Jepp, lange nichts mehr über Musik gebloggt. Das können wir ändern: Ich habe eben eine neue Wiedergabeliste mit dem schönen Titel “building-up”. Die Idee dabei ist, Lieder aus meiner Datenbank zu fischen, die sich von einer minimalistischen-leisen-zurückhaltenden Stimmung in eine breite-multiinstrumentelle-wildeverzweigte Klangfläche hineinsteigern. Dabei nimmt sie den Hörer (meiner Meinung nach) im besten Fall emotional auf eine – möglicherweise kurze – Reise mit. Auf Genres, Stile, Länge oder Qualität wird dabei keine Rücksicht genommen. Es muß noch nicht mal Musik sein. Bislang sind da 14 Stücke drin, die ich gerne auflisten und kurz kommentieren würde. Vielleicht entdeckt der ein oder andere ja ein Kleinod. *g*
1. The Blower’s Daughter (von Damien Rice)
Toller Herzschmerz-Song, der mir im Film “Closer” (zu Deutsch: Hautnah) erstmals aufgefallen ist. Von einem minimalistischen Thema, fast versteckter Gitarre und einer passiven Stimme hin zu subtilen Streichern, einer kontrastierenden Frauenstimme (in der Studioversion). Auch inhaltlich: Während der Protagonist zunächst -nur- seine Augen nicht von ihr lassen kann (“I can’t take my eyes off of you”), ist er am Schluß vollständig in ihrem Bann gefangen (“I can’t take my mind off of you”). Die letzte Zeile bringt allerdings die Wendung (“‘Til I find somebody new”).
2. Heart And Soul (von Gary Go)
Eine dieser Überraschungssongs von einem Album, dass man eigentlich nur aus Neugier gekauft hat. (Oder nicht gekauft hat. *g*) Für mich ein Mutmach-Lied, dass auch unabhängig von seinem Text, der sich wie ein Mantra über die tongebende Melodie legt, super eignet um schlechte Stimmung zu beseitigen. Toller Muntermacher, wenn ich fröhlich Samstags früh um 4.00 zur Arbeit trotte.
3. Mixtape (von Jamie Cullum)
Ich liebe Klavier. Schon allein deswegen ein Favourite. Tolles Tempo zum Wachwerden, kleine Soloeinlagen bauen die Stimmung zum orchestralen Finale auf. Beste Textstelle: “You’re the only angel in headphones”. Hat ein bißchen was von Elton John, finde ich. Den Schluß kann man toll mitsingen (wenn keiner in der Nähe ist, der einen verklagen kann).
4. Central Services / The Office (von Michael Kamen)
Ja, der Klang von Schreibmaschinen… War im Trailer von WALL-E und ich habe ewig danach gesucht, weil es dann im Film und im Soundtrack nicht auftauchte. Kann auch nicht, ist ja schon auf einem anderen Soundtrack! Nämlich dem von “Brazil” aus 1985, Regisseur ist niemand geringerer als Terry Gilliam. Den Film muss ich noch sehen. Die Musik fetzt schon mal. (Warum sagt man das eigentlich nicht mehr?)
5. The Planet Krypton (von John Williams)
Uih, jetzt kommen viele Soundtracks. Dieser Track stammt aus ‘Superman’ von 1976 und besonders mag ich die ersten 90 Sekunden. Williams pirscht sich mit wenigen Instrumenten von hinten an, steigert sich ins ganze Orchester hinein und haut zu. Dann fährt alles wieder zurück, während wir im Film die spannenden Ereignisse auf Kal-Els Heimatplaneten verfolgen. Zum Schluß wird’s dann wieder etwas aufgeregter, aber der erste Teil ist das Beste.
6. Run Forrest Run (von Alan Silvestri)
Eine der tollsten Szenen im Film “Forrest Gump“, nicht nur musikalisch. Die Musik kommt hier verhalten daher und steigert sich relativ fix zu einem Punkt, wo einen die Bläser vom Platz fegen. Da krieg’ ich fast immer Gänsehaut. Kann man nicht beschreiben, muss man hören.
7. Goodbye Lenin (von Yann Tiersen)
Yann Tiersen ist der Meister im musikalischen Minimalismus, hier ein perfektes Beispiel aus “Goodbye, Lenin”. Er beginnt nur mit dem Klavier hinzu kommen Streicher. Die Spannungskurve der Szene, als Alex’ Mutter erstmals ihr Zimmer verläßt, auf die Straße geht (in einer Welt, die sie noch immer für die DDR hält) und dort der fliegenden Statue von Lenin begegnet ist hier perfekt eingefangen. Die Musik nimmt einen vollkommen in Beschlag und läßt erst 30 Sekunden vor Schluß wieder locker. Und Luftholen. Auch toll und in der Liste: Mother’s Journey (was man nur am Klavier erreichen kann).
8. Ich bin ein Wochenendseminar (von Rainald Grebe)
Unauffällig vom Klavier begleitet handelt es sich weniger um Musik als um untermalte Poesie. Die besten Stücke von Rainald Grebe sind die, wo er ganz unscheinbar ein Thema zusammenhanglos beginnt und dann peu á peu mit immer absurderen Assoziationen um sich wirft, ohne das es wirklich sinnfrei wird. Man kann ihm folgen, wenn man will. Er nimmt den Zuschauer ungefragt mit (“Wir geben unserem Atem einen neuen Namen…”), wirbelt durch die Gegend (“..wir atmen einen Lutz”) und läßt ihn nach drei Minuten irgendwo sitzen. Und man wundert sich nur, wie man da hin gekommen ist. Anderes Beispiel: Dr. Fuchs vom letzten Album, ein Streifzug durch die bunte Werbewelt. Kann ich immer wieder hören. (“Würden sie ihr Kind in Dornkaart baden?”)
9. Everloving (von Moby)
Wieder zurück zur Musik, Moby kennt man vielleicht eher aus der Technoecke (war mal in im letzten Jahrtausend), aber dieser Song vom 98′er Erfolgsalbum “Play” kommt zunächst nur mit einer Gitarre daher. Später gesellen sich eine Beat und diverse Klangfarben hinzu und der Song, der Moby-typisch intrumental ist, nimmt erst richtig Form an.
