aus den goldenen Zeiten der Show bei Sat 1 kennt. Weil die Sendung nur noch einmal wöchentlich – und auch das eher unregelmäßig – läuft, schalte ich zumindest nicht mehr oft ein. Nichtsdestotrotz ist die Harald Schmidt Show ein wichtiger Teil der deutschen Fernsehgeschichte. Und immer noch besser als was andere Sender um die Zeit zu bieten haben.
Gastgeber: Harald Schmidt ist ein echtes Urgestein im deutschen Fernsehen. Zu Beginn seiner Karriere spielte er vorrangig auf Theaterbühnen. Ende der Achtziger moderierte er Maz ab! für den SFB, es folgten Shows wie Pssst! und Schmidteinander (1990) mit Herbert Feuerstein. Schon mit letzterer orientierte man sich teilweise an der Late-Night-Show mit David Letterman. von 1995 bis 2003 moderierte Schmidt die nach ihm benannte Late-Night Show auf Sat.1, lange Zeit ohne wirklich Konkurrenz. Sein bissiger – bisweilen auch zynischer – Humor wurde sein Markenzeichen und in den Printmedien wurde er gerne als “Dirty Harry” betitelt. 2003 kündigte Schmidt das Ende seiner Show auf Sat 1 und eine “Kreativpause” an. Seit Ende 2004 ist Schmidt wieder in der ARD zu sehen, zunächst zwei Mal wöchentlich allein und von 2007 bis 2009 wöchentlich zusammen mit Oliver Pocher in “Schmidt & Pocher“. Aktuell moderiert er wieder das überarbeitete “Harald Schmidt” Format einmal die Woche.
Band: Helmut Zerlett (außer 2004-2007) und Band
Sidekick: Manuel Andrack, Bandleader Helmut Zerlett jr., Suzana Novinščak und Madame Nathalie Licard – nach Wechsel zur ARD 2008-2009 mit Oliver Pocher
Populäre Segmente: Weisheiten des Konfuzius, nachgespielte Szenen (z.B. mit Playmobil), Phantastische Paralipomena

Die regelmäßige Sendung von Stefan Raab hatte zu Beginn nicht allzu viel mit der klassischen Late-Night gemein, zumal sie auch nur wöchentlich ausgestrahlt wurde. Nachdem Vorbild seiner vorherigen Sendungen auf VIVA, war es zunächst Raabs Mission sich über das Fernsehen und seine Protagonisten lustig zu machen und den besten Nonsense mit dem “Raab der Woche” auszuzeichnen. Man erinnere sich hier an die Jagd nach “Dieter Bürgi” oder ähnlichen anarchischen Aktionen. Doch mit der Änderung auf das tägliche Format von Montag bis Donnerstag hat sich TV Total dem klassischen Late-Night-Format immer mehr angenähert. Raab hat die Showtreppe, eine Live-Band, einen einführenden Monolog und regelmäßig nationale und -vielleicht verwunderlicher – internationale Stars zu Gast, die üblicherweise auch live auftreten. Raab hat das Nippelbrett (das TV-Schnipsel auf Knopfdruck auslöst) etabliert, welches eine Zeit lang auch bei Craig Ferguson zu sehen war. Und er hat den fahrbaren Schreibtisch. Obwohl er eher ein mittelmäßiger Interviewer ist, hat es Raab mit Gespür für Musik und Brachialkomik geschafft, einen deutschen Fernsehklassiker zu etablieren, den ich immer gerne einschalte.
Gastgeber: Seine Karriere begann Stefan Raab (gelernter Metzger und Interims-Jura-Student) 1993 beim Musiksender VIVA nachdem er einige Zeit Musikjingles komponiert hatte. Seine Sendungen Vivasion und Ma kuck’n enthielten anarchisch-komische Elemente, Raabs Aktionen hatten oft den Charakter von jugendlichen Mutproben. Mit Aufnahmeleiter Markus Wolter entwickelte er die Sendung TV Total, die seit 1999 auf Pro Sieben zunächst wöchentlich, dann zweimal und seit 2001 viermal die Woche zu sehen ist. Besonders auffällig war Raab schon immer wegen seiner Musikalität. Obwohl er keine klassische Ausbildung hat oder Noten lesen kann, spielt er diverse Instrumente und komponiert. Mehrfach hat er Ausschnitte in seiner Sendung zu erfolgreichen Musikstücken verarbeitet (z.B. Maschendrahtzaun oder Wir kiffen). Aus TV Total sind diverse Spin-Off Shows entstanden, viele als Wettbewerbe von Prominenten in aberwitzigen Disziplinen (Wok-WM oder Turmspringen) aber auch sein Engagement um den Eurovision-Song-Contest, die nationale Musikshow Bundesvision-Song-Contest oder die Show “Schlag den Raab“, in der Kandidaten gegen ihn um Millionenbeträge antreten, haben ihn weithin bekannt gemacht. So hat sich Raab über die letzten zehn Jahre zu einem der größten deutschen Entertainer gemausert. Sein Privatleben schirmt er allerdings konsequent gegen die Medien ab.
