Vor knapp einem Jahr, am 25 Mai, habe ich ein Review des letzten “Star Trek” Films gepostet, nachdem ich den Film erstmals im Kino gesehen hatte. Letzte Woche hab’ ich mir den Film nochmals auf DVD angesehen, komplett mit Wiederholung für den Audiokommentar. Es war der Versuch einer Versöhnung, weil es halt nun mal Star Trek ist und eine Fortsetzung ja schon in Arbeit ist (die Webbeweise dazu möge jeder selbst ergooglen). Read the rest of this entry »
Mahlzeit!
Vor fast exakt genau einer Woche startete die TED-Konferenz in Long Beach. Von Mittwoch bis Samstag versammelte sich die TED-Community um inspirierende Vorträge der besten Wissenschaftler, Künstler und Aktivisten zu sehen und zu hören. Und überall auf der Welt versammelten sich Mitglieder der erweiterten TED-Community um im Web die Konferenz zu verfolgen. Ich hatte als Helfer im TED Translation Projekt ebenfalls die Möglichkeit der Konferenz live im Web beizuwohnen.
TED ist eine überaus exklusive Konferenz, jegliche Form der Mitgliedschaft schlägt mit relativ hohen Beiträgen zu Buche. Hier versammeln sich die einflussreichsten und auch wohlhabendsten Individuen Amerikas und der Welt um Ideen auszutauschen. “Ideas worth spreading.” Das mag vielleicht elitär wirken, tatsächlich bemüht sich TED mehr und mehr über verschiedene Programme (quasi Stipendien) interessanten Mensch den Zugang zu ermöglichen. Insofern ist Ideenreichtum wohl wichtiger als Wohlstand. Nichtsdestotrotz, die TED Foundation ist eine Non-Profit-Gesellschaft und alle Einnahmen kommen den zahlreichen Projekten zugute.
Tatsächlich werden, wie schon seit 2006, die herausragendsten Beiträge in den nächsten Monaten auf der TED Website veröffentlicht und stehen damit allen zur Verfügung. Ich möchte kurz einen Überblick über die Themen geben, die mir persönlich im Gedächtnis geblieben sind.
Der Höhepunkt der Veranstaltung war wohl Jamie Olivers Beitrag, der als TED Prize-Gewinner seinen Wunsch vor allen Anwesenden formulieren konnte. Er sprach über das Ernährungsproblem, das in Amerika (aber im Grunde auch allen anderen Industriestaaten) offensichtlich ist aber scheinbar kaum beachtet wird. Wie auch schon in Großbritannien hat Oliver wieder ein Fernsehsendung gemacht, in der er die Ernährung an einer amerikanische Schule reformieren will. Er plädierte eindrucksvoll für bessere Erziehung zum Thema Ernährung und gesünderes Essen in Mensen und Cafeterien, wo es Schülern, Studenten oder Mitarbeitern tagtäglich angeboten wird. Der Beitrag ist schon online bei TED verfügbar, ich empfehle unbedingt sich das mal anzuschauen.

Einer der wenigen Beiträge, der ein der Medienbildung nahestehendes Thema behandelte. McGonigal macht Computerspiele, die Spielern die Möglichkeit geben sollen, Probleme der echten Welt zu lösen. Im ersten Teil ihres Vortrags argumentierte sie, dass Spieler innerhalb der Spielwelt bereit sind komplexe Probleme zu lösen und das es tatsächlich bestimmte Fähigkeiten gezielt fördert. Beispielsweise neigen Computerspieler dazu, ein Problem solange anzugehen, bis es gelöst ist. Sie wissen, dass es lösbar ist, denn ein Spiel bietet nur lösbare Probleme an, oft mit vielen möglichen Lösungswegen. Diesen Problemoptimismus vermisst man im realen Leben oft. Die Frage ist also, wie man diese Kraft aus der Spieltwelt in die reale Welt holen kann, und darauf zielen McGonigals Spiele ab.
So war beispielsweise das Szenario in “World Without Oil” eine globale Ölkrise. Die Spieler waren aufgerufen die ersten 37 Wochen dieser Krise mitzuerleben. Sie konnten im Rahmen des Spieles die Konsequenzen für ihr eigenes Leben feststellen und im Laufe der Zeit sollten sie Beobachtungen, Lösungen und Erfahrungen in das Spiel zurückmelden. Dazu konnten sie jede Medienform nutzen, die sie wollten. Alle Geschichten der Spieler sind noch immer im Archiv vorhanden und man kann, obwohl das Spiel schon beendet ist, nachvollziehen, wie es funktioniert hat.
