Jepp, lange nichts mehr über Musik gebloggt. Das können wir ändern: Ich habe eben eine neue Wiedergabeliste mit dem schönen Titel “building-up”. Die Idee dabei ist, Lieder aus meiner Datenbank zu fischen, die sich von einer minimalistischen-leisen-zurückhaltenden Stimmung in eine breite-multiinstrumentelle-wildeverzweigte Klangfläche hineinsteigern. Dabei nimmt sie den Hörer (meiner Meinung nach) im besten Fall emotional auf eine – möglicherweise kurze – Reise mit. Auf Genres, Stile, Länge oder Qualität wird dabei keine Rücksicht genommen. Es muß noch nicht mal Musik sein. Bislang sind da 14 Stücke drin, die ich gerne auflisten und kurz kommentieren würde. Vielleicht entdeckt der ein oder andere ja ein Kleinod. *g*
1. The Blower’s Daughter (von Damien Rice)
Toller Herzschmerz-Song, der mir im Film “Closer” (zu Deutsch: Hautnah) erstmals aufgefallen ist. Von einem minimalistischen Thema, fast versteckter Gitarre und einer passiven Stimme hin zu subtilen Streichern, einer kontrastierenden Frauenstimme (in der Studioversion). Auch inhaltlich: Während der Protagonist zunächst -nur- seine Augen nicht von ihr lassen kann (“I can’t take my eyes off of you”), ist er am Schluß vollständig in ihrem Bann gefangen (“I can’t take my mind off of you”). Die letzte Zeile bringt allerdings die Wendung (“‘Til I find somebody new”).
2. Heart And Soul (von Gary Go)
Eine dieser Überraschungssongs von einem Album, dass man eigentlich nur aus Neugier gekauft hat. (Oder nicht gekauft hat. *g*) Für mich ein Mutmach-Lied, dass auch unabhängig von seinem Text, der sich wie ein Mantra über die tongebende Melodie legt, super eignet um schlechte Stimmung zu beseitigen. Toller Muntermacher, wenn ich fröhlich Samstags früh um 4.00 zur Arbeit trotte.
3. Mixtape (von Jamie Cullum)
Ich liebe Klavier. Schon allein deswegen ein Favourite. Tolles Tempo zum Wachwerden, kleine Soloeinlagen bauen die Stimmung zum orchestralen Finale auf. Beste Textstelle: “You’re the only angel in headphones”. Hat ein bißchen was von Elton John, finde ich. Den Schluß kann man toll mitsingen (wenn keiner in der Nähe ist, der einen verklagen kann).
4. Central Services / The Office (von Michael Kamen)
Ja, der Klang von Schreibmaschinen… War im Trailer von WALL-E und ich habe ewig danach gesucht, weil es dann im Film und im Soundtrack nicht auftauchte. Kann auch nicht, ist ja schon auf einem anderen Soundtrack! Nämlich dem von “Brazil” aus 1985, Regisseur ist niemand geringerer als Terry Gilliam. Den Film muss ich noch sehen. Die Musik fetzt schon mal. (Warum sagt man das eigentlich nicht mehr?)
5. The Planet Krypton (von John Williams)
Uih, jetzt kommen viele Soundtracks. Dieser Track stammt aus ‘Superman’ von 1976 und besonders mag ich die ersten 90 Sekunden. Williams pirscht sich mit wenigen Instrumenten von hinten an, steigert sich ins ganze Orchester hinein und haut zu. Dann fährt alles wieder zurück, während wir im Film die spannenden Ereignisse auf Kal-Els Heimatplaneten verfolgen. Zum Schluß wird’s dann wieder etwas aufgeregter, aber der erste Teil ist das Beste.
6. Run Forrest Run (von Alan Silvestri)
Eine der tollsten Szenen im Film “Forrest Gump“, nicht nur musikalisch. Die Musik kommt hier verhalten daher und steigert sich relativ fix zu einem Punkt, wo einen die Bläser vom Platz fegen. Da krieg’ ich fast immer Gänsehaut. Kann man nicht beschreiben, muss man hören.
7. Goodbye Lenin (von Yann Tiersen)
Yann Tiersen ist der Meister im musikalischen Minimalismus, hier ein perfektes Beispiel aus “Goodbye, Lenin”. Er beginnt nur mit dem Klavier hinzu kommen Streicher. Die Spannungskurve der Szene, als Alex’ Mutter erstmals ihr Zimmer verläßt, auf die Straße geht (in einer Welt, die sie noch immer für die DDR hält) und dort der fliegenden Statue von Lenin begegnet ist hier perfekt eingefangen. Die Musik nimmt einen vollkommen in Beschlag und läßt erst 30 Sekunden vor Schluß wieder locker. Und Luftholen. Auch toll und in der Liste: Mother’s Journey (was man nur am Klavier erreichen kann).
