Jun
07

Der Ex-Bundespräsident

The President of Germany Horst Köhler. Former ...
Image via Wikipedia

Wenn ich die Berichterstattung überblicke, ist die Republik gespalten in drei Gruppen: Da sind zum einen die Zustimmer, sie glauben Horst Köhler hat vollkommen zu Recht (nämlich, weil er den “Respekt vor seinem Amt” vermisse ) seinen Job als Bundespräsident gekündigt, sie haben Respekt vor seiner Entscheidung. Zum anderen sind da die Kopfschüttler, sie glauben der ehemalige Bundespräsident habe mit seinem Rücktritt überreagiert, womöglich habe er die amerikanische Schelte über den Ölkonzern BP fälschlicherweise auf sein Amt (BundesPräsident) bezogen. Sie argumentieren Köhler sei zu dünnhäutig, also quasi ein Weichei und kam sich in seinem Amt überflüssig vor, zumal ja selbst die Kanzlerin ihn nicht verteidigen mochte. Zumindest das Überflüssig-Sein kann man schwer wegreden, schon Rainald Grebe singt in seiner Hymne auf das Amt:

“Jetzt kommt ein Grußwort für Hartz IV-Empfänger
Ihr Schicksal trifft mich auch persönlich
Sie halten sich für überflüssig
Es geht mir da ganz ähnlich”

Dann gibt es eine dritte Gruppe, die Verschwörungstheoretiker. Sie kamen in den diversen Diskussionsrunden in der letzten Woche ausgiebig zu Wort. Ihnen allen gemein ist die Annahme, dass Köhler seinen Hut aus einem viel bedeutsameren Grund nahm, als den paar kritischen Stimmen ob seines mißglückten Kommentar zum deutschen Afghanistaneinsatz. Diesen Grund kann er freilich nicht nennen, wer weiß also, was tatsächlich auf dem Spiel steht? Was die Politik uns, also dem Souverän dieses Landes, verschweigt? Ich möchte mich letzterer Gruppe anschließen und vermute einfach mal ins Blaue hinein, dass die versammelte Waffenlobby dem Präsidenten mit Waffengewalt den Rücktritt nahegelegt hat, nachdem er mit seiner Aussage angedeutet hatte, es gäbe wirtschaftliche Interessen am Afghanistankonflikt. Noch bis kurz vor der Pressekonferenz hatten sie seine Frau als Geisel genommen und erst nachdem klar war, dass er den für ihn eiligst getippten Abschiedstext auch vor versammelter Presse vorlesen würden durfte Frau Köhler wieder an seine Seite, von welcher sie ja dann auch nicht mehr wich. Denn wirtschaftliche Interessen als Ursache für einen bewaffneten Konflikt, das wäre ja nun wirklich vollkommen unangemessen. Geradezu unvorstellbar!! Und damit das auch so bleibt, spricht man nicht darüber. So, wie man ja auch lange Zeit nicht von einem Krieg in Afghanistan sprach. Upps!

Werbung nervt

Egal ob privat oder öffentlich-rechtlich, wer fernsieht oder Radio hört, wird lebendig beworben. Manchmal geben sich die Firmen ja durchaus Mühe, in den meisten Fällen aber eben nicht. Da ist die schlanke, optisch gesunde Frau, die sich beklagt, weil sie sich ja so aufgebläht fühle. Und noch bevor man ihr entgegenschreien kann, sie sollte doch mal gepflegt einen fahren lassen, da drückt sie schon die Packung kulturell wertvollen Joghurts gegen das Objektiv, den sie jetzt täglich esse und seitdem offenbar blähungsfrei daherkommt. Dass dieser  Wunderjoghurt nachweislich erstmal nur doppelt so teuer ist wie ‘normaler’ Joghurt aber daran gemessen nicht wesentlich besser für den Darm, dass verschweigt der Spot. Schnipp, da werde ich schon über Pierres BASE aufgeklärt. Das ist ja so flexibel, weil man alles mögliche dazu und wieder weg buchen kann. Toll, tangiert mich aber nicht, weil ich nicht jeden Monat aufs Neue mein Telefonnutzungsverhalten analysiere. Und keiner kann mir erzählen, dass unsere Babies plötzlich alle wahnsinnig Grips ansetzen, weil sie in ihren Mörderpampers die ganze Nacht durchstrullen können ohne davon wach zu werden. Meine Mutter hat meine Stoffwindeln (und die meiner Schwester) noch gewaschen und wiederverwendet! Hat auch nix geschadet, denn wenn man einmal daran gewöhnt ist, die Kacke einfach laufen zu lassen, kommt man nur ganz schwer wieder davon weg.. Wenn überhaupt, dann sollte man die Hightech-Windeln für die um sich greifende Doofheit der Leute verantwortlich machen. Richtig nerven tun auch die diversen Spots mit FIFA WM 2010-Bezug. Insbesondere wenn Michael Ballack, der alte Mit-Attest-zu-Hause-Bleiber, in die Kamera grinst, so als genösse er schon jetzt die Werbemillionen, die er sich trotz seiner WM-Abwesenheit verdient hat. Der gehört verpixelt!
Der Hammer ist aber ein BlendaMed-Spot, bei dem der Zuschauer aufgefordert wird, sich doch bei den tollen Wissenschaftlern zu bedanken, für die tolle Zahnpasta, die sie da ständig neu erfinden. Dazu sage ich nur: GEHT ES NOCH!! Da sitzen offenbar seit Jahrzehnten ausstudierte, vom Staat teuer finanzierte Zahnmediziner und Chemiker in einer Fabrik und basteln nicht anderes als neue Zahnpasten! Diese Menschen könnten Heilmittel für AIDS, Krebs oder Alzheimer suchen, sie könnten kranken Menschen helfen, von denen es ja zweifellos mehr als genug gibt. Stattdessen sitzen sie in der sterilen Umgebung eines Gewerbegebietes, abgeschirmt von der restlichen zivilisierten Welt und brüten über Farb- und Geschmackskombinationen für ZAHNPASTA!! Welche, so gut wie die mittlerweile ist, die Zähne schon blitzeblank reinigen müßte, WENN MAN NUR DIE TUBE MIT DEM KLEINEN ZEH BERÜHRT!

