Feb
04
Terry Gilliam at IFC Center:

Image via Wikipedia

“Das Publikum ist träge. Man darf es nicht überfordern. ”
“Wir brauchen möglichst viele bekannte Stars.”
“Es gibt Gewohnheitsregeln der Wahrnehmung und Struktur, die einzuhalten sind.”
“Können wir nicht stattdessen eine Fortsetzung von was Bekanntem machen?”
“Das versteht doch keiner. Geht das nicht simpler?”
“Was ist eigentlich ihr Punkt? Was wollen sie sagen?”

Ich kann’s natürlich nicht beweisen, noch nicht mal aus Erfahrung sprechen, aber so oder so ähnlich stelle ich mir die Kommentare der großen Geldgeber des Film, der Studios und Produzenten, vor, wenn ihnen ein Filmemacher, der vielleicht etwas gegen den Strom schwimmt, begeistert Filmideen unterbreitet. Jeder Filmschaffende wird wohl sagen, dass es im Film Regeln gibt. Und dass man sie kennen muss, bevor man sie brechen kann. Eine solche Regel scheint zu sein, dass man sein Publikum nicht herausfordern darf, weil das so ähnlich klingt wie überfordern. Unterhaltung darf nicht anstrengend sein. Vor allem im deutschen Fernsehen hat man das verstanden. *g*

Aber um TV soll’s gar nicht gehen, sondern um den neuesten Film von Terry Gilliam mit dem herrlichen Titel ” Das Imaginarium des Doktor Parnassus“. Denn Terry Gilliam ist so ein Filmemacher, der nicht oft die Chance bekommt, ein Projekt bis zum Ende durchzubringen. Oft scheitert es am Studio, manchmal auch an höherer Gewalt. So wäre eben dieser Film beinahe am Tod eines seiner Hauptdarsteller – dem Schauspieler Heath Ledger – gescheitert. Offenbar aufgrund mangelnder Faszinativität – die angeborene Fähigkeit genuinen Fasziniertseins -  seitens einiger Redakteure, handelt beinahe jeder Artikel über den Film zu großem Teil oder ausschließlich von Ledgers Tod und seinen Auswirkungen, so dass es hier nicht nochmals aufgewärmt werden muss.

Ein Hauch von Story: Ein turmartiger Schaustellerwagen, von Pferden gezogen, rollt durch die Straßen des heutigen Londons. Auf der fahrenden Bühne zeigt Dr. Parnassus – ein tausende Jahre alter, zumeist betrunkener, doch unsterblicher Schamane gespielt von Christopher Plummer – eine ebenso gealterte Show, die niemanden zu interessieren scheint. Unterstützt wird er von Anton (Andrew Garfield), einem Zwerg namens Percy (Verne Troyer) und seiner Tochter Valentina (Lily Cole). Das Zentrum dieser Show ist ein magischer Spiegel, durch welchen man in die Fantasiewelt des Doktors wechseln kann. Hier wird der Besucher in einer Begegnung mit sich selbst vor die Wahl zwischen leicht oder anstrengend, eigennützig oder freigiebig, kurz: gut oder böse gestellt.

The Imaginarium of Doctor Parnassus

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Parnassus hat die letzten Jahrtausende damit zugebracht mit dem Teufel aka  Mr.Nick (Tom Waits) Wetten abzuschließen und diese regelmäßig zu verlieren. So hat er als seinen letzten Wetteinsatz seine Tochter an Mr Nick. verloren, sobald sie 16 Jahre alt wird. Dieser Geburtstag steht kurz bevor, doch der wettsüchtige Teufel schlägt eine weitere Wette vor: Wer als erster fünf Seelen für sich gewinnen kann, bekommt Valentina. Die Karten stehen schlecht,  als die Schaustellertruppe den zwielichtigen Tony (Heath Ledger) findet, der halb tot am Strang von einer Brücke baumelt. Sie können ihn jedoch retten und als Dank, hilft er ihnen die Show zu ‘modernisieren’. Allein seine Beweggründe bleiben ein Rätsel, wenn auch nicht für lange…