8. Ich bin ein Wochenendseminar (von Rainald Grebe)
Unauffällig vom Klavier begleitet handelt es sich weniger um Musik als um untermalte Poesie. Die besten Stücke von Rainald Grebe sind die, wo er ganz unscheinbar ein Thema zusammenhanglos beginnt und dann peu á peu mit immer absurderen Assoziationen um sich wirft, ohne das es wirklich sinnfrei wird. Man kann ihm folgen, wenn man will. Er nimmt den Zuschauer ungefragt mit (“Wir geben unserem Atem einen neuen Namen…”), wirbelt durch die Gegend (“..wir atmen einen Lutz”) und läßt ihn nach drei Minuten irgendwo sitzen. Und man wundert sich nur, wie man da hin gekommen ist. Anderes Beispiel: Dr. Fuchs vom letzten Album, ein Streifzug durch die bunte Werbewelt. Kann ich immer wieder hören. (“Würden sie ihr Kind in Dornkaart baden?”)
9. Everloving (von Moby)
Wieder zurück zur Musik, Moby kennt man vielleicht eher aus der Technoecke (war mal in im letzten Jahrtausend), aber dieser Song vom 98′er Erfolgsalbum “Play” kommt zunächst nur mit einer Gitarre daher. Später gesellen sich eine Beat und diverse Klangfarben hinzu und der Song, der Moby-typisch intrumental ist, nimmt erst richtig Form an.
10. On a Day Like Today (von Keane)
Ein perfektes Beispiel für Einfachheit sowohl was den Text betrifft als auch die Melodie. Es beginnt lediglich mit Beat, Gesang und ein wenig Synthies. Über die 5:27 wächst es sich aber in ein musikalisches Mantra mit diversen Klanglinien aus, über allem steht die Stimme von Tom Chaplin.
11. Exogenesis: Symphony, Part 3 (Redemption) (von Muse)
Zunächst unverfängliches Piano (tolle Melodie), wird dann aber zur Rock Symphonie. Vom aktuellen Album “The Resistance” mein absoluter Lieblingssong.
Längster Titel in der Liste! Ein Song über Veränderung, der von einer eher versönlichen Stimmung in nahezu aggressive Tendenzen verfällt. War glaube ich im Soundtrack von “Ab durch die Hecke”. Und wieder ein Klavier.
“Even the things that seems still, are still changing.” Konnte ich nicht in der vollständigen Version auf YouTube finden, hier isses komplett (LastFm).
Wahrscheinlich gibt’s noch Hunderte mehr, aber mit dieser knappen Stunde Musik sei die Klasse entlassen. Was würdet ihr zu dieser Playlist hinzufügen? Kommentare erwünscht!

Sag’ mal Freitag, wenn das keiner sieht, was wir hier machen, für wen mach’ ich’s dann? Für wen denn? Ich mein’, das ist doch gut was wir hier machen, das ist doch gute Arbeit, oder? [..] Freitag, das muss doch jemand sehen, wir müssen’s doch reinstellen, das muß doch nach Youtube, das muß.., das ist doch für alle da. Wenn schon kein Schiff vorbeikommt, wo ist denn jetzt der Mann von Google Earth? Muß man doch mal winken: “Hallo lieber Google-Mann, der Google-Mann, hallo, hier sind wir, hier sind wir, wir machen gute Arbeit! Ich weiß gar nicht Freitag, seit Gott nicht mehr da ist, für wen mach’ ich’s denn?
“Für wen Mach ich das” aus dem Album ‘Das Robinson Konzert’
Rainald Grebe ist ein Vertreter der sehr heterogenen Sparte Musik-Comedy (oder Musikkabarett) und damit insbesondere in den letzten 10 Jahren graduell immer mehr aufgefallen. Rainald Grebe gibt es solo oder zusammen mit der Kapelle der Versöhnung. Seine Präsentation ist eine Mischung aus gesprochenem Wort, musikuntermaltem Rezitativ (vergleichbar mit Hagen Rether) und thematischen Liedern (ähnlich wie Bodo Wartke). Letztere sind sprachlich geschliffen und entfalten ihre Wirkung meist aus assoziativen, gedanklichen Stolpersteinen. Grebe ist nicht nur einfach lustig, er beherrscht eine Bandbreite von kontrolliert nachdenklich albern bis bewußt dem Wahnsinn nachempfunden. Damit steht R. Grebe meiner Meinung nach symptomatisch für ein neues, aufgeklärtes Unterhaltungsbedürfnis des neuen Jahrtausends, wo einfach nur lustige Liedchen wie sie z.B. Maik Krüger oder Otto in den 1980ern bringen konnten, nicht mehr ausreichen. Thematisch beackert Grebe das weite Feld der Gesellschafts- und Gegenwartskritik und entwirft dazu häufig Charaktere wie Dörte, Bengt oder Bernd, an denen er sich gekonnt abreagiert. Berühmt ist er auch ob seiner Hymnen für die Bundesländer Thüringen, Sachsen und Brandenburg, ein Ausdruck von Grebes Affinität für Ostdeutschland, obwohl er selbst in Köln geboren wurde. Den starren Blick ins Publikum oder die meist überraschenden Wechsel zwischen laut und leise kann man dabei wohl als Markenzeichen verstehen.