Band: Die Heavytones
Sidekick: Elton und die Band
Populäre Segmente: Raab der Woche, Elton ferngesteuert, Raab in Gefahr, TV Total TV-Tipps zum Wochenende, Blamieren oder Kassieren, TV-Box
Erwähnenswert, weil auch saukomisch, wäre auch noch der Nachfolger von Conan O’Briens Late-Night Jimmy Fallon. Insbesondere die amerikanischen Late-Night-Shows gibt’s im Internet meist in Schnipseln auf den jeweiligen Websites oder komplett über (böse, böse) diverse Torrentwebsites. Der geneigte Leser möge sich also selbst ein Bild machen. Übrigens ließte ich mich gerne über Late-Night in anderen Ländern belehren, gibt’s z.B. etwas vergleichbares in Großbritannien oder Frankreich? Ich freue mich auf Kommentare. SWoL cares!
Wenn ich die Berichterstattung überblicke, ist die Republik gespalten in drei Gruppen: Da sind zum einen die Zustimmer, sie glauben Horst Köhler hat vollkommen zu Recht (nämlich, weil er den “Respekt vor seinem Amt” vermisse ) seinen Job als Bundespräsident gekündigt, sie haben Respekt vor seiner Entscheidung. Zum anderen sind da die Kopfschüttler, sie glauben der ehemalige Bundespräsident habe mit seinem Rücktritt überreagiert, womöglich habe er die amerikanische Schelte über den Ölkonzern BP fälschlicherweise auf sein Amt (BundesPräsident) bezogen. Sie argumentieren Köhler sei zu dünnhäutig, also quasi ein Weichei und kam sich in seinem Amt überflüssig vor, zumal ja selbst die Kanzlerin ihn nicht verteidigen mochte. Zumindest das Überflüssig-Sein kann man schwer wegreden, schon Rainald Grebe singt in seiner Hymne auf das Amt:
“Jetzt kommt ein Grußwort für Hartz IV-Empfänger
Ihr Schicksal trifft mich auch persönlich
Sie halten sich für überflüssig
Es geht mir da ganz ähnlich”
Dann gibt es eine dritte Gruppe, die Verschwörungstheoretiker. Sie kamen in den diversen Diskussionsrunden in der letzten Woche ausgiebig zu Wort. Ihnen allen gemein ist die Annahme, dass Köhler seinen Hut aus einem viel bedeutsameren Grund nahm, als den paar kritischen Stimmen ob seines mißglückten Kommentar zum deutschen Afghanistaneinsatz. Diesen Grund kann er freilich nicht nennen, wer weiß also, was tatsächlich auf dem Spiel steht? Was die Politik uns, also dem Souverän dieses Landes, verschweigt? Ich möchte mich letzterer Gruppe anschließen und vermute einfach mal ins Blaue hinein, dass die versammelte Waffenlobby dem Präsidenten mit Waffengewalt den Rücktritt nahegelegt hat, nachdem er mit seiner Aussage angedeutet hatte, es gäbe wirtschaftliche Interessen am Afghanistankonflikt. Noch bis kurz vor der Pressekonferenz hatten sie seine Frau als Geisel genommen und erst nachdem klar war, dass er den für ihn eiligst getippten Abschiedstext auch vor versammelter Presse vorlesen würden durfte Frau Köhler wieder an seine Seite, von welcher sie ja dann auch nicht mehr wich. Denn wirtschaftliche Interessen als Ursache für einen bewaffneten Konflikt, das wäre ja nun wirklich vollkommen unangemessen. Geradezu unvorstellbar!! Und damit das auch so bleibt, spricht man nicht darüber. So, wie man ja auch lange Zeit nicht von einem Krieg in Afghanistan sprach. Upps!
Werbung nervt
Egal ob privat oder öffentlich-rechtlich, wer fernsieht oder Radio hört, wird lebendig beworben. Manchmal geben sich die Firmen ja durchaus Mühe, in den meisten Fällen aber eben nicht. Da ist die schlanke, optisch gesunde Frau, die sich beklagt, weil sie sich ja so aufgebläht fühle. Und noch bevor man ihr entgegenschreien kann, sie sollte doch mal gepflegt einen fahren lassen, da drückt sie schon die Packung kulturell wertvollen Joghurts gegen das Objektiv, den sie jetzt täglich esse und seitdem offenbar blähungsfrei daherkommt. Dass dieser Wunderjoghurt nachweislich erstmal nur doppelt so teuer ist wie ‘normaler’ Joghurt aber daran gemessen nicht wesentlich besser für den Darm, dass verschweigt der Spot. Schnipp, da werde ich schon über Pierres BASE aufgeklärt. Das ist ja so flexibel, weil man alles mögliche dazu und wieder weg buchen kann. Toll, tangiert mich aber nicht, weil ich nicht jeden Monat aufs Neue mein Telefonnutzungsverhalten analysiere. Und keiner kann mir erzählen, dass unsere Babies plötzlich alle wahnsinnig Grips ansetzen, weil sie in ihren Mörderpampers die ganze Nacht durchstrullen können ohne davon wach zu werden. Meine Mutter hat meine Stoffwindeln (und die meiner Schwester) noch gewaschen und wiederverwendet! Hat auch nix geschadet, denn wenn man einmal daran gewöhnt ist, die Kacke einfach laufen zu lassen, kommt man nur ganz schwer wieder davon weg.. Wenn überhaupt, dann sollte man die Hightech-Windeln für die um sich greifende Doofheit der Leute verantwortlich machen. Richtig nerven tun auch die diversen Spots mit FIFA WM 2010-Bezug. Insbesondere wenn Michael Ballack, der alte Mit-Attest-zu-Hause-Bleiber, in die Kamera grinst, so als genösse er schon jetzt die Werbemillionen, die er sich trotz seiner WM-Abwesenheit verdient hat. Der gehört verpixelt!