Gilliam ist kein Freund von linearen Plots und klassischen Dreiaktern, seine vergangene Filme sind von daher oftmals schwer zugänglich. Seine Stärke hingegen ist das Visuelle. Das sagt er selbst, schon für Das Leben des Brian war er deswegen dem Regiestuhl ferngeblieben und hatte sich im Produktionsdesign ausgetobt. Filme wie Jabberwocky, seine Interpretation der Abenteuer des Baron Münchhausen oder Time Bandits zeigen die bildgewaltigen Welten, die nur Gilliam erschaffen kann. Auftragsarbeiten wie König der Fischer oder Twelve Monkeys waren kommerzielle Erfolge, aber seine eigenen Geschichten taten sich immer schwer im Mainstream, obwohl er besonders bei Literaten scheinbar großes Vertrauen genießt. So wollte J.K. Rowling eigentlich Gilliam den Potter verfilmen lassen, auch für Der goldene Kompass und Charlie und die Schokoladenfabrik war er Wunschkandidat, scheiterte jedoch immer an den Studios, die sich nach wie vor schwer tun, Gilliam richtig Geld in die Hand zu geben.

Auch dieses Imaginarium, welches im Grunde eine Parabel auf Gilliam selbst ist, entfaltet sich nur langsam vor den Augen des Zuschauers, aber es ist zugänglicher als viele andere seiner Filme. Diverse Reviews legen nahe, das Gilliam so diszipliniert wie selten vorgeht. Es geht um universelle Ideen, wie der nie endende Kampf von Gut und Böse, den Stellenwert von Fantasie und Vorstellungskraft in unserer Gegenwart und nicht zuletzt wie Menschen dazu im Verhältnis stehen. Mehr als einmal kommentiert der Film sich selbst, beispielsweise wenn Betrunkene zu Beginn Flaschen nach den Schaustellern werfen und sich niemand findet, der bereit ist, sich auf die Wunderwelt einzulassen. Oder am Schluß, wenn Parnassus von einem Jungen gefragt wird, ob es ein Happy End geben wird und er antwortet: “Dafür können wir nicht garantieren.”

Bei Gilliam gibt es kein Schema F und noch immer sucht er mit seinen Filmen ein Publikum, dass eine Herausforderung zu schätzen weiß. Das den Film nicht abspulen und vergessen sondern erleben und mitnehmen will. Während zwei Säale weiter Camerons 3D Ungetüm als der nächste revolutionäre Schritt des Kinos gefeiert wird (mit dem sich zudem vortrefflich Geld scheffeln läßt), wirkt der Fantasmus, die Brillianz und die Weirdness vom Imaginarium des Doktor Parnassus in der Tat hin und wieder wie ein Relikt aus vergangenen Tagen, ähnlich wie das Wandertheater, welches er zum Inhalt hat. Doch täuschen sie nicht: Großartige Darsteller, berauschende Bilder und tragende Gedankengebäude machen dies zu einem Film  “voller halbfertiger und fertiger Ideen, was im Ganzen mehr Ideen sind, als andere Filme auch nur erwägen.” (frei übersetzt Boston Globe)

Fazit: Absolut empfehlenswert! Kein Popcorn nötig. *g*

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Dez
29
Film poster for The Boat That Rocked - Copyrig...
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Jepp, ein letztes Mal vor dem Jahreswechsel möchte ich euch einen tollen Film aus diesem Jahr ans Herz legen. Der Film heißt in Deutschland aus unerfindlichen Gründen Radio Rock Revolution (OT: The Boat that rocked) und ist das letzte Machwerk von Regisseur Richard Curtis (bekannt durch Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Notting Hill, Bridget Jones aber auch Serien wie Mr. Bean und Blackadder). Neben

Der Film spielt Ende der 1960er Jahre auf einem Schiff in der Nordsee wo eine Gruppe verrückter Radiomoderatoren den Piratensender Radio Rock betreibt. Das Phänomen der Piratensender, die beinahe überall von der gesamten Bevölkerung heimlich gehört werden und eine fanatische Fangemeinde haben, stört die Regierungsbehörden, die fieberhaft nach einer Möglichkeit suchen, die Sender zu verbieten und stillzulegen.

23 March 2009

Image by adambowie via Flickr

Auf dem Boot spielen die Radio-DJs um Manager Quentin (Nill Nighy) die großen Rock-Hits der Sechziger rauf und runter, legen reihenweise Groupies flach und haben auch sonst viel Spaß auf hoher See. Da passt es eigentlich nicht wirklich, dass der 18-jährige Carl (Neffe von Quentin) von seiner Mutter auf das Boot geschickt wird, um einen klaren Kopf zu bekommen. Dort lernt er die farbenfrohen Charaktere wie den Count (Philip Seymour Hoffman) oder David (Nick Frost) kennen. Währenddessen arbeiten Minister Dormandy (Kenneth Branagh) und sein Lakai Titten (Jack Davenport) an einem Gesetz zur Elimierung der Piratensender.