10. On a Day Like Today (von Keane)
Ein perfektes Beispiel für Einfachheit sowohl was den Text betrifft als auch die Melodie. Es beginnt lediglich mit Beat, Gesang und ein wenig Synthies. Über die 5:27 wächst es sich aber in ein musikalisches Mantra mit diversen Klanglinien aus, über allem steht die Stimme von Tom Chaplin.
11. Exogenesis: Symphony, Part 3 (Redemption) (von Muse)
Zunächst unverfängliches Piano (tolle Melodie), wird dann aber zur Rock Symphonie. Vom aktuellen Album “The Resistance” mein absoluter Lieblingssong.
Längster Titel in der Liste! Ein Song über Veränderung, der von einer eher versönlichen Stimmung in nahezu aggressive Tendenzen verfällt. War glaube ich im Soundtrack von “Ab durch die Hecke”. Und wieder ein Klavier.
“Even the things that seems still, are still changing.” Konnte ich nicht in der vollständigen Version auf YouTube finden, hier isses komplett (LastFm).
Wahrscheinlich gibt’s noch Hunderte mehr, aber mit dieser knappen Stunde Musik sei die Klasse entlassen. Was würdet ihr zu dieser Playlist hinzufügen? Kommentare erwünscht!
Liebe/r Leser/in,
ich begrüße dich im neuen Jahr 2010, dem Jahr der Fussball-WM in Südafrika, dem finalen Abschluss der Agenda 2010, dem erste Jahr der Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts.
Man sollte das neue Jahr vielleicht mit leichtem Lesestoff beginnen, etwas unterhaltsam Erbauliches oder etwas, das die eigene Humorzentrale in Schwingungen versetzt. Stattdessen möchte eine Buch (und ein Hörbuch) vorschlagen, welches Faszinierendes zum philosophischen Fundament unserer Gesellschaft anzumerken hat. Es handelt sich um ein Buch von Scott Adams, der dir, geneigte/r Leser/in, möglicherweise von seinem erfolgreichen Comic “Dilbert” und den diversen dazu erschienenen Büchern bekannt ist. “God’s debris – A Thought Experiment” hat mit Dilbert aber überhaupt nichts zu tun, es zeigt vielmehr die philosophische Seite von Adams, der auch in seinem Blog immer wieder seine Leser mit wilden Theorien und Gedankenexperimente konfrontiert, ohne sich selbst und seinen Standpunkt dabei allzu ernst zu nehmen.
Die beiden Hauptcharaktere des Buches sind gleichsam auch die einzigen Charaktere. Der Protagonist ist ein Paketlieferant, der ein Paket an einen alten Mann genannt Avatar ausliefert. Dieser verwickelt ihn in ein Gespräch um Gott und die Welt, der daraus folgende Dialog ist zentraler Gegenstand des Buches.
Der Avatar diskutiert zunächst einige zentrale Begriffe wie “freien Willen” (free will) und das K0nzept “Gott”. Er argumentiert außerdem dafür, dass das menschliche Gehirn lediglich ein Täschungsgenerator (delusion generator) ist, weil es nicht dazu in der Lage ist, die komplexe Welt tatsächlich zu verstehen und als Ersatz dafür vereinfachte Modelle schafft.
Basierend auf diesen Grundmotiven behauptet der Avatar, dass anzunehmen ist, dass es für einen allmächtigen Gott nur eine wirkliche Herausforderung, nur eine Motivation geben kann: Selbstzerstörung. Daraus folgert er, dass Gott sich selbst zerstört hat und alles was existiert (inklusive der Menschen) Gottes Trümmer sein müssen. Diese bestehen aus zwei Komponenten: Materie, in einer uniformen stofflichen Form, die so klein ist, dass wir sie noch nicht entdeckt haben, und Wahrscheinlichkeit (Probability). Aus dieser Annahme speisen sich die folgenden Theorien und Erklärungen, die sich über astronomische und physischen, gesellschaftliche und philosophische Sphären erstrecken. Letztendlich schickt sich der Avatar an, uralte philosophische Fragen zu diskutieren, wobei er immer wieder darauf verweist, sich auf die einfachsten möglichen Erklärungen zu berufen.
So wird im Buch das Leben und unsere Existenz als ein Prozess des Wieder-Zusammen-Setzens von Gott interpretiert, weil scheinbar nur auf diese Weise eine erklärbare Motivation für unsere Existenz vorhanden wäre.
Der Untertitel “Ein Gedankenexperiment” ist hier nicht nur inhaltlich zu sehen: Das gesamte Buch fordert den Leser dazu auf, zunächst andere Erklärungen und Denkansätze zu akzeptieren und die eigenen Überzeugungen kritisch zu prüfen. Letztendlich sollen aber keine Antworten gegeben sondern neue Fragen aufgeworfen werden. Die ‘einfachen’ Erklärungen sind interessante Möglichkeiten, aber nicht unbedingt viel mehr.
Mich persönlich haben einige Gedanken durchaus fasziniert, teilweise stößt man mit ein bißchen Überlegung auch schnell an Grenzen. Gibt es eine natürliche Tendenz zu einfachen Erklärungen? Und hat das überhaupt Konsequenzen für das Individuum? Adams behauptet außerdem, er habe beim Schreiben des Buches eine Hypnosetechnik eingebaut, die dem Leser ein positives Gefühl des Erkenntnisgewinnes geben soll. Eine gewisse erleuchtende Wirkung kann man durchaus verspüren, ob das Aha-Erlebnis durch die Hypnose ausgelöst wird, kann natürlich kaum belegt werden.
Wer gerne geistige Luftschlösser baut oder einreißt, sollte hier unbedingt mal seine Nase reinstecken, das Werk liegt aussließlich im Englischen vor, dafür ist das eBuch sogar gratis herunterladbar. Nichtsdestotrotz kann man es auch käuflich erwerben. Ich persönlich habe es mir vorlesen lassen, ein Hörbuch ist bei Audible über den iTunes Store für knappe 4 € zu erstehen. Es gibt auch eine Fortsetzung mit dem Titel “The Reglion War”, dies sei jedoch nur der Vollständigkeit wegen erwähnt, ich habe es nicht gelesen. Bis jetzt.