Der Hammer ist aber ein BlendaMed-Spot, bei dem der Zuschauer aufgefordert wird, sich doch bei den tollen Wissenschaftlern zu bedanken, für die tolle Zahnpasta, die sie da ständig neu erfinden. Dazu sage ich nur: GEHT ES NOCH!! Da sitzen offenbar seit Jahrzehnten ausstudierte, vom Staat teuer finanzierte Zahnmediziner und Chemiker in einer Fabrik und basteln nicht anderes als neue Zahnpasten! Diese Menschen könnten Heilmittel für AIDS, Krebs oder Alzheimer suchen, sie könnten kranken Menschen helfen, von denen es ja zweifellos mehr als genug gibt. Stattdessen sitzen sie in der sterilen Umgebung eines Gewerbegebietes, abgeschirmt von der restlichen zivilisierten Welt und brüten über Farb- und Geschmackskombinationen für ZAHNPASTA!! Welche, so gut wie die mittlerweile ist, die Zähne schon blitzeblank reinigen müßte, WENN MAN NUR DIE TUBE MIT DEM KLEINEN ZEH BERÜHRT!
Eigentlich nicht überraschend, sondern lange, lange überfällig. Mich hat schon immer geärgert, dass ein Staat Geld raushaut – mithin sicherlich sinnvoll, aber auch nicht immer – , das er nicht hat. Gerade berichtet das Nachtmagazin, dass man sich in Europa final für einen ‘Rettungsschirm’ des Euro geeinigt hat. Tolle Sache, die allerdings gar nicht nötig wäre, wenn alle ein bisschen vernünftiger mit ihren Budgets umgehen würden. Nun hat heute die Regierung Pläne für umfangreiche Einsparungen vorgelegt, viel im Bereich Arbeit und Soziales, Subventionen abbauen, Atomkraftwerke zahlen für Störfälle. Oder so. Toll dabei: keine Einsparungen für Bildung und Forschung (sehr vernünftig) und keine Steuererhöhungen. Bankensteuer gibt’s leider immer noch keine (international traut man sich auch nicht so recht) und die Reichen besteuern mag man auch nicht, gut, die Jammern ja nun mindestens doppelt so laut, wie die armen Leute. Insgesamt augenscheinlich eine durchdachte Sache, die natürlich noch durch den Praxistest muss. Das hält aber die Opposition (=die Leute, die von Haus aus dagegen sein müssen) nicht davon ab, der Regierung an allen Ecken und Enden versagen vorzuwerfen. DGB-Chef Sommer, der für den ersten Satz seiner Erklärung drei Anläufe brauchte, die live bei Phoenix übertragen wurden. Ganz großes Kino!
Meine Frage an die Meckerpötte: Wäre es zuviel verlangt, bei solch grundlegenden, wichtigen Themen ein wenig Kooperation zu zeigen? Nur ein kleines bisschen?? Natürlich macht Sparen keinen Spaß, aber es muss nun mal sein. Und darauf, dass das alles nicht allzu unsozial wird, kann die Opposition ja konstruktiv einwirken. Wenn sie nicht zu sehr mit sinnlosen Streikforderungen beschäftigt sind. Oder damit ihre Reden auswendig zu lernen. Nah, wohl nicht.

Ich bin im Grunde ein bissl stolz darauf, immer mal wieder auf bestimmte Filme, Musik oder andere Medien mit Verzögerung aufmerksam zu werden. Wenn etwas neu ist gibt es immer einen – kleinen oder großen – Hype und erst mit etwas Abstand kann man einigermaßen objektiv Tolles und Blödes auseinanderhalten. So war beispielsweise ein Film wie “Blade Runner” trotz Hype in der Presse nur mäßig erfolgreich an den Kinokassen. Mittlerweile wird er aber weithin als Kultfilm verehrt. Was sich auch positiv auf VHS und DVD Verkäufe ausgewirkt hat.
Es geht aber um einen ganz anderen Film und der beschäftigt sich thematisch mit High-Tech aus dem letzten Jahrhundert: VHS!