Interessante Gedanken, vor allem wenn man bedenkt, auf welcher Ebene sich die Diskussion um Computerspiele hierzulande abspielt. Da wird es noch eine Weile dauern, bis man sich fragt, wie man sich das Phänomen Computerspiele nutzbar machen kann.
Es gab einige spannende Vorführungen neuer Technologien bei TED, unter anderem einige erstaunliche Erweiterungen für Bing Maps, die als Video schon online verfügbar sind.
Darüberhinaus zeigte John Underkoffler ein bewegungssensibles Interface um Computer sogar in 3D zu steuern. Wer sich darunter nichts vorstellen kann erinnere sich bitte an den Film Minority Report und visualisiere kurz das dortige Computersystem. Hier ein Demo-Video.
g-speak overview 1828121108 from john underkoffler on Vimeo.
Es gab noch Dutzende spannende Themen, leider konnte auch ich nicht alle Beiträge sehen. Viel Diskussionen löste wohl der Beitrag von Sarah Silverman aus, leider hab’ ich den verpasst und möglicherweise wird er auch nicht online verfügbar sein. Aber Techcrunch hat die Aufregung ganz gut zusammengefasst. Besonders gefreut hab’ ich mich auf Sir Ken Robinson, der seinen Auftritt von 2006 nahtlos fortgesetzt hat. Wenngleich sein Anliegen noch immer das alte ist, kaum jemand versteht es die Dinge so auf den Punkt zu bringen. Vollkommen überraschend toll war der Vortrag von Adora Svitak (12 Jahre alt) die das Wort für den Ideenreichtum der Kinder ergriff. Ebenso überrascht hat mich der Vortrag von James Cameron, der nur sehr beiläufig über seine unverschämt erfolgreichen Filme sprach sondern erklärte, wo sein eigentliches Interesse liegt.
Wenn nach und nach die Videos dieser Konferenz veröffentlicht werden, komme ich gerne dezidiert auf die einzelnen Themen zurück. Insgesamt muss ich sagen war es ein überwältigendes Erlebnis und eine große Inspiration.
I made it quite a habit to criticise televison. Mostly german television, which in my opinion does a great job at ignoring the audience most of the time. They cripple movies so they fit the ads, they replicate certain formats like crazy because they’re cheap and to some people at least create a fake impression of mild entertainment. And, for the most part, they import shows from abroad, shows that might actually be great but are put into the most invaluable timeslots. It takes some effort to find the gems on german television and they don’t always get the attention they deserve. Well, today I’d like to recommend a truly good program. And it’s not from Germany. *g*
I recently watched a number of episodes of “Inside the Actors Studio“, a remarkable television show that runs on its 16th season in the US right now and has been broadcasted in 125 countries. Funny enough although it used to be shown in Germany (on EinsFestival, an exclusive digital channel where the show is named “Ungeschminkt”) and it took about 9 years to make its way here, it’s not scheduled at the moment and I’ve never seen it on german tv which – once more – illustrates the state of the german tv cosmos. UPDATE: Just learned that it ran in german free tv as well but it’s not on at the moment.
So, what is it about? Well, during the course of every show one actor or actress, director, musician or comedian is interviewed by James Lipton about their lives and their art in chronological order beginning with birth and covering all mayor events that shaped the person and artist including their most outstanding works. In some cases groups of people visited the show for example the Cast of the Simpsons, the Cast of Family Guy or the members of Bon Jovi. The show typically lasts one hour – cut from a several hour interview – with some episodes being 90 minutes or even 2 hours long.
I understand the Actors Studio Drama school offers Master’s degree programs for actors, playwriters and directors and the interviews conducted by James Lipton, who is also the Dean Emiritus of the school, are considered classes for the students who are therefore the main live audience.