Liebe Grüße!
Ich glaube ja, dass man im Leben niemals ernsthaft etwas abschließt sondern es lediglich für eine Zeit x links liegen läßt. So führe ich diverse Listen von angefangenen Gedanken und Vorhaben, die ich dann meist schnell vergesse bis sie mich irgendwie wieder einholen. “Understanding Comics” ist so ein Fall. Das Buch bzw. der Titel sind mir schon mindestens zwei Mal über den Weg gelaufen, beide Male als Buchtipps eines Dozenten bzw. eines Referenten aus der Computerspielebranche. Ich habe mir immer Notizen gemacht mit der Absicht das Buch zu lesen. Jetzt endlich hab’ ich das tatsächlich auch geschafft. *g*
“Understanding Comics. The Invible Art” oder zu deutsch “Comics richtig lesen. Die unsichtbare Kunst” ist ein Comic über Comics von Scott McCloud. McCloud ist Comic-Zeichner und versucht in diesem Buch dem Comic als -scheinbar- noch recht jungem neuen Medium auf die Spur zu kommen. Das ist schon deswegen spannend, weil neben den großen visuellen Technikmedien wie Film, dem Web oder Internet die breite Palette der “Sequentiellen Kunst”, wie McCloud es neutraler benennt, gerne übersehen wird. Beginnend mit der historischen Entwicklung arbeitet sich das Buch, welches schon 1993 erschienen ist, durch alle wichtigen Fragen die Comics aufwerfen: Was bewirken Panels, wie stellt man Zeitverläufe und Bewegung dar oder wie wirken sich verschiedene Darstellungen auf die Interpretation des Lesers aus? Der Autor selbst führt dabei (als Comicfigur) durch seine Gedanken und bedient sich allerhand Beispiele verschiedener Künstler. Dabei soll das Buch keine Sammlung von unumstößlichen Wahrheiten darstellen, es versucht vielmehr eine überfällige Diskussion um ein recht unterschätztes Medium anzustoßen und war darin auch durchaus erfolgreich. Es folgten noch zwei weitere Bücher: Reinventing Comics (2000) und Making Comics (2006). Die muss ich dann wohl auch noch lesen (Notiz an mich…)
Besonders interessant ist das Buch insbesondere auch für Nicht-Comic-Geeks wegen seiner interessanten Ausführungen was das Konzept von Zeichen und Ikonografie beziehungsweise ihre Funktionen zum Transport von Bedeutung betrifft. Denn in Comics kann nur über die visuelle Darstellung und über Sprache – auch nur eine Sammlung abstrakter visueller Repräsentationen für Laute – kommuniziert werden. McCloud zieht dabei eine Ebene (“The picture plane”) zwischen
1. dem Ab-Bild, das eine Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit herstellt
2. der Bedeutung, welche durch ein Symbol repräsentiert wird, das keine Ähnlichkeit mit dem eigentlich Gegenstand hat (z.B. das Bild eines Gesichts und das Wort ‘Gesicht’) und
3. Der abstrakten Darstellung, die weder Ähnlichkeit noch Bedeutung haben muss.
Hier geht es also um essentielle Fragen der visuellen Kommunikation. So visualisiert McCloud beispielsweise die These, dass Bild und Text in einer Balance stehen und sich in verschiedenen Weisen aufeinander beziehen können um daraus spezifische Wirkungen abzuleiten. Wenn man bedenkt, dass wir uns in einer dominant visuellen Kultur bewegen und dazu die Gedanken des Buches aufnimmt, fragt man sich, warum unsere gesellschaftliche Idee von (Aus-)Bildung – ja liebe Insider, nicht im Sinne der StruMebi – so textlastig ausfällt.
Wie gesagt, man kann bestimmte Schlußfolgerungen kritisch betrachten, viele der Grundannahmen sind aber verstehenswert und können auch für andere Themenbereiche – beispielsweise die visuell-unterstützte Präsentation – wertvolle Anregungen geben. In diesem Zusammenhang werde ich dann bestimmt einige Ausführungen nochmals zu Tage fördern.
Scott McCloud hat auch einen faszinierenden Vortrag bei TED gehalten, der im folgenden zur Ansicht bereit steht, für alle, die das Thema gerne vertiefen möchten. (Und wehe ihr möchtet nicht!) Achja, und dann gibt’s natürlich überall im Text noch die Links zu den Büchern bei Amazon, bei denen ich immer ein Kleinigkeit mitverdiene, wenn ihr was bestellt. *g* Danke.

I’m reading a book at the moment called “The Element” by Sir Ken Robinson. The subtitle says “How finding your passion changes everything”. I have blogged about Sir Ken Robinson before because of his marvelous talk at the TED conference. Many points he made there are in this book that he kind of announces during the talk.
He has a simple yet powerful message: Everybody is born creative but many of us are educated out of our native creativity. He claims that school systems are predetermined on a certain type of intelligence thereby ignoring other forms and sorting out people who rely on them. According to him three features seem to be similar across school system around the world:
“First, there is the preoccupation with certain sorts of academic ability, I know that academic ability is very important. But school system tend to be preoccupied with certain sorts of critical analysis and reasoning, particularly with words and numbers. Important as those skills are, there is much more to human intelligence than that. [..] The second feature is the hierarchy of subjects. At the top of the hierarchy are mathematics, science, and language skills. In the middle are the humanities. At the bottom are the arts. In the arts, there is another hierarchy: music and visual arts normally have a higher status than theater and dance. In fact, more and more schools are cutting the arts out of the curriculum altogether. A hugh high school might have only one fine arts teacher, and even elementary school children get very little time to simply paint and draw.
The third feature is the growing reliance on particular types of assessment. Children everywhere are under intense pressure to perform at higher and higher levels on a narrow range of standardized tests.”