Der Film heißt zu deutsch “Abgedreht” was sehr uninspiriert erscheint in Anbetracht des Originaltitels: “Be Kind Rewind“. Das heißt übersetzt “Seid nett und spult zurück” und bezieht sich auf die gute alte Videokasette, wie sie jahrzehntelang in den Videotheken leihbar war. Der Film spielt dann auch in einer solchen, sie befindet sich im Örtchen Passaic (New Jersey) und gehört Herr Fletcher (gespielt von Danny Glover). Während der verreist ist soll sein Angestellter Mike (Mos Def) das dahinsiechende Lädchen beaufsichtigen und insbesondere seinen Freund Jerry (Jack Black) fernhalten. Dieser lädt sich prompt magnetisch auf und löscht so im vorbeigehen sämtliche Videobänder. Mike und Jerry stehen nun in Zugzwang und beschließen mit einfachsten Mitteln die Filme nachzudrehen. (Screenshots!) Als erstes drehen sie “Ghostbusters” in wenigen Stunden nach, weil Frau Falewicz (Mia Farrow) den Film bestellt hat. Sie nennen diese spezielle ‘Technik’ “schweden” und begründen damit die Wartezeit auf die Filme. Überraschend kommen die nachgedrehten Filme bei den Kunden an und immer mehr Filme werden bestellt, der Laden läuft auf Hochtouren. Das ist umso erfreulicher, da das Gebäude dringend renoviert werden muß und Fletcher dazu das Geld fehlt. Die Leute zahlen sogar dafür, in den geschwedeten Filmen mitzuspielen. Doch dann schlägt die Filmindustrie gnadenlos zu und alle Filme werden wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht vernichtet. Die Enttäuschung wärt nur kurz, dann entschließen sich Mike und Jerry die Lebensgeschichte der Jazz-Ikone Thomas “Fatts” Waller zu verfilmen und damit das fehlende Geld zu verdienen. Der Film endet unkonventionell und unerwartet, wie genau soll aber noch nicht verraten werden.
Regisseur Michel Gondry (Vergiss mein nicht) hat insbesondere mit den kongenialen Filmen-im-Film etwas geschaffen, dass das Zeug zum Klassiker hat, wenn auch durchaus die Handlung insgesamt ein bissl löchrig ist. Seinen Charme entfaltet der Streifen im Grunde dann, wenn sich Mos Def und Jack Black in die selbstgebastelten Kostüme werfen und mit simpelsten visuellen und praktischen Tricks ihre Versionen bekannter Filmklassiker verwirklichen. Dazu gibt es eine geniale schnittfreie Sequenz, die zeigt wie mehrere Filme gleichzeitig “geschwedet” werden. Klar, einige werden Jack Black zu albern oder die Geschichte zu anspruchslos finden. Aber wie der Film es schafft die Remix-Kultur der Gegenwart aufzugreifen und trotzdem in ein organisches, erstaunlicherweise undigitales Setting zu transferieren, hat zweifellos Respekt verdient. Der Trend des “Schwedens” hat auch auf YouTube Niederschlag gefunden. Unabhängig davon hat der Film auch eine rührselige Seite und thematisiert den nachbarschaftlichen Zusammenhalt. Zugegeben, dass klingt alles ein bißchen nach Anachronismus und vielleicht ist es das sogar, aber es erinnert uns doch daran, das früher halt nicht alles schlecht war.
In meiner anhaltenden Suche nach festen Blogschemata eröffne ich hiermit die Serie Meinungsmontag, in der ich ungefragt meine Meinung zu aktuellen Themen preisgebe. So subtil wie möglich.

Kurz ge-zsf’t: CDU ganz groß verloren. Mmh. SPD real verloren, gefühlt gewonnen. Grüne ganz groß gewonnen (r+g), FDP und Linke mit drin und Andere ein bissl gewonnen (basiert auf vorläufigem Endergebnis). Rot-Grün möglich, Schwarz-gelb nicht. Bundesratmehrheit wohl futsch. Ist das ein Fortschritt?
Ohne allzu zynisch wirken zu wollen, für mich zeigt das nur, dass die Menschen unentschlossen sind. Genau so wie die großen Volksparteien, die sich ja schon seit Jahren immer mehr annähern. Wie lange noch bis Fusion zur Christlich-Demokratischen-SozialPädagogischen-Sozialistischen-Partei-Union (CDSPU)? Die Wähler wechseln ihre Meinung munter von einem Jahr auf’s andere und im Endeffekt sind die Parteien relativ hilflos. Sie laufen ihrem Klientel hinterher, wie die Manager ihren Aktionären. Oder die Geeks dem iPad. Oder die Verlage dem iPad. You get the point.
Politik, das heißt derzeit Manager von maroden Ist-Zuständen zu sein, Erhaltung überholter Systeme für ein wankelmütiges Volk. Das Spannungsfeld liegt irgendwo zwischen Arbeiternehmer und Arbeitgeber, Anleger und Kleinsparer, gesetzlich und privat versichert, selbstständig und arbeitslos, katholisch und islamistisch, Hauptschule und Gymnasium, Mac oder PC. Wer wollte da auch nur versuchen, die Masse mitzureißen?