Sparpaket

Eigentlich nicht überraschend, sondern lange, lange überfällig. Mich hat schon immer geärgert, dass ein Staat Geld raushaut – mithin sicherlich sinnvoll, aber auch nicht immer – , das er nicht hat. Gerade berichtet das Nachtmagazin, dass man sich in Europa final für einen ‘Rettungsschirm’ des Euro geeinigt hat. Tolle Sache, die allerdings gar nicht nötig wäre, wenn alle ein bisschen vernünftiger mit ihren Budgets umgehen würden. Nun hat heute die Regierung Pläne für umfangreiche Einsparungen vorgelegt, viel im Bereich Arbeit und Soziales, Subventionen abbauen, Atomkraftwerke zahlen für Störfälle. Oder so. Toll dabei: keine Einsparungen für Bildung und Forschung (sehr vernünftig) und keine Steuererhöhungen. Bankensteuer gibt’s leider immer noch keine (international traut man sich auch nicht so recht) und die Reichen besteuern mag man auch nicht, gut, die Jammern ja nun mindestens doppelt so laut, wie die armen Leute. Insgesamt augenscheinlich eine durchdachte Sache, die natürlich noch durch den Praxistest muss. Das hält aber die Opposition (=die Leute, die von Haus aus dagegen sein müssen) nicht davon ab, der Regierung an allen Ecken und Enden versagen vorzuwerfen. DGB-Chef Sommer, der für den ersten Satz seiner Erklärung drei Anläufe brauchte, die live bei Phoenix übertragen wurden. Ganz großes Kino!

Meine Frage an die Meckerpötte: Wäre es zuviel verlangt, bei solch grundlegenden, wichtigen Themen ein wenig Kooperation zu zeigen? Nur ein kleines bisschen?? Natürlich macht Sparen keinen Spaß, aber es muss nun mal sein. Und darauf, dass das alles nicht allzu unsozial wird, kann die Opposition ja konstruktiv einwirken. Wenn sie nicht zu sehr mit sinnlosen Streikforderungen beschäftigt sind. Oder damit ihre Reden auswendig zu lernen. Nah, wohl nicht.

Reblog this post [with Zemanta]
Mai
10
Filed Under (Allgemein, deutsch, thoughts) by yodahome on 10-05-2010

In meiner anhaltenden Suche nach festen Blogschemata eröffne ich hiermit die Serie Meinungsmontag, in der ich ungefragt meine Meinung zu aktuellen Themen preisgebe. So subtil wie möglich.

1. Landtagswahl NRW

129/365
Image by orarewedancer via Flickr

Kurz ge-zsf’t: CDU ganz groß verloren. Mmh. SPD real verloren, gefühlt gewonnen. Grüne ganz groß gewonnen (r+g), FDP und Linke mit drin und Andere ein bissl gewonnen (basiert auf vorläufigem Endergebnis). Rot-Grün möglich, Schwarz-gelb nicht. Bundesratmehrheit wohl futsch. Ist das ein Fortschritt?
Ohne allzu zynisch wirken zu wollen, für mich zeigt das nur, dass die Menschen unentschlossen sind. Genau so wie die großen Volksparteien, die sich ja schon seit Jahren immer mehr annähern. Wie lange noch bis Fusion zur Christlich-Demokratischen-SozialPädagogischen-Sozialistischen-Partei-Union (CDSPU)? Die Wähler wechseln ihre Meinung munter von einem Jahr auf’s andere und im Endeffekt sind die Parteien relativ hilflos. Sie laufen ihrem Klientel hinterher, wie die Manager ihren Aktionären. Oder die Geeks dem iPad. Oder die Verlage dem iPad. You get the point.
Politik, das heißt derzeit Manager von maroden Ist-Zuständen zu sein, Erhaltung überholter Systeme für ein wankelmütiges Volk. Das Spannungsfeld liegt irgendwo zwischen Arbeiternehmer und Arbeitgeber, Anleger und Kleinsparer, gesetzlich und privat versichert, selbstständig und arbeitslos, katholisch und islamistisch, Hauptschule und Gymnasium, Mac oder PC. Wer wollte da auch nur versuchen, die Masse mitzureißen?
Politik sollte aber sein, Ziele zu definieren und Zukunft zu gestalten. Oder wenigstens Gegenwart verstehen und darauf reagieren. Klappt super, wenn Frau Aigner den Bürgern nahelegt, in den Gemeinden Unterschriftenlisten(!) gegen Google Street View zu sammeln. Warum nicht wenigstens eine Mailingliste? Ein Forum? Ne’ Newsgroup? Ein im Anachronismus geeintes Volk. Nicht immer aber immer öfter.

2. Griechenland Bailout

March 25 - Greece Independence Day
Image by Aster-oid via Flickr

Man stelle sich vor, eine Großfamilie (16 Leute, um viele Ecken verwandt), viele Jahre über die Welt verstreut gelebt, findet zusammen und möchte wieder engere Bande knüpfen. Sie verabreden z.B. gemeinsame Familienfeiern, tauschen Adressen aus und dann, weil sie nach außen Gemeinsamkeit zeigen wollen, gründen sie zusammen, ähm, sagen wir mal: eine gemeinsame Währung. Wir nenne sie den Euro. Olé, Olé, alles Super.