At the end of each interview there is a Q & A session with the students but before that Lipton asks the interviewee a recurring questionaire that was used for many years by Bernard Pivot on French television and is derived from the Proust questionaire. Those questions are:
It is the simplicity of this concept and the purity of the presentation that makes this show extraordinary to me. But it’s hard to explain so I’d like to recommend just giving it a look. A number of episodes are scattered over YouTube in 10 minute clips so you might just have a look here and pick a show that features one of your favourite actors (over 200 guests have already been there). If you consider that too much work let me link you to the great interview with comedian Dave Chapelle (1st of 9 parts) from 2008 and furthermore to the 200th episode in which James Lipton himself is interviewed by Dave Chapelle and some of the greatest moments on the show are collaged together. There are also DVDs of some of the shows but – and I don’t usually recommend this – many more can be found as torrents.
James Lipton himself is a vital part of the phenomenon of the show as he is a respectful host and manages to have the person on the chair next to him open up as most talk shows – and/or host – don’t allow for. He’s famous (maybe even infamous) for thoroughly researching his guest’s life and preparing a huge deck of blue note cards on which quite often he collects the most private or obscure facts, repeatedly to the guest’s astonishment. He also wrote a book on the history of “Inside the Actors Studio” named “Inside Inside“.
So next time when you’re unhappy with the television program I hope you enjoy a few moments from “Inside the Actors Studio”.
Maybe next time, I’ll pick some of our national gems currently available. We’ll see.

As you know I am an Apple fanboy. I own a Macbook Pro since July, I love it for it does everything I wanted it to – just better – and a massive amount of stuff that makes life convenient and using computers fun. I do run a hackintosh as well. I do have my second iPod, of which I think it’s the definitive portable music player. And I do have the iPhone 3G (although it came to me more by accident) which is a nice gadget to have with great usability and it introduced this huge trend of multitouch screens along with an accessible UI and a platform for apps that today suits every imaginable need. There is – imho – still no serious competitor on the market, with the Android phones probably being rather close but not there yet.
Now, yesterday Apple presented a product called the iPad, a portable computer with a multitouch display and – at least by what you see from the outside – pretty much nothing else. Since this product has been rumored for years, many people during the last 24 hours already laid hand on it, reviewed it and there is as much information on the internet now that after much reading and watching videos I feel as informed as if I had touched one myself. ![]()
Still I feel a bit disapointed by it and here’s why:
In my understanding a Pad-like computer is every geeks dream since Star Trek TNG (I think there were similar devices in TOS but they rather looked like Etch-a-Sketches), where every crew member ran around the Enterprise with devices commonly known as PADDs (Personal Access Display Device).They came in several shapes and could obviously used for anything from accessing ship data to writing your personal journal.
They were easily exchanged, it seemed like nobody actually owned his PADD or was technically bound to it. Obviously they could easily be replicated as they were lying around anywhere. Note that they were not only used by humans but also by the other races although their design differed.
There has been work on real PADDs for some time now actually, notice the Apple Newton or Palm PDAs. Of course there also has been much improvement over the years. So, in this regard the iPad is a logical next step and the expected answer to the Amazon Kindle, which was made to be the ultimate digital reading device.
If you look at the features and specifications of the iPad you see it’s a quite impressive list for a device of its size. But then again – as many blogs noticed – the iPad looks like an oversized iPhone. And the worrying thing it isn’t even that. Although it comes in a WiFi and 3G version, you won’t have the native ability to phone with it, although you easily could connect a headset via cable or bluetooth. It has no camera (not on the back, not on the front, no photo, no video). And it runs iPhone apps of which there are plenty of but it will probably take some time until there are worthy apps tailored to the specific device.
It’s advertised with about 10 hours of battery life which seems good enough if it lives up to that. What I wonder about is why they promote stand-by time. While it makes sense with phones where you can still be reached because of long stand-by battery life I don’t really see the benefit of not using a device for a month so it still has power.
Then there is the storage: 16, 32 and 64 GB flash memory are the options to choose from which is the same as you can get in iPod touches at the moment. As you can software-wise use the iPad to have full iPod functionality (which means storing music, video, gaming and podcasts), you can put your photos on it, use the internet (download?) and even have newly designed iWork apps on the device along with the new Bookstore (+ebooks) and of course other apps I doubt that 64 GB is anywhere near the amount of space necessary. It took me mere weeks to fill the 160 GB of my Macbook. I can’t really take my whole media library with me on the iPhone right now.
Also I wonder what writing really common – which means intensely text-based – documents on the on-screen keyboard feels like. Note that during the demos nobody really did that during the presentation. It might be really nice for emails but how good does it perform when writing, let’s say, on a master thesis? You probably need to buy that keyboard accessory.