Politik sollte aber sein, Ziele zu definieren und Zukunft zu gestalten. Oder wenigstens Gegenwart verstehen und darauf reagieren. Klappt super, wenn Frau Aigner den Bürgern nahelegt, in den Gemeinden Unterschriftenlisten(!) gegen Google Street View zu sammeln. Warum nicht wenigstens eine Mailingliste? Ein Forum? Ne’ Newsgroup? Ein im Anachronismus geeintes Volk. Nicht immer aber immer öfter.

Man stelle sich vor, eine Großfamilie (16 Leute, um viele Ecken verwandt), viele Jahre über die Welt verstreut gelebt, findet zusammen und möchte wieder engere Bande knüpfen. Sie verabreden z.B. gemeinsame Familienfeiern, tauschen Adressen aus und dann, weil sie nach außen Gemeinsamkeit zeigen wollen, gründen sie zusammen, ähm, sagen wir mal: eine gemeinsame Währung. Wir nenne sie den Euro. Olé, Olé, alles Super.
Alles ist klasse, die Familie benutzt die Währung und handelt kräftig, alle stehen scheinbar ziemlich gut da. Jeder hat ein paar Schulden, Kredite, Verpflichtungen, klar, wer hat die nicht? Aber alle haben Jobs, Einkommen größer Ausgaben, sie haben sich gegenseitig natürlich nicht die Kontoauszüge gezeigt, ist ja die Familie. Und es läuft.
8 Jahre später, es ist Krise, Finanzmarkt und so, die Familie trifft sich zum kleinen Fest, kommt ins Plaudern und raus kommt: Der Großonkel Calinichta hat ein paar mehr Schulden, als er verraten wollte. Lebt schon seit Jahren weit über seine Verhältnisse. Alle gucken betroffen und schlucken. Besonders Tanta Sampaio und Neffe Caruso. Allen geht irgendwie die Muffe, weil sie so richtig eigentlich doch nicht mal wissen, wie sie ihre eigenen Schulden zahlen sollen. Und was werden erst die Nachbarn sagen? Der Herr Johnson beispielsweise.
Also geben dem Onkel alle Familienmitglieder von dem Geld, dass sie nicht haben, was ab, damit die gemeinsame Währung vor den Nachbarn nicht schlecht da steht. Geht gar nicht? Richtig! Stattdessen geben die anderen Familienmitglieder das Versprechen ab dem Onkel Geld, das sie nicht haben, zu geben, wenn der es denn braucht. Doppel-Schwör! Außerdem schimpfen sie mit dem Onkel und der verspricht hoch und heilig, dass er mit Sparen anfängt. Auch wenn die Frau rebelliert. Und boa, wie die rebelliert.
Und alle leben glücklich bis an ihr seliges Ende. Hehe.
Noch im letzten Jahr erklärten Experten lang und breit, dass ein Staat nicht bankrott gehen kann. Aber von Staatengemeinschaft war nie die Rede!
Steve mag Flash nicht. Weil, ähem, es ist nicht frei! Welch’ edles Motiv! Ja, es ist kein offener Standard. Und es zieht zu viel Strom auf mobilen Geräten. Oho, das ist schlecht für den Konsumenten! Flashapplikationen sind für Mäuse gemacht und nicht so richtig toll zum antouchen. Und obendrein funktioniert es einfach nicht! Jaha!!! Oh, one more thing: Eszerstörtunsunsertolles-abgeschlossenesökosystem-wowireinschweinegeldmitverdienentun. Die ersten sind aber wichtiger. Klar. Denn, wenn Apple etwas ist, dann frei! Die würden nie, beispielsweise, bestimmte Apps aus ihrem AppStore verbannen. Oder dafür sorgen, dass ihre Software nur auf ihrer Hardware läuft. Oder verhindern, dass man gekaufte Inhalte tauscht. Also: Wer im Glashaus sitzt (schon mal einen Apple Store gesehen?), sollte nicht mit iPods werfen.
Hammer ist aber: Flash-Evangelist (=Typ, der wo echt gute Stimmung für Flash machen soll) versucht eine Flash-Beta auf einem Android-Phone zu zeigen. Vor Publikum und so. Öffnet Seite in Browser. Browser stürzt ab. Öffnet Seite erneut, stürzt wieder ab. Fragt Publikum was er öffnen soll. “Hulu” (amerikanische Videoportal Anm. der Red.) Antwort: “Hulu doesn’t work”. Demo Ende. Fail!
Am Ende muss man konstatieren: 0 Punkte beide. Setzen. Sechs.
Anmerkung: Ich mag Apple. Wegen der Produkte und der Konvenienz in der Nutzung. Aber das Apple seine Marktmacht nutzt, um Freiheit zu propagieren, gar ohne Eigennutz zu fordern, sehe ich nicht. Die anderen Kritikpunkte aus Jobs’ Brief treffen aber zu.