Alles ist klasse, die Familie benutzt die Währung und handelt kräftig, alle stehen scheinbar ziemlich gut da. Jeder hat ein paar Schulden, Kredite, Verpflichtungen, klar, wer hat die nicht? Aber alle haben Jobs, Einkommen größer Ausgaben, sie haben sich gegenseitig natürlich nicht die Kontoauszüge gezeigt, ist ja die Familie. Und es läuft.
8 Jahre später, es ist Krise, Finanzmarkt und so, die Familie trifft sich zum kleinen Fest, kommt ins Plaudern und raus kommt: Der Großonkel Calinichta hat ein paar mehr Schulden, als er verraten wollte. Lebt schon seit Jahren weit über seine Verhältnisse. Alle gucken betroffen und schlucken. Besonders Tanta Sampaio und Neffe Caruso. Allen geht irgendwie die Muffe, weil sie so richtig eigentlich doch nicht mal wissen, wie sie ihre eigenen Schulden zahlen sollen. Und was werden erst die Nachbarn sagen? Der Herr Johnson beispielsweise.
Also geben dem Onkel alle Familienmitglieder von dem Geld, dass sie nicht haben, was ab, damit die gemeinsame Währung vor den Nachbarn nicht schlecht da steht. Geht gar nicht? Richtig! Stattdessen geben die anderen Familienmitglieder das Versprechen ab dem Onkel Geld, das sie nicht haben, zu geben, wenn der es denn braucht. Doppel-Schwör! Außerdem schimpfen sie mit dem Onkel und der verspricht hoch und heilig, dass er mit Sparen anfängt. Auch wenn die Frau rebelliert. Und boa, wie die rebelliert.
Und alle leben glücklich bis an ihr seliges Ende. Hehe.
Noch im letzten Jahr erklärten Experten lang und breit, dass ein Staat nicht bankrott gehen kann. Aber von Staatengemeinschaft war nie die Rede!

3. Apple vs. Flash

The Apple Store on Fifth Avenue
Image via Wikipedia

Steve mag Flash nicht. Weil, ähem, es ist nicht frei! Welch’ edles Motiv! Ja, es ist kein offener Standard. Und es zieht zu viel Strom auf mobilen Geräten. Oho, das ist schlecht für den Konsumenten! Flashapplikationen sind für Mäuse gemacht und nicht so richtig toll zum antouchen. Und obendrein funktioniert es einfach nicht! Jaha!!! Oh, one more thing: Eszerstörtunsunsertolles-abgeschlossenesökosystem-wowireinschweinegeldmitverdienentun. Die ersten sind aber wichtiger. Klar. Denn, wenn Apple etwas ist, dann frei! Die würden nie, beispielsweise, bestimmte Apps aus ihrem AppStore verbannen. Oder dafür sorgen, dass ihre Software nur auf ihrer Hardware läuft. Oder verhindern, dass man gekaufte Inhalte tauscht. Also: Wer im Glashaus sitzt (schon mal einen Apple Store gesehen?), sollte nicht mit iPods werfen.

Hammer ist aber: Flash-Evangelist (=Typ, der wo echt gute Stimmung für Flash machen soll) versucht eine Flash-Beta auf einem Android-Phone zu zeigen. Vor Publikum und so. Öffnet Seite in Browser. Browser stürzt ab. Öffnet Seite erneut, stürzt wieder ab. Fragt Publikum was er öffnen soll. “Hulu” (amerikanische Videoportal Anm. der Red.) Antwort: “Hulu doesn’t work”. Demo Ende. Fail!

Am Ende muss man konstatieren: 0 Punkte beide. Setzen. Sechs.

Anmerkung: Ich mag Apple. Wegen der Produkte und der Konvenienz in der Nutzung. Aber das Apple seine Marktmacht nutzt, um Freiheit zu propagieren, gar ohne Eigennutz zu fordern, sehe ich nicht. Die anderen Kritikpunkte aus Jobs’ Brief treffen aber zu.
Und Flash mochte ich noch nie.

Reblog this post [with Zemanta]
Spiegel Titel 33/09

Spiegel Titel 33/09

Im Spiegel der vorvorletzten Woche war eine Titelstory zum Thema Freiheit, Kontrolle und Recht im Internet mit dem griffigen Titel “Netz ohne Gesetz” (man beachte den beinahe lyrischen Ansatz, auch wenn’s faktisch falsch ist). Die Prämisse ist also in drei Worten formuliert und sie wird noch weiter aufgebaut. Das Netz wird charakterisiert als “Parallelwelt” in dem “das Recht nichts wert sei”. Es werden Beispiele von Rufmord, Diffamierungen, käuflichen Blogeinträgen etc. versammelt, die es zweifellos so gibt, aber was beweist das schon? Das Netz ist  so wenig Heilsbringer wie Apokalypse, es ist keine Parallelwelt, es ist die Welt – nur in digital. Alles, was man sich in der tatsächlichen (physischen) Realität vorstellen kann, findet auch im Internet statt. Diese Welt ist nicht virtuell, sie ist so real wie alles andere. Und das es dort keine Regeln gebe, ist deswegen schlichtweg falsch. Es sind andere Regeln und das Problem ist, das viele sie nicht kennen oder einhalten wollen. Dagegen muss man, das macht der Artikel auch zur zentralen Frage, durchaus etwas tun. Zustimmen muss man den Autoren dann auch, wenn sie feststellen, dass massive Aushandlungsprozesse in Gang sind: Welche Gesetze gelten im Netz? Wie setzt man sie durch? Wie schnappt man Täter, die sich überall auf der Welt befinden können?