And then this the question occurred to me: If all I can do on the iPad is basically iPhone or iPod touch functionality (book reading on the big screen being the only exception i see), well, why not buy an iPhone or an iPod touch, which you can actually take with you? I doubt realy cineast will watch movies on it, jsut like real audiophils probably won’t hear their music with it (you need to connect it to good speakers, so it’s no longer wireless).
I simply feel that – apart from this being a cool, thoughtfully designed product – either the iPad is – yes, I dare saying it – redundant to a notable degree or it is aimed at a rather small group of customers for which it fills a gap between iPod and book reader that I don’t really see yet. At 499$ in the smallest incarnation and about 800$ for the all-in-variant it seems just not as useful as the other products in the line up. I may be wrong here.
Now, what’s great is that the iPad uses and elaborates on the great keyboard-&-mouse-less user interface ideas used on the other Apple touch devices. I do believe many people will love to use it because of that especially if they have shied away from using any laptops or computers up to now. It might be perfect for my mum! But me, myself and I will probably stick with a real computer (which of course could be married with the multi-touch display at some point) for now. Note also that Apple not really markets the iPad as an ebook reader but as a missing link between smartphone and laptop. However to me it can not really replace either of them easily. Therefore it would need custom browsers like Firefox, Wireless syncing, more storage, more connectivity. It is a small step forward but no huge leap in my opinion. Of course that might be a by-product of the hype that has wildly gone crazy during recent weeks. Still I’m excited to see this product evolve.
Update: I finally saw the Keynote and to a large degree, I believe it proved my point. They tried to set first foot into a niche that does not necessarily exist naturally but probably grows now that the iPad is there.

Sag’ mal Freitag, wenn das keiner sieht, was wir hier machen, für wen mach’ ich’s dann? Für wen denn? Ich mein’, das ist doch gut was wir hier machen, das ist doch gute Arbeit, oder? [..] Freitag, das muss doch jemand sehen, wir müssen’s doch reinstellen, das muß doch nach Youtube, das muß.., das ist doch für alle da. Wenn schon kein Schiff vorbeikommt, wo ist denn jetzt der Mann von Google Earth? Muß man doch mal winken: “Hallo lieber Google-Mann, der Google-Mann, hallo, hier sind wir, hier sind wir, wir machen gute Arbeit! Ich weiß gar nicht Freitag, seit Gott nicht mehr da ist, für wen mach’ ich’s denn?
“Für wen Mach ich das” aus dem Album ‘Das Robinson Konzert’
Rainald Grebe ist ein Vertreter der sehr heterogenen Sparte Musik-Comedy (oder Musikkabarett) und damit insbesondere in den letzten 10 Jahren graduell immer mehr aufgefallen. Rainald Grebe gibt es solo oder zusammen mit der Kapelle der Versöhnung. Seine Präsentation ist eine Mischung aus gesprochenem Wort, musikuntermaltem Rezitativ (vergleichbar mit Hagen Rether) und thematischen Liedern (ähnlich wie Bodo Wartke). Letztere sind sprachlich geschliffen und entfalten ihre Wirkung meist aus assoziativen, gedanklichen Stolpersteinen. Grebe ist nicht nur einfach lustig, er beherrscht eine Bandbreite von kontrolliert nachdenklich albern bis bewußt dem Wahnsinn nachempfunden. Damit steht R. Grebe meiner Meinung nach symptomatisch für ein neues, aufgeklärtes Unterhaltungsbedürfnis des neuen Jahrtausends, wo einfach nur lustige Liedchen wie sie z.B. Maik Krüger oder Otto in den 1980ern bringen konnten, nicht mehr ausreichen. Thematisch beackert Grebe das weite Feld der Gesellschafts- und Gegenwartskritik und entwirft dazu häufig Charaktere wie Dörte, Bengt oder Bernd, an denen er sich gekonnt abreagiert. Berühmt ist er auch ob seiner Hymnen für die Bundesländer Thüringen, Sachsen und Brandenburg, ein Ausdruck von Grebes Affinität für Ostdeutschland, obwohl er selbst in Köln geboren wurde. Den starren Blick ins Publikum oder die meist überraschenden Wechsel zwischen laut und leise kann man dabei wohl als Markenzeichen verstehen.