If you think about this for a second you immediately realise it is true. For example I went to a catholic school that focuses especially on languages and arts (and religion, which is not that important in this context). However, while we always had math, physics, chemistry up to three times a week each, languages, history and geography took place - as far as I can remember – two times weekly at maximum while we had music and art (and sports) once a week. And in the final ‘Abitur‘ you could only have sciences and languages as primary written exams, humanities and arts were just allowed as secondary or oral exams. Dance and theater were not taught as subjects (although they had brilliant teachers ready to do it) and were rather offered as after-school activities. Same goes for sports. Also, there were much more and more intense formal exams in sciences and languages than in the other subjects. And by the end of school I guess I (and most of the other students) had learned at least unconsciously that those things were simply valued more by society. But already – after being out of school for only 7 years – I realise that this is plain wrong. My advanced level courses were math and chemistry in which I scored 8 out of 15 points in the final exams – obviously a bad choice on my part – , both of which I don’t need today studying media literacy. My basic level courses English (15 points) and Ethics (11 points) were much more relevant, yet the knowledge in computers and media that I rely on today was not formally taught at school, I did it mostly on my own. I was at a pretty good school though and we were offered a great variety of after-school courses by highly motivated teachers, but I know for a fact that this was not common on public schools back then and it probably isn’t today.
Now in the book Ken Robinson collected stories from several people like Gillian Lynne or Matt Groening explaining how they found their “element” or their talent/passion and how it changed their lifes. He also stresses the point that those talents could have been overlooked easily due to the nature of the educational systems and uniform approach to learning. I remember I used to draw a lot when I was small, maybe five or six years old. I wasn’t particularly fond of going outside and so I spend my time drawing, I had a lot of fantasy and made up stuff. When I got into primary school and we started getting drawing lessons I probably noticed for the first time that my drawing was not so good because I started to get bad grades (not really that bad but bad compared what I usually expected). But even more I realised I couldn’t do what we were supposed to do. We were told to draw certain things and I didn’t understand how to do it properly. And I could no longer choose what to draw. Everybody else seemed to get it. I didn’t. And over time I lost interest and joy in drawing which only slightly started to come back two or three years before school was over when I already had found other things I was interested in and was good at doing. Today I’m quite sure drawing is not a particular talent of mine, but then again who knows? Maybe I would have needed another approach to learning to draw. Maybe I was just not interested in the kind of drawing we practised during the lessons. I will never be able to restore the state of mind I was in when I was a child and drew all day long. Robinson now claims that this is no error in the system but rather that the system is designed to work just that way. It’s the believe that the world consists of essential and non-essential knowledge and that we just need to feed children the essential stuff – and doing that in an uniform way – to prepare them for the future – a future we can’t possibly imagine – and the believe that there is only one relevant form of intelligence. These believes are profoundly wrong. And we start to see the symptoms.
I share this view and although I believe many good teachers know this and try to improve the educational experience the system they rely on does not give them the freedom and ressources to properly fullfil their profession. It’s a sad fact – facing the national election here in Germany tomorrow – that none of the parties so far have actually made education a core subject in their programmes or have expressed clear ideas on what education should be like apart from the will “to improve” the situation and to raise availability and quality of education. Whatever that means. (Please feel free to prove me wrong here!!)
…pflegt ein ehemaliger Arbeitskollege zu sagen, wenn wir uns über besonders lustige oder befremdliche Ereignisse aus dem Alltag eines Einzelhändlers unterhalten. Und in der Tat, Kunden bzw. Kundinnen (eine Unterscheidung in maskulin und feminin ist aus Erfahrung nicht relevant, weshalb im folgenden die männliche Form die weibliche impliziert) sind nicht einfach nur eine beschränkte Subklasse in der Gattung Mensch sondern davon auch eine der Interessantesten.
Kunde wird man, wenn man eine für den Verkauf von Ware jeglicher Art genutzte Gewerbefläche betritt. Ich vermute, dass, würde man das Gehirn eines durchschnittlichen Menschen, der zum Kunden wird, während dieses Vorganges mit bildgebenden Verfahren auswerten, man feststellt, dass zentrale Funktionen des menschlichen Denkapparates schlagartig ihren Dienst einstellen. Insbesondere der sogenannten gesunde Menschenverstand leidet darunter. Das zumindest läßt sich aufgrund meiner intensiven teilnehmende Beobachtung während der letzten sieben Jahre attestieren.
Aus meiner Erfahrung im Bahnhofsbuchhandel habe ich zahlreiche verschiedene Kundentypen dieser speziellen Umgebung herausgearbeitet, einige davon möchte ich hier gerne spezifizieren.
1. Der “Ich-nehme-nix-von-oben”-Typ auch genannt der Schieber
Einige Kunden sind offenbar der Meinung ein besonderes Anrecht auf möglichst frische Ware zu haben. Wir sprechen hier wohlgemerkt von alltäglichen Presseerzeugnissen (Tagespresse, Zeitschriften). Darum greifen sie vom Stapel des verfügbaren Produktes nicht wie man vermuten würde das obere Exemplar sondern schieben dieses – häufig mit geübtem Griff – beiseite, um das darunter liegenden Exemplar zu vereinnahmen. Der Schieber nimmt offenbar an, das obere Exemplar sei eine Art Leseexemplar, wobei er eben nicht berücksichtigt, dass das Lesen von Tagespresse ohne Kauf im Allgemeinen nicht erwünscht ist und geahndet wird (siehe Der Leser). Eune andere Vermutung wäre, dass der Schieber feinste Nyancen in der Abnutzung von Presseerzeugnissen binnen Bruchteilen von Sekunden visuell wahrnehmen kann. Nach intensiven Beobachtungen dieses Verhaltens habe ich persönlich ein Experiment etabliert, bei dem ich die oberen Exemplare von Zeitungsstapeln bei Gelegenheit vertausche. Ergebnisse stehen noch aus.