Das ist natürlich irgendwie auch wieder typisch deutsch, dass man bei neuen Freiräumen erstmal fragt, wie man das kontrollieren kann. Wir leben nunmal in einem Land, in dem selbst das gemütliche Trinken eines Bieres auf öffentlichen Plätzen durch Verwaltung und Ordnungsamt reglementiert ist (just im Reality TV gesehen), in dem sich Nachbarn schon aus Gewohnheit vor Gericht treffen, wo jeder auf den Staat schimpft ohne zu merken, dass er selbst Staat ist und ja doch irgendwie auf dessen Regeln besteht. Der Staat (besonders der Regierungsapparat) ist wichtig, denn auch Datenschutz, der ebenfalls ein großes Problem im Internet ist, gibt’s nur per Gesetz. Das haben wir gerade wieder durch den Bericht über sogenannte Auskunfteien wie die SchuFa gesehen, Firmen steht das persönliche Recht auf die eigenen Daten eher im Weg. Im Moment ist der Staat, ja die gesamte Demokratie aber selbst in einer Art Identitätskrise (dazu später mehr).

Zentrales Problemkind sind natürlich die sogenannten Urheberrechte, die ja im Internet härter umkämpft sind als Ölquellen im Irak. Und die, so deutet man auch im Spiegel mit Verweis auf eine Rede von Reto Hilty (hier ein Interview), könnte durchaus dem Fortschritt im Weg stehen, weil sie Wissenfluß derzeit eher behindern als fördern. Und das ist in der sogenannten Wissensgesellschaft schon eine vitale Einschränkung. Dabei gibt es durchaus vernünftige Ansätze, wie man beispielsweise bei Larry Lessig oder Cory Doctorow immer wieder nachlesen kann, letzterer veröffentlich seine Romane zum Download unter Creative Commons-Lizenzen mit Derivatrecht und so entstehen Übersetzungen und sogar Hörbuchfassungen durch Dritte und stehen ebenfalls zum Download zur Verfügung. So sollte die Wissensgesellschaft funktionieren. Remixen, also das aufgreifen der Werke anderer in einem eigenständigen Werk, sollte z.B. für den privaten Gebrauch uneingeschränkt möglich sein. Wirkliche kommerzielle Nutzungen und damit verbundene Einschränkungen gibt es doch eigentlich nur zwischen Firmen. Warum muss ich als Privatperson trotzdem meterlangen Nutzungsbedingungen und Lizenzverträgen zustimmen, wenn ich mir ein Computerspiel kaufe oder Mitglied bei MySpace werde? Und auch für die Wissenschaft ist Copyright zunehmend problematisch, es führt beispielsweise dazu “[..], dass Forscher oft nicht genug Geld hätten, um die [Fach-]Zeitschriften zu abonnieren, in denen sie ihre eigenen, öffentlich finanzierten Ergebnisse publizieren.”

LONDON, ENGLAND - MARCH 25: In this photo illu...
Image by Getty Images via Daylife

Als ein weiteres Problem wird die Einhaltung der Privatheit genannt. Gerade lief im Mittagprogramm der Privaten [ha,  zwei Definitionen von privat, wie schön] wieder eine Pseudoreportage, wie leicht es doch wäre ‘private’ Informationen fremder Menschen aus Profilen bei StudiVZ, Facebook oder MySpace zu gewinnen. Alter, Freunde,Fotos, Job, Interessen und mehr kann man meist problemlos herauskriegen, jeder weiß, was du letzten Samstag getan hast. Die Lehre: Wir müssen aufpassen, was wir ins Netz einstellen.
Bullshit!!! Natürlich ist das leicht, das ist die Idee dieser sozialen Netzwerke. Einen der wenigen vernünftigen Beiträge zu diesem Thema liest man auf Spiegel Online unter dem Titel “Warum die Dummheit des Internets ein Segen ist“. Punkt 4: “Wir sollten aufhören, den Exhibitionismus anzuprangern, solange wir den Menschen schamlos und ohne jede Hemmung durchs Wohnzimmerfenster starren“. Und in der Tat, ich kann auch im Café, im Kino und auf der Strasse Menschen belauschen und private Details über sie erfahren. Ich arbeite ja auch in einem Buchladen und selbst dort erzählen die Menschen mir oft unaufgefordert viele private Details. Mich interessieren die eher selten, aber was wenn ich Böses im Schilde führen würde? Und so macht auch der Artikel eindeutig klar:

Wer bei Facebook, StudiVZ oder MySpace Bilder von sich ins Netz stellt, wer von der rauschenden Party am Vorabend berichtet, der ist in der Regel keineswegs “exhibitionistisch”, wie das in den vergangenen Jahren in nahezu jedem Artikel über die Jugend und das Netz zu lesen war. Die Leute, die da kommunizieren (denn nichts anderes geschieht dort), reden ja gar nicht mit Ihnen. Sondern mit ihren eigenen Freunden und Bekannten. Ihrem privaten Umfeld. Wenn im Park jemand auf einer Bank sitzt und seinem besten Freund Fotos von der Party gestern Abend zeigt, setzt man sich ja auch nicht daneben und glotzt.

Exakt. Also, liebe faule Redakteure und liebe neugierige Personalchefs: Finger weg von meinen privaten Profilen, was ihr wissen müßt steht bei xing und wenn das nicht reicht, ich komme gerne zum persönlichen Gespräch vorbei!
Nichtsdestotrotz schadet es natürlich auch nichts, wenn man auch die Privacy Funktionen der diversen Netzwerke kennt und nutzt. Andererseits würde es einem in der physischen Welt durchaus als Verfolgungswahn ausgelegt werden, wenn man keine Gespräche mehr an öffentlichen Orten führt und dafür immer alle Türen und Fenster schließt.