Und Flash mochte ich noch nie.

Man sollte meinen, dass die Welt durchaus schon krisengeschüttelt genug ist: Krieg in Afghanistan, in den USA bricht der Sozialismus aus, die Finanz- und Wirtschaftskrise (nach zwei Jahren immer noch keiner Schuld), DSDS, Justin Bieber, ich könnte mühelos weitermachen.
Aber offenbar reicht das nicht, denn seit einigen Tagen beherrscht nur ein Thema die Nachrichten: Der Ascheregen aus dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull, welcher erfolgreich den Flugverkehr über Europa lahmlegte und damit auch alle anderen Verkehrswege in Mitleidenschaft zog. Während die meisten Betroffenen wohl zunächst wütend, dann resignierend die Einschränkung zur Kenntnis nehmen, bin ich als Verschonter einigermaßen überrascht, dass offenbar erstmals in der Geschichte ein Vulkanausbruch mit Ascheausstoß derlei Folgeschäden verursacht. Das zeigt eindrucksvoll, wie unvorbereitet wir doch offenbar auf die doch eher gängigen Naturschauspiele dieser Welt sind. Und wie viel Demut uns im Umgang mit den Wundern der modernen Personenbeförderung fehlt. Willkommen im 21. Jahrhundert!
Einem Spektakel ganz anderer Art durften @danvers und ich am Freitag im Kino beiwohnen. Wir konsumierten den Film “Kampf der Titanen”, ein Special-Effects-3D-Popcorn-Machwerk, das, im Gegensatz zur Regierungskoalition, vollkommen hielt, was es versprach. Zunächst mal muß ich aber feststellen, dass der Titel im Grunde eine Mogelpackung ist, tatsächlich gibt es im Film selber keine direkte Auseinandersetzung zwischen Titanen (zumindest nicht nach meinem Verständnis) sondern nur zwischen Titanen und Menschen, wobei des einen Überreste durchaus als Waffe gegen einen anderen zur Anwendung kommen. Der Film ist ein Remake (Original 1981) basierend auf den allseits bekannten Geschichten der griechischen Mythologie: Held Perseus (auch Name einer Bekleidungskette in GTA IV, gespielt von Sam Worthington) ist ein unehelicher Sohn des Qui-Gon Zeus und wächst bei menschlichen Eltern auf, die aber von Lord Voldemort versenkt werden. Er landet in Argos, was Pech ist, denn die Götter planen den Kraken (oder die Krake, da ist der Film unentschlossen) auf die Stadt loszulassen, wenn die Menschen nicht wieder beten und die Königstochter Andromeda opfern (wie der Stern von Galaktika aus ‘Hallo Spencer’). Das geht natürlich nicht, und weil die ja auch so nett is läßt sich Halbgott Perseus überreden die Hexenzyklopen von Eastwick aufzusuchen, die ihm verraten sollen, wie man Kraken tötet. Nach beschwerrlicher Reise und tollem 3D Kampf gegen Riesenskorpione (die aber später als Reittiere dienen) erfährt er dann: Einfach Medusa in der Unterwelt die Rübe abhauen und dem Kraken zeigen, der versteinert vor Schreck, fähtich. Also wandert der Held weiter und trotzdem ihm alle Versagensängste einreden wollen (bis auf Io, die ihn zur Motivation auch mal ranläßt) wird natürlich am Ende alles gut und der Held könnte die Prinzessin haben, wenn er nicht hoffnungslos schwul wäre, wie die meisten Griechen zu der Zeit.
Mein zweiter Film in 3D und langsam werden die technischen Grenzen und Probleme der Technik offenbar (Tiefenschärfe, schnelle Bewegungen, zu kleine Objekte ). Und obgleich der Film wohl nicht die 11,50 € Wert war, die er gekostet hat (Notiz an mich, Kinobesuche am Freitagabend belasten das Budget nachhaltig) so war er durchaus passend um dabei ein Tüte Popcorn zu vernichten und hinterher nicht weiter drüber nachdenken zu müssen. Muss auch mal sein dürfen. Als Ausgleich kann der unterforderte Filmconnaisseur ja dann eine Angelopoulos -Retrospektive nachschieben. Is auch griechisch.

Fürwar, ich entbiete Grüße an die versammelte Geekheit und das verehrte Nerdtum!
Auch die Gilde der Medienbildner sei willkommen geheißen, so dies nicht der Redundanz anheim fällt.
Seher und Schreiber berichten uns, dass also in den Vereinigten Staaten jenseits des großen Wassers das sagenumwobene iPad erschienen sei. Es ersetze die Laute, das Pergament, so manches Kinderspiel gar. Man solle sogar an des Priesters statt in der Lage sein, unsichtbares Wissen aus der Luft zu sehen, so man seine Hand über das magische Glas zu bewegen versteht.