Es handelt sich um eine britische Komödie mit entsprechend schwarzem Humor in kleinen Episoden und viel Musik. Der große Plot ist eigentlich nicht so bedeutsam, außerdem ist der Film zu gut zum Spoilern. *g* Für Freunde und Fans der Serie The IT-Crowd soll erwähnt werden, dass Chris O’Dowd im Film den Radiomoderator ‘Simple’ Simon spielt und Katherine Parkinson die lesbische Köchin Felicity. Der Film lebt von seinem außergewöhnlichen Ensemble und dem britischen Flair der Komik, aber er hat auch seine dramatischen Höhepunkte. Für mich die größte Szene im Film ist, als Simon – nachdem er von einer Frau verlassen wurde – zu Beginn seiner Radiosendung das Lied Stay with me baby mimisch interpretiert. Aber es gibt sicherlich genug andere Höhepunkte für jeden. *g*

Der Film ist mittlerweile schon als DVD verfügbar mit Audiokommentar und nahezu einer Stunde an entfallenen Szenen, die wirklich toll anzuschauen sind. Ebenso lohnt sich meiner Meinung nach auch der Soundtrack (Doppel-CD) mit Klassikern von u.a. The Kinks, Jeff Beck, The Who, Procol Harum und Jimi Hendrix. Wer diese Standardwerke der Rockmusic noch nicht besitzt, hat hier eine gute Möglichkeit einzusteigen. Groovy!

Mein nächster Post wird dann wohl der obligatorische Jahresrückblick.

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Okt
29

Ja, viel Zeit ist schon ins Land gegangen seit meinem letzten Post. Was ist passiert seitdem?

Nun:

Wie schon an anderer Stelle berichtet, war der Magdeburger Open Source Tag recht erfolgreich. Ein Resultat aus den vielen inspirierenden Vorträgen und Gesprächen war die Idee, ein Stadtwiki für Magdeburg und Umgebung ins Leben zu rufen. Dafür gibt es schon relativ viel Vorbilder wie beispielsweise das Stadtwiki Pforzheim Enz, das Karlsruher Stadtwiki oder auch das Rhein-Neckar-Wiki. Relativ schnell fanden sich interessierte Magdeburger und Fans der Stadt, die das Projekt angepackt haben und mittlerweile sind in etwa zwei Wochen schon 150+ Artikel entstanden. Die sind üblicherweise noch relativ kurz, darum sind wir für Unterstützung mehr als offen. Wie in jedem guten Wiki ist der Zugang frei, es ist kein Login nötig um sich als Autor zu betätigen. Geht einfach auf http://www.magdewiki.de. Nahezu jedes Thema, das irgendwie einen regionalen Bezug aufweist, hat einen Artikel bei uns verdient. *g*

Momentan bemühen wir uns einen Verein zu gründen, wir suchen noch nach einem Logo und auch sonst ist reichlich zu tun. Für mich als Forscher im Bereich Web 2.0 ist das natürlich in doppelter Hinsicht spannend zu beobachten, weshalb ich sicherlich an dieser Stelle regelmäßig über unsere Fortschritte berichten werde.

Ferner war ich am Sonntag ENDLICH im Kino um den letzten Pixar-Film anzugucken. Ich hatte mir lange vorgenommen “Wall-E” zu schauen und mir sind auch nur positive Reviews begegnet. Und tatsächlich, wie eigentlich bei Pixar fast üblich, ist der Film nicht nur ein Augenschmaus (toll gerenderte Trickfilme gibt’s ja nun schon von mehreren Studios) sondern erzählt auch eine wirklich tolle Story. Wall-E ist ein Roboter, eine intelligente Müllpresse und er räumt die Erde auf. Allein wohlgemerkt, denn die Menschen haben den Planeten, den sie Jahrtausende lang vermüllt haben, längst verlassen und planen erst zurückzukehren, wenn hier wieder Leben möglich ist. Bei seiner Arbeit findet und sammelt Wall-E Devotionalien der Menschen, kleine Dinge, Filme, Musik und andere kulturelle Artefakte. Eines Tages kommt eine Sonde (EVE genannt) auf die Erde, in die sich Wall-E verliebt. Wie er ihre Aufmerksamkeit erringt, warum er dann den Planeten verläßt und was das alles für die Menschheit bedeutet, schaue man sich unbedingt im Kino an.