Zurück zum einleitenden Gedanken: Die Demokratie ist in der Krise oder wie Hans-Ulrich Jörges es formuliert: Das entmündigte Volk. Money Quote: “Deutschland hat ein Demokratiedefizit. Es ist nur noch Zuschauerdemokratie.” Und das Gefühl kann man durchaus bekommen, wenn man die im Artikel versammelten Beispiele liest und dann noch ein paar eigene Erinnerungen dazu wirft.

Meine Hoffnung ist darum, durch die Diskussion um das Netz die Karten neu verteilt werden, denn zumindest einige der offenbar schon etabliert geglaubten Regeln kommen wieder auf den Tisch und werden neu verhandelt. Sie mobilisieren sogar eine neue politische Gruppe. Insofern sind die Fragen, die das Internet aufwirft, möglicherweise wichtige Schritte in eine neue Welt mit neuen Regeln. Denn schon Albert Einstein wußte: ” The significant problems we have cannot be solved at the same level of thinking with which we created them.”

Reblog this post [with Zemanta]
Mrz
26

logo-klein…und das soll mal keine Anspielung auf die Killerspieldebatte sein, denn die war ja eigentlich gar nicht primär der Inhalt der Tagung. Allerdings holte uns auch dieses Thema ein, denn schon die ersten Presseanfragen am Mittwoch zeigten, dass in den Köpfen der Reporter wohl derzeit kein anderer Zugang zum Thema Computerspiele denkbar war. Aber dazu später.

Zunächst mal war die Vorbereitung der Tagung durchaus anstrengend, da werden sicher alle Beteiligten meiner Meinung sein. Die Website wollte in den Wochen und Tagen zuvor mit allerlei Informationen bestückt werden, was wegen technischer Probleme nicht immer ganz einfach war. Man muss dem URZ dankbar sein, dass man dort immer relativ schnell auf Probleme reagiert hat. Für mich spannend war ebenfalls die Idee des Livestreams, auch wenn der in weiten Teilen technisch nicht in unserer Hand lag. Anfang der Woche lösten die Vorbereitungen für das Tagungsbüro dann entgültig die Arbeiten im Web ab. VPN Accounts besorgen und ordnen, Listen wälzen, wer kommt, wer spricht, haben wir genug Mappen für alle.

IMG_4559
Image by yodahome via Flickr

Waren wir für die Arbeit an Website und Tagungsmaterial noch drei motivierte Studenten, vergrößerte sich das Team im Büro dann auf fünf und wie sich bald herausstellen sollte, war die Zusammenarbeit, trotz eher kurzer Einspielzeit, gleichermaßen großartig. An dieser Stelle noch mal ein Dank an alle Mitstreiter.

Schon während des informellen Treffens am Mittwochabend vor der eigentlichen Konferenz, bestätigte sich mein Gefühl, dass das eine ganz spannende Veranstaltung werden würde. Und eine teuere, denn das Essen im französischen Spezialitätenrestaurant war zwar durchaus mein Geschmack (den offenbar die Kollegen nicht alle teilten), die Preise waren aber eben auch auf vergleichbar hohem Niveau. Schon am Abend hatten wir Material, Technik, Kabel und dergleichen ins Gebäude 5 verbracht, wo die Konferenz stattfinden sollte. Am Donnerstag morgen, nachdem wir den Campus mit Dutzenden Hinweisschildern übersäht hatten, brach dann erstmal ein mittleres Chaos aus, als nicht nur die ersten Teilnehmer eintrafen sondern auch diverse technische und organisatorische Probleme offenbar wurden, die wir schnell und möglichst unbemerkt beheben mussten. Dazwischen mischten sich Anrufe von Teilnehmern, die ihre spätere Ankunft oder gar Krankheit und Fehlen ankündigten, die schon erwähnten Presseanfragen beispielsweise des MDR und der Bild sowie kleinere und größere Wünsche, die wir natürlich zu erfüllen trachteten.

img_5238

Image by yodahome via Flickr

Etwas Ruhe kehrte erst zum späteren Nachmittag ein, weshalb ich auch keine der ersten Veranstaltungen so richtig mitbekommen habe, beispielsweise die faszinierende Keynote von Richard Bartle (hier als Video, leider noch mit miesem Ton, das wird noch getauscht). Der Empfang am Abend war dann auch sehr gesellig und unterhaltsam (faszinativ tolle Musik gab’s von der MillerJazzBand), das Essen war auch sehr lecker. Leider trieb uns die Müdigkeit dann doch relativ früh dazu Richtung Matratze aufzubrechen, weil es ja am nächsten Morgen in aller Frühe wieder losging. Während Schlüsselmeister Fabian wie immer der erste am Set war, nahmen einzelne Mitglieder der Orga eine extra Mütze voll Schlaf. (No hard feelings! :-) ) Während die ersten Fotos vom Vortag eintrafen und online gestellt werden mussten (kann man auf der Game Cultures-Website oder bei flickr in ihrer Gesamtheit betrachten, Dank geht an Herrn Arendt, Mandy und Karo) fand sich doch die ein oder andere Gelegenheit den erfahrenen Medienwissenschaftler/Innen bei ihren Vorträgen zu lauschen.

img_5146
Image by yodahome via Flickr

Ohne Namen zu nennen oder die Inhalte kritisieren zu wollen, fiel mir in der Breite schon negativ auf, dass es mit den Präsentationsfähigkeiten eher mau aussah (von den Keynotes mal abgesehen, die waren durchweg klasse). Häufig wurden gar keine Folien (digitaler Art) benutzt und wenn, dann eher als schmuckloses Beiwerk. Mediennutzung war eher verhalten und viele Redner gaben sich für meine Begriffe eher wenig Mühe, ihr Thema gut zu verkaufen. Noch dazu hatten viele ihren Vortrag offenbar nicht gut geprobt, die Zeit wurde doch das ein oder andere Mal sehr strapaziert oder der Vortrag spontan empfindlich zusammengekürzt. Rein formal betrachtet, halten die Medienbildung B.A. Stundenten da häufig bessere Präsentationen ab (als Orientierung sei hier das Buch “Presentation Zen: Simple Ideas on Presentation Design and Delivery (Voices That Matter)” von Garr Reynolds empfohlen, dass in Medienbildungskreisen als eine Art Bibel gehandelt wird).