Und es schicken sich Millionen an dem heiligen Jobs zu huldigen, der mit Hundertausenden der Wunderplatten vom ‘Infinite Loop’ stieg und sie seinen Schäfchen im Tausch gegen einen Heidenberg von Talern überlies. In nicht allzu ferner Zukunft vermag das Wunder auch die hiesigen Gefilde zu erreichen. Allerdings wird es nicht die gesammelten Schriften unserer Sprache enthalten. (Die Verhandlungen mit den Verlagen für deutsche eBooks laufen wohl noch.) Schon unlängst predigte ich euch, meinen Jüngern, von den Werken des Einen und äußerte meine bescheidenen Gedanken. Read the rest of this entry »

Ich bin ein PC… und mir fällt nichts Neues ein.
Derzeit nervt Microsoft den geneigten Fernsehzuschauer mit seinen 7 Sekunden Demos (die als Film 15 s dauern), in denen einige der cutting-edge Features von Windows 7 vorgestellt werden sollen. Als da wären:
Achtung, subjektive Einschätzung voraus!
1. Windows Suche (START – tippen -fertig): Naja, klingt unheimlich nach Apples Spotlight (seit 10.4), mit dem Unterschied, dass ich dort tatsächlich meinen ganzen Computer durchsuche und viel mehr Dateitypen finden kann. Besser: Google Desktop Search.
2. Schnelles Starten: Mmh. Also Muttis neuer Laptop (Quadcore, 4 Gb Ram, dedizierte Grafik, Riesenungetüm, Windows 7) braucht sowohl aus’m Stand-by als auch aus dem Ruhezustand länger als 7 Sekunden. Und damit wesentlich länger als z.B. mein MacBook Pro. Vom Booten reden wir mal gar nicht.
3. Heimnetzgruppe: Wow, endlich finden sich Windows Rechner im Netzwerk! Ähm, naja Vista und 7 zumindest. Und alles andere (also mein NAS, Linux Rechner mit Samba und mein Macbook) dauert halt ein paar Sekunden. Halt mal, konnte das XP nicht auch schon?
4. Vorschaufenster: Hübsch! Gibt’s natürlich auch schon bei der Konkurrenz, aber was solls. *g*
Dann gibt’s da noch die tolle Shake (Schüttel) und die Snap (Schnapp) Funktion. Damit kann man Fenster bloßstellen (also alle anderen Fenster verkleinern) und nebeneinander anordnen (gab’s auch schon in Windows 3.1 (F)enster -> nebeneinander anordnen). Dafür gibt’s aber in der Tat zwei kleine Innovationpunkte. Das Schnappen funktioniert allerdings nicht mit zwei Monitoren.
Ich bin kein PC… der steht hier vor mir.
Seit kurzem ist das Video von Jane McGonigals Vortrag auf der diesjährigen TED Konferenz online. Unter dem Titel “Gaming can make a better world” stellt die Forscherin ihre Versuche vor, mit digitalen Spielen Probleme der echten Welt zu lösen. Dazu gibt’s auf der Website eine lebhafte Diskussion.
Conan O’Brien twittert
Es war nicht wirklich lange ruhig um ihn, nachdem Moderator Conan O’Brien seinen Job als Gastgeber der Tonight Show an Jay Leno abgegeben hatte. Zunächst legte er sich einen Twitter-Account zu und versammelte dort mit täglichen Tweets bis heute über 720,000 Follower. Er selbst folgt nur einer zufällig ausgewählten Person, nämlich der Studentin Sarah Killen, die daraufhin selbst eine gewisse Prominenz erlangte. Jetzt geht er, weil er bis September keine Fernsehshow moderieren darf unter dem Titel “Legally Prohibited From Being Funny on Television”, auf Comedy-Tournee in den USA. Bleibt zu hoffen, dass davon auch was im Netz landet.
Den Kopfschüttler des Monats gewinnt wohl ganz klar eine Mediengeburt namens Gregor Glanz. Ich wußte gar nicht, dass wir nun auch schon ‘Germany’s next Peterudo Alexanderjürgens’ suchen…
Mahlzeit!
Vor fast exakt genau einer Woche startete die TED-Konferenz in Long Beach. Von Mittwoch bis Samstag versammelte sich die TED-Community um inspirierende Vorträge der besten Wissenschaftler, Künstler und Aktivisten zu sehen und zu hören. Und überall auf der Welt versammelten sich Mitglieder der erweiterten TED-Community um im Web die Konferenz zu verfolgen. Ich hatte als Helfer im TED Translation Projekt ebenfalls die Möglichkeit der Konferenz live im Web beizuwohnen.
TED ist eine überaus exklusive Konferenz, jegliche Form der Mitgliedschaft schlägt mit relativ hohen Beiträgen zu Buche. Hier versammeln sich die einflussreichsten und auch wohlhabendsten Individuen Amerikas und der Welt um Ideen auszutauschen. “Ideas worth spreading.” Das mag vielleicht elitär wirken, tatsächlich bemüht sich TED mehr und mehr über verschiedene Programme (quasi Stipendien) interessanten Mensch den Zugang zu ermöglichen. Insofern ist Ideenreichtum wohl wichtiger als Wohlstand. Nichtsdestotrotz, die TED Foundation ist eine Non-Profit-Gesellschaft und alle Einnahmen kommen den zahlreichen Projekten zugute.