Grebe ist regelmäßig mit seinen Programmen in ganz Deutschland unterwegs, wirft jährlich mindestens eine Platte auf den Markt und bleibt auch dem Medium Fernsehen gewogen. Allerdings, Berichten zufolge ist Rainald Grebe als Live-Erlebnis mit nichts zu vergleichen. Auf YouTube kann man seine diversen Machwerke bestaunen, was, wenn man ihn denn noch nicht persönlich erlebt hat, für die Initialzündung schon ausreichend ist. Lange Zeit war Rainald Grebe eine Art Geheimtipp unter den komischen Talenten der Republik, doch mittlerweile hat sich seine Popularität ja schon bis ins öffentlich-rechtliche Fernsehen herumgesprochen und er ist durchaus massenkompatibel.
Was genau das Faszinierende an Rainald Grebes Performanz ist, kann man nur schwer beschreiben, darum kann ich nur jedem nahelegen, einen oder zwei Blicke zu riskieren oder eine der diversen verfügbaren Platten zu erstehen. Für mich ist Rainald Grebe ganz große Kleinkunst. Sein letztes Album “Das Hong Kong Konzert” ist im August 2009 erschienen.
Die folgenden Videos zeigen die Laudatio von Jochen Malmsheimer für Rainald Grebe beim bayerischen Kabarettpreis 2009 sowie dessen Auftritt im Anschluß.
Im Spiegel der vorvorletzten Woche war eine Titelstory zum Thema Freiheit, Kontrolle und Recht im Internet mit dem griffigen Titel “Netz ohne Gesetz” (man beachte den beinahe lyrischen Ansatz, auch wenn’s faktisch falsch ist). Die Prämisse ist also in drei Worten formuliert und sie wird noch weiter aufgebaut. Das Netz wird charakterisiert als “Parallelwelt” in dem “das Recht nichts wert sei”. Es werden Beispiele von Rufmord, Diffamierungen, käuflichen Blogeinträgen etc. versammelt, die es zweifellos so gibt, aber was beweist das schon? Das Netz ist so wenig Heilsbringer wie Apokalypse, es ist keine Parallelwelt, es ist die Welt – nur in digital. Alles, was man sich in der tatsächlichen (physischen) Realität vorstellen kann, findet auch im Internet statt. Diese Welt ist nicht virtuell, sie ist so real wie alles andere. Und das es dort keine Regeln gebe, ist deswegen schlichtweg falsch. Es sind andere Regeln und das Problem ist, das viele sie nicht kennen oder einhalten wollen. Dagegen muss man, das macht der Artikel auch zur zentralen Frage, durchaus etwas tun. Zustimmen muss man den Autoren dann auch, wenn sie feststellen, dass massive Aushandlungsprozesse in Gang sind: Welche Gesetze gelten im Netz? Wie setzt man sie durch? Wie schnappt man Täter, die sich überall auf der Welt befinden können?
Das ist natürlich irgendwie auch wieder typisch deutsch, dass man bei neuen Freiräumen erstmal fragt, wie man das kontrollieren kann. Wir leben nunmal in einem Land, in dem selbst das gemütliche Trinken eines Bieres auf öffentlichen Plätzen durch Verwaltung und Ordnungsamt reglementiert ist (just im Reality TV gesehen), in dem sich Nachbarn schon aus Gewohnheit vor Gericht treffen, wo jeder auf den Staat schimpft ohne zu merken, dass er selbst Staat ist und ja doch irgendwie auf dessen Regeln besteht. Der Staat (besonders der Regierungsapparat) ist wichtig, denn auch Datenschutz, der ebenfalls ein großes Problem im Internet ist, gibt’s nur per Gesetz. Das haben wir gerade wieder durch den Bericht über sogenannte Auskunfteien wie die SchuFa gesehen, Firmen steht das persönliche Recht auf die eigenen Daten eher im Weg. Im Moment ist der Staat, ja die gesamte Demokratie aber selbst in einer Art Identitätskrise (dazu später mehr).