IMG_4618
Image by yodahome via Flickr

Ansonsten war die Pressekonferenz und Podiumsdiskussion am Samstag noch ein Highlight, natürlich wollten die Medienvertreter primär mit Blick auf den Amoklauf in Winnenden in der Woche zuvor informiert werden und die Fragen zielten also darauf ab, eine Verbindung von gewalttätigen Computerspielen zu Gewalttaten herzustellen. Das Thema der Diskussion war dann aber eigentlich “Computerspielesucht” und damit auch ein heißes Eisen aber scheinbar nicht sonderlich medienwirksam (zumindest im Moment).

Eigentlich alle Teilnehmer, mit denen wir als Tagungsbüro zu tun hatten, waren sehr zufrieden mit der Veranstaltung, viele bedankten sich bei ihrer Abreise nochmal explizit und auch wenn es an der ein oder anderen Stelle noch Raum für Verbesserung gibt, so bin ich zumindest im Großen und Ganzen auch sehr zufrieden mit der Tagung, die für mich in dieser Form die erste war (man beachte, dass es im Oktober wieder einen Open-Source-Tag geben soll, an dem ich hoffentlich auch wieder beteiligt bin).  Nach knapp zwei Stunden waren auch die gröbsten Spuren unserer Anwesenheit im Gebäude 5 beseitigt und wir gingen alle zufrieden nach Hause, zurück zu den Hausarbeiten und Internetprojekten, die da auf uns warteten.

Zum Abschluss der Tagung wurde auch das “Medienpädagogisches Manifest” präsentiert, worin die Forscher eine bessere medienpädagogische Ausbildung fordern. Da weise ich natürlich gerne drauf hin, immerhin ist das ja genau meine Baustelle.

Reblog this post [with Zemanta]

Es ist immer wieder traurig zu hören:  Da nimmt sich jemand Waffen und Munition, geht offenbar gut vorbereitet und mit detailliert durchdachtem Vorhaben in seine Schule und beginnt scheinbar wahllos Menschen zu erschießen. Ich kann mir kaum vorstellen, was das für eine Erfahrung ist und was es mit den Beteiligten oder den Angehörigen der Opfer anstellt. Man fragt sich, in was für einer Welt wir denn leben, in der es offenbar immer mehr Menschen gibt, die nicht nur die Möglichkeit und Ausrüstung haben, solch eine Tat durchzuführen sondern was man für Gedanken haben muss, was für eine Motivation einen dazu treibt. Komplizierte Fragen in unserer noch viel komplizierteren Welt die zwar, mehr als jemals zuvor in der Geschichte, eine Vielzahl von Chancen bereithält aber eben auch neue Risiken und Belastungen, auf die keiner vorbereitet sein kann.

Der 11. März 2009 ist so ein Tag, wo plötzlich nichts mehr ist, wie es mal war. Der 17-jährige Tim K. hat mit der kaltblütigen Ermordung von 15 Menschen im ganzen Land Betroffenheit und Nachdenklichkeit ausgelöst. (Sueddeutsche.de)

Man sollte meinen, dass man so einer komplexen Fragestellung mit entsprechender Sorgfalt begegnet muss, dass man dezidiert die Verhältnisse analysiert, in der ein solcher Täter gelebt hat. Dass man fragt, wie kann jemand so einfach an Waffen und Munition in diesem Umfang kommen. Warum wählte er gerade unbekannte Mitschüler an seiner ehemaligen Schule als Ziele aus? Warum?

Doch wenn es nach den Medienberichten der letzten paar Tage geht, scheint nur die Antwort auf eine Frage wirklich von Interesse zu sein: Der Täter hat doch bestimmt intensiven Gebrauch von ‘Killerspielen‘ gemacht?

Und wenig überraschend fällt die Antwort positiv aus und überschattet damit doch auffällig die sonstige Berichterstattung in nahezu allen Medien.
Die Analyse auf sueddeutsche.de fällt im Grunde noch gemäßigt aus, aber auch hier wird von “Killerspiel-Welten” gesprochen, in die sich da die Spieler zurückziehen würden. Aus diversen Fernsehberichten habe ich entnommen, dass der Täter wohl das böse Counter-Strike auf dem Rechner hatte – wobei man auch hier das Ende der Untersuchung abwarten sollte, bei Robert Steinhäuser in Erfurt hatte man letztendlich festgestellt, dass er das Spiel allen Medien-Behauptungen zum Trotz gar nicht spielte- – und dazu noch World of Warcraft. Oh Wunder, beides sind erfolgreiche Titel und millionenfach verkauft worden, es existiert wohl kaum ein Computerspieler der sie nicht zumindest schon mal gespielt hat. In beiden Titeln gehört das ‘Killen’ von Pixelfiguren unbestritten zum Spielprinzip.

Blitzschnell, als hätte man sich schon darauf vorbereitet, hat die bayerische Landesregierung erstmal wieder ein “strengeres Verbot von Killerspielen” gefordert. Nicht sehr kreativ und auch noch falsch, denn ein Verbot von Spielen, die „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt“ gibt es bereits und dazu noch klare Einschränkungen durch das Jugendschutzgesetz.