2. Der “Ich-spreche-nicht-mit-jedem”-Typ auch genannt der Schweiger
Einkaufen ist ein sozialer Prozess – insbesondere der Bezahlvorgang. Während viele Kunden schon beim Betreten grüßen und auch ihren Einkaufswunsch in klarer Sprache formulieren können, gibt es eine beachtliche Gruppe von Kunden, die, trotz offenbar vorhandener grundlegender Artikulationsfähigkeit, es nicht vermögen, ihrem Wunsch nach finanzieller Veränderung an der Kasse akustisch Ausdruck zu verleihen. Wir als Personal gleichen dies aus, indem wir auf non-verbale Hinweise achten, wie etwa das Ablegen eine Produktes auf dem Tresen. Schlecht, wenn der Kunde auch dazu nicht Willens oder in der Lage ist. Gerne spielen wir auch “Rate, was ich kaufen will” wenn der Kunde das Produkt gekonnt verbirgt und eine abgezählte Menge Bargeld bereit hält, in der Annahme, wir würden daraus schließen können, um welche Ware es sich handelt. Auch offensive Kontaktversuche wie eine Begrüßung oder Rückfragen (“Darf es noch etwas sein?” oder “Das ist alles dann?”) verfehlen hier oft ihre Wirkung und werden nicht als Kommunikationsangebot aufgefasst. Der Schweiger ist erkennbar an seinem demonstrativ mürrischen Gesichtsausdruck, allgemeiner Bewegungsarmut und zumindest in Magdeburg besonders häufig aber nicht ausschließlich in den frühen Morgenstunden (wir öffnen um 4.30 Uhr) anzutreffen.
3. Der “Offline-Illegal-Downloader” auch genannt der Leser
Nicht alle Kunden kennen den Unterschied zwischen einer Buchhandlung und einer Bibliothek, die Unterschiede sind – zugegeben – teils auch sehr subtil. Der zentrale Unterschied: In einer Bibliothek sind sie als Besucher eingeladen die vorhandene Literatur, auch Presse, direkt vor Ort zu konsumieren, außer einer Mitgliedsgebühr entstehen dafür keine zusätzlichen Kosten. Nicht so in einer Buchhandlung. Hier sind sie als Kunde aufgerufen, die Ware käuflich zu erwerben bevor sie sie anderenorts konsumieren können. Um ihnen die Kaufentscheidung zu erleichtern kann die Ware bei uns in Augenschein genommen werden, Titelseiten, Klappentexte und Inhaltverzeichnisse geben ihnen in Kürze einen Eindruck vom Inhalt des Produktes. Aus Kulanz können sie bei uns darüberhinaus Bücher und hochpreisige Presseerzeugnisse anlesen. Also nicht nur Gucken, sondern auch Anfassen. Wo gibt’s das sonst schon noch bei Produkten aus dem Convenience-Bereich?
Vielen Kunden scheint das nicht genug zu sein, besonders am Bahnhof werden Wartezeiten gerne mit Auszügen aus einem guten Buch oder einer Zeitschrift überbrückt, denn wenn man sie im Laden liest, dann kostet es ja nichts, oder? Falsch kann ich da nur sagen, doch wird der Leser vor Ort auf seinen Irrtum hingewiesen (ja, es fällt auf wenn man zwanzig Minuten regungslos mit einer Zeitschrift vor einem Regal verweilt), reagiert er zumindest irritiert, häufig beleidigt und manchmal schlichtweg beleidigend.
Darum an dieser Stelle einige Hinweise: Das Lesen von Tagespresse ist grundsätzlich nicht erwünscht, auch wenn sie nur “diesen einen Artikel suchen” oder “die Inserate nach XYZ absuchen wollen”. Schon gar nicht, wenn sie dafür mehrere Zeitungen durchblättern wollen. Tagespresse enthält die Neuigkeiten des (vorhergehenden) Tages und kostet üblicherweise weniger als zwei Euro. Die Kaufentscheidung sollte entsprechend simpel sein und sichtbar gelesene Ware ist für uns schwer verkäuflich (siehe der Schieber). Und wir haben keine Zeitungen von gestern. Ehrlich.
Es gibt keine Ecke im Laden, in der sie ungestört stehen können. Und wir sind nicht begeistert, wenn sie in den Regalen sitzen. Auf dem Boden ebenso wenig. Und nein, wir servieren keine Getränke. Unser Tipp: Kaufen sie doch das Produkt und gehen sie in ein Café!
Wir wären ihnen sehr verbunden, wenn sie angelesene Ware wieder an die Stelle ins Regal stellen könnten, aus der sie sie entnommen haben. Ja, die exakte Stelle, nicht nur ungefähr dasselbe Regal. Guter Tipp: Gleiche Produkte sehen exakt gleich aus. Danke.
Soviel für heute, beim nächsten Mal stelle ich dann den Händler, den Flüchtling und den Orientierungslosen vor.

Well, I just returned from cinema where I watched the latest installment of the Harry Potter series – known as “Harry Potter and the Half-Blood prince” in the original (=non-localized) version. I will first try to say something about the movie itself and then come to two thoughts that crossed my mind after I watched it.
Instead of doing a review-like article – which I usually write – I’d like to try out a more ‘ethnographical’ approach and describe the audiences’ reaction to the movie as I observed it including my own reactions. I try to be as non-spoilerish as possible. First of all, I don’t know the books. That’s probably important to know because the climax of the movie – which really is a low point moodwise – and other information is known to those watching the movie with the book in the back of the head. I didn’t have that but I watched the five movies – in order – during the first halve of this year to prepare for the sixth thereby seeing the fourth and fifth movie for the very first time.
As this picture was featured on several occasions across the media, I knew it would be much darker and dense which is building upon the mood that was created during the last movie. The whole series took a spin to a more serious tone which I like very much as in my opinion the plot scheme became to obviously repetitive and boring with the third movie.
However, there was much laughing during the show, sometimes shortly after very dramativ parts, so the movie manages well to some how linger between this serious tone and humorous relief. Love is a big subject in the movie, as all the main characters are involved in relationship troubles, and it’s the main thing that counters the rather dramatic, even shocking events during the second half of the film enough to still keep the audience from being totally depressed after watching. The movie never really reaches a light or too funny tone or to say it differently, there always is some hint that something dark and evil is coming. All the colours are pretty cold, all the characters are kind of darker, there are no children anymore – although of course there are some because it’s a school but they’re left out – they all have aged and this is also referred to in certain dialogue sentences. The relationship between Harry and Dumbledore is played out very detailed and certainly is the mysterious role of Severes Snape. Jim Broadbent in the role of Professor Slughorn is a great addition to the cast, his character has both a rather funny and a very dramatic side.