Tatsächlich werden, wie schon seit 2006, die herausragendsten Beiträge in den nächsten Monaten auf der TED Website veröffentlicht und stehen damit allen zur Verfügung. Ich möchte kurz einen Überblick über die Themen geben, die mir persönlich im Gedächtnis geblieben sind.
Der Höhepunkt der Veranstaltung war wohl Jamie Olivers Beitrag, der als TED Prize-Gewinner seinen Wunsch vor allen Anwesenden formulieren konnte. Er sprach über das Ernährungsproblem, das in Amerika (aber im Grunde auch allen anderen Industriestaaten) offensichtlich ist aber scheinbar kaum beachtet wird. Wie auch schon in Großbritannien hat Oliver wieder ein Fernsehsendung gemacht, in der er die Ernährung an einer amerikanische Schule reformieren will. Er plädierte eindrucksvoll für bessere Erziehung zum Thema Ernährung und gesünderes Essen in Mensen und Cafeterien, wo es Schülern, Studenten oder Mitarbeitern tagtäglich angeboten wird. Der Beitrag ist schon online bei TED verfügbar, ich empfehle unbedingt sich das mal anzuschauen.

Einer der wenigen Beiträge, der ein der Medienbildung nahestehendes Thema behandelte. McGonigal macht Computerspiele, die Spielern die Möglichkeit geben sollen, Probleme der echten Welt zu lösen. Im ersten Teil ihres Vortrags argumentierte sie, dass Spieler innerhalb der Spielwelt bereit sind komplexe Probleme zu lösen und das es tatsächlich bestimmte Fähigkeiten gezielt fördert. Beispielsweise neigen Computerspieler dazu, ein Problem solange anzugehen, bis es gelöst ist. Sie wissen, dass es lösbar ist, denn ein Spiel bietet nur lösbare Probleme an, oft mit vielen möglichen Lösungswegen. Diesen Problemoptimismus vermisst man im realen Leben oft. Die Frage ist also, wie man diese Kraft aus der Spieltwelt in die reale Welt holen kann, und darauf zielen McGonigals Spiele ab.
So war beispielsweise das Szenario in “World Without Oil” eine globale Ölkrise. Die Spieler waren aufgerufen die ersten 37 Wochen dieser Krise mitzuerleben. Sie konnten im Rahmen des Spieles die Konsequenzen für ihr eigenes Leben feststellen und im Laufe der Zeit sollten sie Beobachtungen, Lösungen und Erfahrungen in das Spiel zurückmelden. Dazu konnten sie jede Medienform nutzen, die sie wollten. Alle Geschichten der Spieler sind noch immer im Archiv vorhanden und man kann, obwohl das Spiel schon beendet ist, nachvollziehen, wie es funktioniert hat.
Interessante Gedanken, vor allem wenn man bedenkt, auf welcher Ebene sich die Diskussion um Computerspiele hierzulande abspielt. Da wird es noch eine Weile dauern, bis man sich fragt, wie man sich das Phänomen Computerspiele nutzbar machen kann.
Es gab einige spannende Vorführungen neuer Technologien bei TED, unter anderem einige erstaunliche Erweiterungen für Bing Maps, die als Video schon online verfügbar sind.
Darüberhinaus zeigte John Underkoffler ein bewegungssensibles Interface um Computer sogar in 3D zu steuern. Wer sich darunter nichts vorstellen kann erinnere sich bitte an den Film Minority Report und visualisiere kurz das dortige Computersystem. Hier ein Demo-Video.
g-speak overview 1828121108 from john underkoffler on Vimeo.
Es gab noch Dutzende spannende Themen, leider konnte auch ich nicht alle Beiträge sehen. Viel Diskussionen löste wohl der Beitrag von Sarah Silverman aus, leider hab’ ich den verpasst und möglicherweise wird er auch nicht online verfügbar sein. Aber Techcrunch hat die Aufregung ganz gut zusammengefasst. Besonders gefreut hab’ ich mich auf Sir Ken Robinson, der seinen Auftritt von 2006 nahtlos fortgesetzt hat. Wenngleich sein Anliegen noch immer das alte ist, kaum jemand versteht es die Dinge so auf den Punkt zu bringen. Vollkommen überraschend toll war der Vortrag von Adora Svitak (12 Jahre alt) die das Wort für den Ideenreichtum der Kinder ergriff. Ebenso überrascht hat mich der Vortrag von James Cameron, der nur sehr beiläufig über seine unverschämt erfolgreichen Filme sprach sondern erklärte, wo sein eigentliches Interesse liegt.
Wenn nach und nach die Videos dieser Konferenz veröffentlicht werden, komme ich gerne dezidiert auf die einzelnen Themen zurück. Insgesamt muss ich sagen war es ein überwältigendes Erlebnis und eine große Inspiration.