Zentrales Problemkind sind natürlich die sogenannten Urheberrechte, die ja im Internet härter umkämpft sind als Ölquellen im Irak. Und die, so deutet man auch im Spiegel mit Verweis auf eine Rede von Reto Hilty (hier ein Interview), könnte durchaus dem Fortschritt im Weg stehen, weil sie Wissenfluß derzeit eher behindern als fördern. Und das ist in der sogenannten Wissensgesellschaft schon eine vitale Einschränkung. Dabei gibt es durchaus vernünftige Ansätze, wie man beispielsweise bei Larry Lessig oder Cory Doctorow immer wieder nachlesen kann, letzterer veröffentlich seine Romane zum Download unter Creative Commons-Lizenzen mit Derivatrecht und so entstehen Übersetzungen und sogar Hörbuchfassungen durch Dritte und stehen ebenfalls zum Download zur Verfügung. So sollte die Wissensgesellschaft funktionieren. Remixen, also das aufgreifen der Werke anderer in einem eigenständigen Werk, sollte z.B. für den privaten Gebrauch uneingeschränkt möglich sein. Wirkliche kommerzielle Nutzungen und damit verbundene Einschränkungen gibt es doch eigentlich nur zwischen Firmen. Warum muss ich als Privatperson trotzdem meterlangen Nutzungsbedingungen und Lizenzverträgen zustimmen, wenn ich mir ein Computerspiel kaufe oder Mitglied bei MySpace werde? Und auch für die Wissenschaft ist Copyright zunehmend problematisch, es führt beispielsweise dazu “[..], dass Forscher oft nicht genug Geld hätten, um die [Fach-]Zeitschriften zu abonnieren, in denen sie ihre eigenen, öffentlich finanzierten Ergebnisse publizieren.”

Als ein weiteres Problem wird die Einhaltung der Privatheit genannt. Gerade lief im Mittagprogramm der Privaten [ha, zwei Definitionen von privat, wie schön] wieder eine Pseudoreportage, wie leicht es doch wäre ‘private’ Informationen fremder Menschen aus Profilen bei StudiVZ, Facebook oder MySpace zu gewinnen. Alter, Freunde,Fotos, Job, Interessen und mehr kann man meist problemlos herauskriegen, jeder weiß, was du letzten Samstag getan hast. Die Lehre: Wir müssen aufpassen, was wir ins Netz einstellen.
Bullshit!!! Natürlich ist das leicht, das ist die Idee dieser sozialen Netzwerke. Einen der wenigen vernünftigen Beiträge zu diesem Thema liest man auf Spiegel Online unter dem Titel “Warum die Dummheit des Internets ein Segen ist“. Punkt 4: “Wir sollten aufhören, den Exhibitionismus anzuprangern, solange wir den Menschen schamlos und ohne jede Hemmung durchs Wohnzimmerfenster starren“. Und in der Tat, ich kann auch im Café, im Kino und auf der Strasse Menschen belauschen und private Details über sie erfahren. Ich arbeite ja auch in einem Buchladen und selbst dort erzählen die Menschen mir oft unaufgefordert viele private Details. Mich interessieren die eher selten, aber was wenn ich Böses im Schilde führen würde? Und so macht auch der Artikel eindeutig klar:
Wer bei Facebook, StudiVZ oder MySpace Bilder von sich ins Netz stellt, wer von der rauschenden Party am Vorabend berichtet, der ist in der Regel keineswegs “exhibitionistisch”, wie das in den vergangenen Jahren in nahezu jedem Artikel über die Jugend und das Netz zu lesen war. Die Leute, die da kommunizieren (denn nichts anderes geschieht dort), reden ja gar nicht mit Ihnen. Sondern mit ihren eigenen Freunden und Bekannten. Ihrem privaten Umfeld. Wenn im Park jemand auf einer Bank sitzt und seinem besten Freund Fotos von der Party gestern Abend zeigt, setzt man sich ja auch nicht daneben und glotzt.
Exakt. Also, liebe faule Redakteure und liebe neugierige Personalchefs: Finger weg von meinen privaten Profilen, was ihr wissen müßt steht bei xing und wenn das nicht reicht, ich komme gerne zum persönlichen Gespräch vorbei!
Nichtsdestotrotz schadet es natürlich auch nichts, wenn man auch die Privacy Funktionen der diversen Netzwerke kennt und nutzt. Andererseits würde es einem in der physischen Welt durchaus als Verfolgungswahn ausgelegt werden, wenn man keine Gespräche mehr an öffentlichen Orten führt und dafür immer alle Türen und Fenster schließt.