During the movie I could not hear much talking – although there were not that many people in the room – nor eating and drinking which I find a sign that a movie really catches an audience well. I myself nipped on my cola only during the break. In the end when you-know-who is killed there was dead silence in the cinema, although I had been told that it would happen, I still found myself surprised, shocked and – by the end – exhausted. I think it’s a great movie, probably better than certain other episodes from the series, but of course it has the privilege to build upon all the things – characters, story, look, relationships – established during the other five movies. You should watch those before seeing this one. This movie already was quite long – as I mentioned there was a 10-minute break, so i spent about 3 hours in cinema – and you may have already heard that the last book will be made into two movies coming in 2010 and 2011.
This brings me to my first thought which is rooted in a more common observation: Serials are big in the media nowadays! (No, I could not come up with something more obvious!) I’m not sur since when, might be the early days of mass media or even earlier but I find this interesting to see. Be it movies, tv shows, books or computer games – they all are more and more relying on the premise ‘to go on’ or ‘to be continued’. There are of course economic reasons for this but it strikes me as being merely the symptom because those products wouldn’t be commercially successful if people wouldn’t want to see them. I wondered – as I was confronted with the perceived insecurity of our modern world as an academic subject during the past year – whether we actually want our virtual media worlds to deliver a kind of anchor, reliability and continuity that we miss in our real world. My place, my time and my life-parameters in the real world can be changing – and they do – but the patterns in my favourite sitcom(s), soap opera(s), movie(s) or game(s) are always the same or they change quite slowly. Also if they change, the change is controlled and never to overwhelming. Especially with “Harry Potter” it’s pretty obvious. The movies grow with their audience, children who have seen the first movie in 2001 are teenagers or young adults by now and the whole franchise is build to grow with them. This seems to be important. Many older franchises from the 70s or 80s (Star Trek, Star Wars, Battlestar Galactica, just to name a few) were relaunched to connect with old and new audiences raising awareness for the old stuff in young people and continue nurturing the already existing audience. It’s a bit like grandpa telling stories to the young ones at the firesite in the evening but adding new parts to the narration everytime to keep it interesting. There are probably people already analysing this phenomenon, perhaps I should research that a little. Maybe this is a reason why makers of serials become more courageous in truly continuing story arcs over many episodes like the ones found in tv shows like Lost, Heroes and Babylon 5 or movies like Matrix and Lord of the Rings. And maybe it explains why those are so enormously successful.
The second thought came to me because of a certain sentence that was said in the movie – if you’re bored by know please don’t continue – which I can’t recall exactly but it was something like ‘If we don’t make the choices in our lives our fate will be completely lost to chance.’ It probably sounded better than that. However the point is that it reminded me of discussions I had with people whether there is something like fate and our life is determined or whether there’s something like chance and so we have the ability to actually make profound choices and therefore steer our life ourselves. I usually argue that I don’t think chance exists – in form of a law of nature, as most people imagine it – but life’s parameters are just to complex for us to grasp so we can’t know or for the most part explain why things happen the way they do. Just because we don’t know the reasons or the chain of causality it doesn’t mean there is none. Which is basically an argument I borrowed from religion where god exists although we have no proof of that because we can also not prove he’s not there.
I’m not trying to make a point here, I was just wondering about the oddity of the thought that we put so much effort in our choices – so much in fact, that the freedom of choosing is no longer making us happy as Barry Schwartz explains in his book - because we expect them to shape our future and then there is at least the possibility that – maybe – they don’t really matter as much as we believe.
Endlich ein paar Tage Urlaub. Da das Semester durchaus stressig war, glaube ich mir die paar Tage Ruhe durchaus verdient zu haben. Eine der typischen Urlaubstätigkeiten sind Bücher, ich habe meine Zeit in das überaus erleuchtende Buch “Gestatten: Elite” von Julia Friedrichs investiert. Mehr aus Zufall als aus Absicht bin ich bei uns im (Buch-)laden – dort arbeite ich neben der Uni – auf das Buch gestoßen, so wie meistens war das ein absoluter Glücksgriff.
Das Buch begleitet die Journalistin Julia Friedrichs, die mit 25 Jahren ein Jobangebot von McKinsey ausschlägt um herauszufinden, was wir heutzutage unter Elite verstehen, wer das eigentlich ist und warum der Begriff derzeit solch eine fulminante Renaissance erlebt.
Ohne zuviel aus dem Buch vorwegzunehmen, denn ich möchte die Lektüre dem geneigten Leser meines Blogs durchaus ans Herz legen, möchte ich einige Kernpunkte aufgreifen.
Zunächst mal wird versucht den Begriff Elite zu definieren. Dazu besucht die Autorin diverse Bildungseinrichtungen in Deutschland und außerhalb (Internate, Privatunis etc.), die sich selbst vollmundig als Elitezentren bewerben und deren Absolventen demnach wissen sollten, warum sie die Elite stellen. Es zeigt sich schnell, dass es sich um einen höchst diffusen Begriff handelt, der eine weite Ebene aufspannt unter die man nahezu alle gewünschten Kriterien versammeln kann. Zunächst mal wird über die Leistung argumentiert. “Wer mehr leistet, hat mehr verdient. Wer mehr leistet, darf mehr bestimmen.” Die Eliten legitimieren ihre Sonderstellung primär damit, dass sie länger und härter arbeiten, mehr Verantwortung übernehmen. Durch die Gespräche wird aber klar, der Großteil der besuchten Eliteschmieden hat neben der Leistung ein weiteres, häufig nicht weniger bedeutendes Zugangskriterium: Geld. So wird im Verlauf deutlich, dass es eher die Oberschicht ist, die ihre Kinder auf Sprachschulen für Säuglinge, in luxuriöse Schlossinternate und auf private Wirtschaftsschulen fernab der restlichen Welt schicken kann, weil man von Hartz IV keine 10000 € Schulgeld stemmen kann und weil es kaum Möglichkeiten gibt, die finanziellen Hürden zu umgehen. Mal ganz abgesehen, dass man in einer Gruppe wohlsituierter Jugendlicher eh immer herausstechen wird. Man könnte zunächst annehmen, dies seien alles Klischees, und selbst die Autorin gibt zu, dass sie bis zu ihren Recherchen nicht wirklich an die Existenz dieser Parallelwelt geglaubt hat. Und doch stellt sie fest:
”[..]Mir ist klargeworden, dass in Deutschland eine gewaltige Eliten-Revitalisierungskampagne läuft. Der Satz ‘Wir brauchen wieder Eliten’ ist inzwischen so oft gesagt worden, dass ihn fast niemand mehr hinterfragt. Inzwischen hat man die zweite Phase der Kampagne gestartet. Die Phase der Realisierung. Kindergärten, Schulen und Universitäten versprechen, dass sie diese Eliten, die wir angeblich brauchen, ausbilden. Eltern überweisen Geld, damit ihre Kleinen dazugehören. Gebühren für den Kindergarten, für die Schule, das Internat, den Karrierecoach und die Uni. Wenn man die zusammenzählt, kommt man auf mindestens 300 000 Euro. Die sollte jedes Elternpaar für die Finanzierung eines solchen Elitebildungswegs beiseitelegen. Es wachsen Menschen heran, die vor allem eines lernen: Euer Platz ist unter den Gewinnern. Ihr dürft die wichtigen Posten in der Gesellschaft übernehmen. Ihr seid Elite.”