Grebe ist regelmäßig mit seinen Programmen in ganz Deutschland unterwegs, wirft jährlich mindestens eine Platte auf den Markt und bleibt auch dem Medium Fernsehen gewogen. Allerdings, Berichten zufolge ist Rainald Grebe als Live-Erlebnis mit nichts zu vergleichen. Auf YouTube kann man seine diversen Machwerke bestaunen, was, wenn man ihn denn noch nicht persönlich erlebt hat, für die Initialzündung schon ausreichend ist. Lange Zeit war Rainald Grebe eine Art Geheimtipp unter den komischen Talenten der Republik, doch mittlerweile hat sich seine Popularität ja schon bis ins öffentlich-rechtliche Fernsehen herumgesprochen und er ist durchaus massenkompatibel.
Was genau das Faszinierende an Rainald Grebes Performanz ist, kann man nur schwer beschreiben, darum kann ich nur jedem nahelegen, einen oder zwei Blicke zu riskieren oder eine der diversen verfügbaren Platten zu erstehen. Für mich ist Rainald Grebe ganz große Kleinkunst. Sein letztes Album “Das Hong Kong Konzert” ist im August 2009 erschienen.
Die folgenden Videos zeigen die Laudatio von Jochen Malmsheimer für Rainald Grebe beim bayerischen Kabarettpreis 2009 sowie dessen Auftritt im Anschluß.
Nichts auf dieser Welt bleibt für ewig, wie wir wissen, Wissen kommt und geht, Völker wachsen und weichen, Lebewesen leben und sterben.
Besonders in diesen schnelllebigen Zeiten, in diesem Jahrtausend des Konsums, des unreflektierten Ver- und Gebrauchens und der Massenproduktion vergessen wir allzu oft, die Leistungen der viele kleinen Gegenstände anzuerkennen, die uns jeden Tag das Leben erleichtern oder versüßen und bei all dem Überfluss, bemerken wir nach jahrelangem Dienst nicht einmal deren Ableben. Wenn man aber doch davon Notiz nimmt, zeigt sich damit, wie sehr einem bestimmte simple Dinge ans Herz gewachsen sind. Eines meiner Lieblingsgadgets – mein hochgeschätzter iPod photo – ist heute am 1. April von uns gegangen.
Obwohl ich schon zuvor einige MP3-Player besessen hatte, erfüllte es mich mit besonderer Freude und Stolz, als ich mir im Oktober 2005 endlich einen iPod zulegte. Ich kann mich nur an wenige Anschaffungen in meinem Leben erinnern, die mir über so lange Zeit dermaßen viel Freude bereitet haben. Mein iPod begleitete mich auf diverse Reisen und Ausflüge, nach London, an die Ostsee oder in die Berge aber auch an den ereignislosen Tagen, während der Arbeit und des Studiums. Mit einer stetig wachsenden Musiksammlung versorgte er mich in dumpfen Momenten mit Freude, in langweiligen Momenten mit Unterhaltung und in stressigen Momenten mit Ruhe, er war ein Stück zu Hause im Taschenformat und nicht zuletzt ein mobiler Datenträger.
Auch während neue Generationen den Markt überfielen leistete er weiterhin pflichtbewusst seinen Dienst, im Gegenzug achtete ich auf Schutz und Pflege, sorgte für Softwareupdates sowie das neueste iTunes und strafte mögliche Nachfolger – sowohl anderer Firmen als auch von Apple selbst – mit Ignoranz. Trotzdem ich ihn mit Sicherheit ein paar dutzend Male hatte an Kanten anstoßen und auf harte Untergründe fallen lassen, setze er seine Tätigkeit beharrlich fort, nur hin und wieder war ein kurzer Reboot nötig. Lediglich die mitgelieferten Kopfhörer gaben pünktlich nach Ablauf der Garantiezeit den Geist auf, aber eine schnelle Amputation verhinderte größere Schäden.
Heute, nach fast 3 1/2 Jahren, kam das Gerät erstmals hörbar und dauerhaft ins Stottern und trotzdem ich alles in meiner Macht stehende tat und sogar den Apple Support kontaktierte, war offenbar die Zeit gekommen. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos und am späten Abend stellte ich den Tod durch Festplattenversagen fest. Zuletzt zeigte er auf dem Display das traurige iPod-Symbol und die URL des Apple Supports.
Der iPod photo mit der Seriennummer JQ539C2QTDS hinterlässt ein Dock, ein Ladekabel, eine lächerlich orangefarbene Silikonhülle mit Clip, einen USB Photoadapter sowie eine Paar Sennheiser In-Ear Kopfhörer. Ein Termin für die Beisetzung steht noch nicht fest.
Im Gedenken an ein überragendes, in China gefertigtes Convenienceprodukt. Welches tatsächlich den Dienst quittiert hat, auch wenn heute der erste April ist
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