Unser Minister für Datensammlung und Inneres Wolfgang Schäuble spricht sich ebenso eindeutig für ein Verbot von Killerspielen aus und gleichsam eindeutig gegen strengere Waffengesetze. Im Klartext: Virtuelles Schießen wird verboten, reales Schießen wird weiter erlaubt. Zitat: „Ist es nicht wahr, dass durch diese Gewaltdarstelllungen, durch Killerspiele, durch was der Himmel es alles gibt an schrecklichen Dingen, dann bei jungen Menschen solche Mechanismen ausgelöst werden, dass dann ein junger Mensch, 17 Jahre alt, so etwas entsetzliches tut?”

Das ist zweifellos eine gute Frage, problematisch ist nur, dass Herr Schäuble es offenbar für eine rhetorische hält, tatsächlich aber mitnichten geklärt ist, wie die Zusammenhänge nun sind. Auch wenn uns das beispielsweise Christian Pfeiffer immer weißmachen will. Und wieder stehen die Hersteller und Spieler in der Defensive ohne dass es dafür irgendeinen handfesten Grund gäbe. Ich hoffe ja nur, dass daraus nicht wieder eine unsachliche Hexenjagd auf Computerspiele entsteht.

Interessant fand ich allerdings die tiefschürfende Einsicht eines Reporters im Sat1 Frühstücksfernsehen, der vor dem Tatort stehend eingestand, dass die Menschen vor Ort der Anwesenheit der Medien (Reporter und Kamerateams belagern ja regelrecht die Schule) langsam überdrüssig wären und dies auch zum Ausdruck brächten. Sinngemäß schloß er mit “Es ist wohl Zeit für uns, die Menschen vor Ort mit ihrer Trauer allein zu lassen, es ist Zeit sich zurückzuziehen.” Im Angesicht von soviel Verständnis vor laufender Kamera, war ich dann doch etwas erstaunt.

Reblog this post [with Zemanta]
Jan
25
Filed Under (computer, games, thoughts) by yodahome on 25-01-2009
{{de|Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutsc...
Image via Wikipedia

Na, da geht doch einiges im Staate Deutschland. Heutiges Thema (auf vielfachen Wunsch, war schon mehrfach dabei, darum bitte nicht wiederwählen): Killerspiele

Als Student der Medienbildung hatte und habe ich die eher zweifelhafte Freude mit der öffentlichen, wissenschaftlichen und medienjournalistischen Diskussion zum Thema Computerspiele eng vertraut zu sein. Ich kenne den Forschungstand, die Position gewisser Medien und einzelner Protagonisten und auch die der Gamer. Ich selbst zähle mich vor allem zur letzten Gruppe (immerhin bin ich schon sehr viel länger Computerspieler als ich Student bin), allerdings hege ich selbst kein großes Interesse an Computerspielen mit Gewaltthematik. Ich habe durchaus Wolfenstein 3D gespielt, Doom, Half Life II, Dark Forces und andere Spiele, in denen Gewalt inszeniert wird und die zum Teil indiziert sind. Allerdings machen mir Adventures, Simulationen und Strategiespiele wie Sim City, Civilization, Super Mario Galaxy, Spore, Monkey Island, Geheimakte Tunguska etc. in der Regel mehr Spaß.

Das vorausgeschickt, ich bin durchaus der Meinung, es gibt zu viele dämliche Egoshooter oder Kriegssimulationen. Dämlich nicht etwa weil sie Gewalt zeigen, sondern weil sie ein hinreichend ausgeschöpftes Spielprinzip zum x-ten Mal ideenlos und unkreativ aufwärmen. Dasselbe kann man aber auch über Filme, Bücher, Fernsehsendungen und alle weiteren Medien sagen.

Die Diskussion um die Medienwirkung, also wie derlei Spiele auf Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, wirken und ob sie ihre Entwicklung beeinflussen können, ist immer wieder dann entflammt, wenn Gewaltverbrechen angeblich eindeutig aus der Nutzung von Computerspielen resultiert haben sollen. Erfurt im Jahre 2002 war das erste medial intensiv aufbereitete Beispiel in Deutschland, es folgten einige weitere. Die öffentliche Diskussion – will man sie so nennen – hält – dank einiger nimmermüder Protagonisten – bis heute an, wird sogar erneut angeheizt von dem jetzt formulierten “Kölner Aufruf”.

Read the rest of this entry »

Jan
17
Filed Under (Allgemeines, deutsch, life, news, thoughts) by yodahome on 17-01-2009

.. pflegen wir zu sagen, wenn eine Aufgabe nur langsam vorankommt und sehr mühsam zu sein scheint. Unsere Politiker haben sich offenbar zur Aufgabe gemacht der Herausforderung des Internetzeitalters (oder insgesamt des 21. Jahrhunderts) erstmal mit der Einschränkung der Grundrechte zu begegnen,  zumindest bis sie eines von beiden endlich verstanden haben.
Sie tun das nicht auf einen Schlag, sondern immer schön Schritt -für-Schritt, denn auch die Administration weiß, dass der Frosch wegspringt, wenn man ihn in heißes Wasser setzt, nicht aber wenn man ihn in kaltes Wasser setzt und die Temperatur allmählich erhöht. So war dann vor kurzem bei Spiegel-Online zu lesen:

“Deutsche Serviceprovider werden “noch in dieser Legislaturperiode” damit beginnen, Internet-Adressen mit kinderpornografischen Inhalten zu blockieren. Das gab Familienministerin Ursula von der Leyen in Berlin bekannt. Das BKA wird die täglich aktualisierten Block-Listen führen.”

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,601440,00.html

Zunächst mal will ich hier gar nicht die Inhalte verteidigen, die hier unterbunden werden sollen. Kinderpornographie ist widerlich, unnötig und vollkommen zu Recht verboten, in der realen wie auch in der virtuellen Welt. Punkt aus.