Den Rest (also beispielsweise mich), der sich nicht den Leistungskriterien unterordnet, keine regelmäßigen 16 Stundentage absitzt und nicht zu McKinsey will, nennen sie Niedrigleister und meinen damit, wenn wir nur wollen würden, könnten wir das auch erreichen, kämen wir auch in den – für mich fragwürdigen – Genuss von höherer Bildung, höherem Einkommen und elitärer Lebenssicherheit. Tatsächlich aber haben sich die meisten Elitisten nicht unbedingt die Position erarbeitet, in der sie sich als Elite sehen. Das widerspräche auch meinem Weltverständnis, denn die Welt halte ich für ein chaotisches System, dass nur sehr eingeschränkt unserer Kontrolle unterliegen kann und letztendlich sind nicht alle, die viel leisten, automatisch auf der Siegerstrasse.
Besonders die Moderne, und darin sind sich Theoretiker wie Sennett, Bauman oder Giddens wohl einigermaßen einig, mit ihren fragmentierten Lebensläufen, Brüchen mit langgehegten Traditionen und der Auflösung beziehungsweise Neuordnung raumzeitlicher Verhältnisse, bietet viel mehr Möglichkeiten und Freiheiten als Menschen jemals gegenüberstanden, viele Abzweigungen auf dem Lebensweg aber eben auch immer weniger Dinge, auf die man vertrauen kann – Verlust der ontologischen Sicherheit – und folglich auch mehr Chancen zu Scheitern. Die Oberschicht konstruiert für ihre Nachfahren etwas, dass die Moderne eigentlich aufgelöst hat: die lineare Biografie über feste Stationen in die anhaltende Vollbeschäftigung und den garantierten Wohlstand. Und einen Führungsanspruch. “Leader” nennt man das heute, und meint dasselbe. Aber der Satz “Natürlich, mein Leader!” ist historisch noch nicht so negativ belegt. Realisiert wird das offenbar durch gezielte Vernetzung. So sind nicht nur die Leistungen sondern die Ehemaligen, Altschüler, Alumni etc. also die Zugehörigkeit zur Gruppe entscheidend für die Zukunftschancen. Und das gilt scheinbar unabhängig vom politischen Lager und in nahezu allen Organisationen, auch den NGOs. Da kann man natürlich sagen: Ja, so ist es halt.
Spätestens seit die Vernetzung vor allem im WWW explizit und sichtbar gemacht wird (Stichwort Soziale Netzwerke) wird wohl vielen klar, wie wichtig diese Netzwerkbildung und -nutzung in vielen gesellschaftlichen Bereichen schon längst ist. Freunde, Kollegen, Geschäftspartner – unser soziales Netz ist ein wichtiger Teil unserer Identität und bestimmt sehr stark unseren Handlungspielraum. Das ein Netzwerk – die selbsternannte Elite eben -, welches sich nur selbst repliziert und ansonsten nach außen abgrenzt, aber eben daraus einen Führungsanspruch ableitet ist ein Gedanke, den wir eigentlich mit der Aufklärung und der französischen Revolution abgelegt haben sollten und der sich mit der Idee der Herrschaft des Volkes so wie ich sie verstehe gar nicht verträgt. Und so kommunizieren auch einige Interviewte sehr klar ihre Überzeugung, dass sie führende Positionen in der Gesellschaft übernehmen wollen und zwar ganz klar außerhalb des geltenden politischen Systems und ohne Rücksicht auf den Rest, weil der sie bei der Weltneuordnung eher behindere. Kaum einer der auftauchende Charaktere stellt sich eine klassische politische Karriere vor. Viel mehr haben Beratungsfirmen wie eben McKinsey und andere, in denen sich die neue Elite längst versammelt und Konzepte für nahezu jeden Bereich der Politik und Verwaltung entwickelt, schon heute direkten Einfluss auf die Politik und damit ganz konkret auf unsere Leben, ohne dass wir sie dazu legitimieren können würden und wohl auch ohne nachvollziehbare und transparente Prozesse. Wäre ich Pessimist, würde ich befürchten, dass unsere Demokratie allmählich unterminiert wird und sich ein neuer Adel (oder Klerus) auf die Herrschaft vorbereitet.
Ich gehe auf eine staatliche Universität, was mich offenbar per Definition aus der Elite aussschließt. Zudem ist die Uni Magdeburg auch keine der neuen Elite-Unis. Zum Glück, wie ich finde. Aber wir beschäftigen uns mit imho wichtigen Fragen, zum Beispiel der Frage, wie die Welt von morgen aussehen könnte und was wir heute tun können, um uns nicht nur darauf vorzubereiten sondern sie mitzugestalten. Ein demokratisches Bildungssystem sollte, schon um die Demokratie selbst zu erhalten, für jeden Menschen die Bildung bereitstellen, die er, unabhängig von sozialem Rang und finanzieller Ausstattung der Eltern, benötigt. Das schließt durchaus besondere Unterstützung für besondere Begabungen ein. Reichtum ist keine solche Begabung, Vitamin B meiner Meinung nach auch nicht.