Das tolle an Wall-E ist, dass der Film über weite Strecken nur durch Bilder, Musik und Geräusche kommuniziert, denn Wall-E kann nicht sprechen (bis auf seinen und den Namen der Angebeteten). Damit lassen die Macher erstmals wirklich Raum das Bild sprechen zu lassen, eine Option, die Filmemacher (im populären Film) seit es den Tonfilm gibt ja eher vernachlässigen. Trotzdem ist der Film urkomisch, man verliebt sich nach wenigen Minuten in die Charaktere und darüberhinaus stimmt er auch noch nachdenklich. All die Qualitäten eines guten Pixar-Filmes sind da und ich wage zu behaupten, dass es vielleicht der bislang beste Streifen seiner Art ist. Darum kann ich an dieser Stelle eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, eigentlich müßte es sogar eine Befehlung sein, also: Ab ins Kino! Wer diesen Film nicht sieht, darf diesen Blog einen Monat lang nicht mehr lesen… ;-)

In weiteren Lebensfragen:

Amazon hat mir gerade mitgeteilt, dass meine DVD-Box “Der kleine Vampir – Die komplette Serie (4 DVDs)” unterwegs ist. Außerdem hab’ ich hier noch “Garden State” liegen, worüber ich, so glaube ich, noch nicht gebloggt habe, was definitiv nachzuholen ist. Ansonsten reichlich mit Uni-Projekten ausgelastet und das obwohl ich’s doch eigentlich erstmal ruhiger angegen lassen wollte. Finanzkrise macht sich für mich gar nicht bemerkbar (wer nichts hat…), am Bahnhof mehr Kunden als sonst üblich am Ende des Monats, wahrscheinlich weil sie ihr Geld nicht auf die Bank tragen. Aber interessant, wie im Angesicht der Krise (die ich im Baudrillardschen Sinn fast als Simulation wahrnehme) alle sofort wieder bereit sind Freiheiten aufzugeben, vor allem wenn es nicht die eigenen sind. Die Menschen…

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Mrz
29
Filed Under (Film, criticism, movies) by yodahome on 29-03-2008

Source: FlickrI’m a little behind with most blockbuster movies (see my pretty recent discovery of Lord of the Rings) so tonight I watched Transformers on DVD. Usually I would prefer watching it on the big screen, but it’s different with Michael Bay movies. “The Island” was the first movie ever where I had to leave the cinema for a few minutes because the picture really made me feel dizzy and sick during the action scenes in the second half.
I feel the same now I finished watching “Transformers” although it’s not as strong (I think that’s because of the smaller screen *g*).

My opinion is as follows: Michael Bay movies tend to be based largely on action. That’s a fact I think everybody agrees upon. Therefore the story cues are usually bundled up to packages of 10 minutes and put in somewhere between the action scenes. As most geeks in my age I’ve watched the tv shows (actually all the toy advertisement shows that were running in the Nineties, of course not realizing the ad part until a later age) and they tend to have the same structure, also starting and finishing off with an action sequence. There are too many characters in the movie and although the humans are there for identification they didn’t make me care for them as much as the robots. And in the end I felt like something was missing. I guess you could have done something much more profound in a motion picture and so the story is imho not so great. But here’s the weird part: The action isn’t too. Because you actually can’t see it. That’s what makes me feel sick, the pictures are cut so ridiculously quickly that I realized you cannot see anything really. Whenever you see some robot being hit, tranforming, breaking or something alike the camera angle, speed and the length of the cut make it impossible to grasp the visual information presented so it becomes noise, at least for me. It may actually depend on my very viewing habits, but it makes you feel disoriented and in fact I mostly only realized what happened afterwards. Which makes the whole experience a bit disappointing.

Thinking about it I realize that it might become a trend to waste good visual effects (or probably bad visual effects, you can’t really tell) by actually not exposing them. My favourite movies of the last years all manage to present the visuals in a way you actually get much information of any picture and you can even find more if you watch it a few times. Star Wars, The Matrix, Lord of the Rings or (as a classic) Blade Runner all invested massive work in the visual fx and they show it off. Plus they all have great story moments. I’m not sure I will watch “Transformers” again (as there are no good story moments I like, even the love scenes seemed a bit off) but maybe something like that would happen, too. It’s a long way of saying I didn’t like the film to much but I wanted to make it clear, that it’s for a reason.

I’m feeling much better now so I’m going to eat something.