Trotzdem gibt es in unserem Grundgesetz eindeutige Regeln, die darauf abzielen, Zensur zu unterbinden. Weil wir glauben, dass die Grundlage von Demokratie eine gewisse Form von so-gering-wie-möglich-eingeschränkter Freiheit ist, unter anderem der Freiheit der eigenen Meinung, das Recht, diese auch zu äußern und zu veröffentlichen (Artikel 5) und weitere Rechte, die wir als kulturelle Errungenschaften betrachten. Ferner gibt es ein Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10), das den Schutz der eigenen(=persönlichen) Informationen auch auf diversen Wegen sicherstellen soll (real oder virtuell).

Das Internet ist ein öffentlicher aber kein rechtsfreier Raum und Anbieter von Kinderpornografie sollten zur Verantwortung gezogen und die Angebote entfernt werden (auch durch den ISP, wenn er dazu aufgefordert wird). Wenn jemand solchen Kram auf Bahnhofsklos verkauft, dann wird er festgenommen, so man ihn erwischt.  Was aber hier geschieht ist der erste Schritt zur Einschränkung der Grundrechte: Wir stellen vor jedes Klo einen Türsteher und hindern diese Leute gleich am betreten derselben. Dafür müssen wir natürlich leider alle kontrollieren, Sorry.
Und so möchte ich mit demselben Argument reagieren, dass Neil Gaiman in seinem Blog vor einer Weile formuliert hat:

Wenn wir zulassen, dass die technischen Möglichkeiten eingerichtet werden, um eine bestimmte Gruppe (illegaler) Inhalte zu blockieren (= zensieren), wird es nicht mehr lange dauern, bis die Regierung darüber nachdenkt, andere unliebsame Angebote verschwinden zu lassen. Es wäre nicht einmal mehr Aufwand. Und wer kontrolliert die Kontrolleure? Oder als Zitat:

“Because if you don’t stand up for the stuff you don’t like, when they come for the stuff you do like, you’ve already lost.”

Zugegeben die Inhalte in beiden Sachverhalten sind womöglich nicht vergleichbar, aber auch unser Verbot von Kinderpornografie ist letztendlich nur eine kulturelle Übereinkunft und somit eine -kulturelle- Geschmacksfrage. In anderen Länder dürfte man das, was bei uns ab 18 legal ist erst ab 21 Jahren tun, oder schon ab 16 oder auch gar nicht.
Ich sage auch nicht, dass wir unsere kulturellen Werte nicht verteidigen sollen. Aber wir sollten uns fragen, ob wir bereit sind bestimmte Werte (z.B. Freiheit und Grundrechte) zu verlieren nur um andere zu schützen.

Wir können natürlich abwarten und sehen was passiert, aber wenn wir merken, dass die Temperatur steigt, dann haben wir vielleicht schon ein Problem.

Oh, einen noch: “Jene, die grundlegende Freiheit aufgeben würden, um eine geringe vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.” – Benjamin Franklin

Reblog this post [with Zemanta]
Eslite Bookstore in Taichung Chung-yo Departme...
Image via Wikipedia

This is probably not a very new thought but recently I read this very interesting article about the print media and the internet. Actually this short article made me read longer ones and got me thinking.

For me the idea of the internet was always connected with the idea to provide knowledge and data to whomever needs it. At no cost. Really, that’s how we got to know the internet back in 1997 when we accessed it from school:
We would open Yahoo or Altavista, wait for a few minutes, then enter some search words and after a few more minutes, we would be presented with web pages containing information, sometimes even those we were looking for. We never paid for the knowledge, the school just paid for the connection and the hardware. Anything else, well, most of anything else was freely available (as in free beer). Search engines earned money through advertisement -as they still do- but mostly the information providers were big media companies that already had the information they published and they had already financed it by selling analog media products. They just put it on the net as an unimportant additional income.

Then there was this hype (actually, there were two with a large breakdown in between) when suddenly smart people thought not being on the internet is like totally uncool and will probably hurt business so they got on the internet as quickly as possible. They provided their information for free (with ads) trying to catch customers for their ‘real’ products. We do see that in Germany: The top websites -search engines and services like amazon or ebay taken aside, which don’t publish original information- usually are portals by big media companies like Spiegel Online, Bild Online, StudiVZ (the german facebook owned by a huge publishing house), T-Online, gmx.de, web.de (big internet service providers) aso. The only exception is Wikipedia, which is famous for being financed through donations.

So, there is only one website among the 25 top websites in Germany that provides original information and is not connected to existing traditional companies that earn money from other sources. And this one doesn’t actually get paid for its content.

That may mean nothing but my guess is that most of the original information providers could not be supported just by the money earned through advertising and services offered online. They are dependent on the companies behind them to a certain extend and my guess is they will always be. Because paid content is not what the internet is all about. Imho.

Now this article I mentioned describes the example of the TriCityNews, a small local newspaper run by people who actually get it right: “I don’t understand how putting content on the Web would do anything but help destroy our paper. Why should we give our readers any incentive whatsoever to not look at our content along with our advertisements, a large number of which are beautiful and cheap full-page ads?” The article also says that paid subscribtions to information on the web will become popular. I don’t think so because we’re already seeing new information networks like blogs, social networks and aggregators of those evolve that might at one point become as important and reliable as what we call the press nowadays. I might not need to have a look at the daily newspaper for regional news in the future but could easily find bloggers in my region and have a smart search engine compile a daily (or hourly) list of news published by them. I don’t say this will be replacing the traditional media but those new networks will probably also not depend on them anymore. Actually I hope so because that would be a great improvement to a society that becomes more and more focused on information as its primary resource.

Anybody agreeing? Or not?

Reblog this post [with Zemanta]