Es überkommt einen beim Lesen auch hin und wieder ein Unwohlsein ob des Engagements und des Fleißes, den junge Menschen dort offenbaren. Es ist die leise Angst, dass man selbst doch nicht genug leistet, sich zu viele oder zu ausgedehnte Pausen gönnt. Ich halte mich selbst durchaus nicht für außergewöhnlich strebsam und tendenziell wohl eher faul. Ich habe mein Abi mit 2,2 und meinen BA nach 8 statt 6 Semestern mit 1,5 gemacht. Oh, und ich hatte vier Semester Fehlstart. Nebenbei arbeitete ich auch immer (also für Geld). Sicherlich nicht schlecht, aber ein 16-Stunden-Tag oder eine 7-Tage-Woche gehören bei mir – Gott sei Dank – nicht zur Regel. Ich liege auch nicht faul rum, aber nicht alles, was ich tue, dient unmittelbar einer Karriere oder nur einem konkreten Zweck. Und vieles von dem, was ich tue, läßt sich oft eher schwierig monetarisieren. Trotzdem möchte ich dass nicht zum bestimmenden Faktor in meiner Lebensplanung erheben. Muss ich mich fürchten, von einer Gruppe, die sich selbst als das Ultimum begreift, abqualifiziert zu werden?
Das klingt jetzt vorsätzlich sehr überspitzt und genau so wirkt auch der Schluß des Buches, aber trotzdem sollten wir uns fragen. Meine Hoffnung ist, dass bei all den Unvorhersehbarkeiten, die die Zukunft mit sich bringt, auch die selbsternannte Elite irgendwann ins Schwimmen gerät. Das materieller Reichtum, wenn er nicht von der Mehrheit der Erdbevölkerung bessessen wird, schlicht und einfach irgendwann kein Maßstab einer globalen Gesellschaft mehr sein kann. Das man die Leute mit Argumenten überzeugen muß, um die Welt zu verändern, und sie nicht einfach dem Leader folgen. Das klingt vielleicht utopisch, aber das klang ein Flug zum Mond vor 50 Jahren auch noch und dieser Tage feiern wir dessen 40. Jahrestag.
Das Buch liest sich gut weg, bleibt aber doch im Hinterkopf. Möglicherweise ist das Szenario, welches dort gezeichnet wird, sehr einseitig und auch durch die – unverblümt offen kommunizierte – eher kritische Grundhaltung der Autorin beeinflusst. Aber es soll auch lediglich eine Diskussion anregen, die scheinbar nicht geführt wird. Und letztendlich steht ja allen Widerstreitern frei, eigene Argumente und Definitionen des Begriffes “Elite” einzubringen. Auch in Form eines Bestsellers, wenn’s sein muß.
Nichts auf dieser Welt bleibt für ewig, wie wir wissen, Wissen kommt und geht, Völker wachsen und weichen, Lebewesen leben und sterben.
Besonders in diesen schnelllebigen Zeiten, in diesem Jahrtausend des Konsums, des unreflektierten Ver- und Gebrauchens und der Massenproduktion vergessen wir allzu oft, die Leistungen der viele kleinen Gegenstände anzuerkennen, die uns jeden Tag das Leben erleichtern oder versüßen und bei all dem Überfluss, bemerken wir nach jahrelangem Dienst nicht einmal deren Ableben. Wenn man aber doch davon Notiz nimmt, zeigt sich damit, wie sehr einem bestimmte simple Dinge ans Herz gewachsen sind. Eines meiner Lieblingsgadgets – mein hochgeschätzter iPod photo – ist heute am 1. April von uns gegangen.
Obwohl ich schon zuvor einige MP3-Player besessen hatte, erfüllte es mich mit besonderer Freude und Stolz, als ich mir im Oktober 2005 endlich einen iPod zulegte. Ich kann mich nur an wenige Anschaffungen in meinem Leben erinnern, die mir über so lange Zeit dermaßen viel Freude bereitet haben. Mein iPod begleitete mich auf diverse Reisen und Ausflüge, nach London, an die Ostsee oder in die Berge aber auch an den ereignislosen Tagen, während der Arbeit und des Studiums. Mit einer stetig wachsenden Musiksammlung versorgte er mich in dumpfen Momenten mit Freude, in langweiligen Momenten mit Unterhaltung und in stressigen Momenten mit Ruhe, er war ein Stück zu Hause im Taschenformat und nicht zuletzt ein mobiler Datenträger.
Auch während neue Generationen den Markt überfielen leistete er weiterhin pflichtbewusst seinen Dienst, im Gegenzug achtete ich auf Schutz und Pflege, sorgte für Softwareupdates sowie das neueste iTunes und strafte mögliche Nachfolger – sowohl anderer Firmen als auch von Apple selbst – mit Ignoranz. Trotzdem ich ihn mit Sicherheit ein paar dutzend Male hatte an Kanten anstoßen und auf harte Untergründe fallen lassen, setze er seine Tätigkeit beharrlich fort, nur hin und wieder war ein kurzer Reboot nötig. Lediglich die mitgelieferten Kopfhörer gaben pünktlich nach Ablauf der Garantiezeit den Geist auf, aber eine schnelle Amputation verhinderte größere Schäden.
Heute, nach fast 3 1/2 Jahren, kam das Gerät erstmals hörbar und dauerhaft ins Stottern und trotzdem ich alles in meiner Macht stehende tat und sogar den Apple Support kontaktierte, war offenbar die Zeit gekommen. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos und am späten Abend stellte ich den Tod durch Festplattenversagen fest. Zuletzt zeigte er auf dem Display das traurige iPod-Symbol und die URL des Apple Supports.
Der iPod photo mit der Seriennummer JQ539C2QTDS hinterlässt ein Dock, ein Ladekabel, eine lächerlich orangefarbene Silikonhülle mit Clip, einen USB Photoadapter sowie eine Paar Sennheiser In-Ear Kopfhörer. Ein Termin für die Beisetzung steht noch nicht fest.
Im Gedenken an ein überragendes, in China gefertigtes Convenienceprodukt. Welches tatsächlich den Dienst quittiert hat, auch wenn heute der erste April ist
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