Zurück zum einleitenden Gedanken: Die Demokratie ist in der Krise oder wie Hans-Ulrich Jörges es formuliert: Das entmündigte Volk. Money Quote: “Deutschland hat ein Demokratiedefizit. Es ist nur noch Zuschauerdemokratie.” Und das Gefühl kann man durchaus bekommen, wenn man die im Artikel versammelten Beispiele liest und dann noch ein paar eigene Erinnerungen dazu wirft.
Meine Hoffnung ist darum, durch die Diskussion um das Netz die Karten neu verteilt werden, denn zumindest einige der offenbar schon etabliert geglaubten Regeln kommen wieder auf den Tisch und werden neu verhandelt. Sie mobilisieren sogar eine neue politische Gruppe. Insofern sind die Fragen, die das Internet aufwirft, möglicherweise wichtige Schritte in eine neue Welt mit neuen Regeln. Denn schon Albert Einstein wußte: ” The significant problems we have cannot be solved at the same level of thinking with which we created them.”

Mein allererster Computer war ein Robotron, die DDR-Variante eines C64, wenn man so will. Er konnte im Grunde nur ein rudimentäres BASIC, der Bildschirm war ein alter russischer Schwarz-Weiss-Fernseher und die Daten waren auf normalen Kassetten gespeichert. Wollte man z.B. ein Spiel spielen, legte man eine Kassette ein, tippte ein paar Befehle ein, ließ das Band laufen (das klang so ähnlich wie Modemgeräusche) und dann war das Programm im Speicher. Dann konnte man das Programm nutzen, schaltete man den Rechner ab, war alles wieder weg. Puff.
Später dann kam ein PC, MS DOS 5.0, dann das erste Windows (3.1), das nächste Windows (95), das nächste bessere Windows (98) und etwa zu dieser Zeit mein erster OS-Wechsel zu Linux. Debian auf meinem eigenen kleinen Server, das war eine vollständig neue Welt, denn jedes Betriebssystem benutzt andere Bedienmetaphern, die man erlernen muss. Unter Dos und Linux waren das noch eine teils recht unterschiedliche Sammlung von Textkommandos, die man auswendig lernen mußte. Seit Ende der 90er Jahre und dank der Evolution im Bereich der grafischen Benutzeroberflächen sieht das jetzt anders aus, zumindest teilweise, denn um Nutzerfreundlichkeit auszustrahlen, ist man als Hersteller dazu angehalten, sich an etablierten Standards zu orientieren. Die Fenstermetapher ist zum Beispiel mittlerweile universell auf allen Systemen umgesetzt. Ebenso wie Maussteuerung oder die Schreibtischmetapher (aka Desktop). Erfunden hat das eigentlich in weiten Teilen Apple. Microsoft hat das Konzept aber überzeugender an den Mann gebracht. Und in bunten Schachteln.
Seit kurzem bin ich stolzer Besitzer eines 13” MacBook Pro, meinem ersten, neuen Laptop seit 2002. Damals hab’ ich mir bei einem Kaffeeanbieter, der nicht genannt werden will, für 1300 € (meinem ersten selbstverdienten Geld) einen Laptop von Medion gekauft, mit dem ich leidlich zufrieden war. Das kann man dem Gerät nicht unbedingt ankreiden, die Technik war wohl einfach noch nicht soweit. Die Laufzeit betrug im Maximum 2-2,5 Stunden, für jede sinnvolle Nutzung beispielsweise an der Uni deutlich zu wenig. (Heute schaffen das selbst billige Geräte mit links)
Die Gewöhnung an die neuen GUI von einem Mac OS X war, trotz einiger gravierender Unterschiede, erschreckend einfach. Beispiel: Programme schließt man mit CMD + Q, denn ein Klick auf das rote X schließt zwar das Fenster, behält aber die Applikation im Speicher. Menüleiste immer am oberen Bildschirmrand, das @-Zeichen auf dem L statt auf dem Q, keine rechte Maustaste bzw. keine Tasten unter dem Trackpad – es sind viele Kleinigkeiten, an die man sich auf den Mac erst gewöhnen muß. Spätestens aber, wenn man weiß, das man das Kontextmenü erreichen kann, wenn man mit zwei Fingern statt mit einem auf das Trackpad tippt, beginnt man sich zu fragen: Warum machen das nicht alle so?
Thema Software. Nahezu alle nötigen Programme, die ich schon auf PC nutze, gibt es auch für den Mac und dazu noch einige tolle Programme, die man unter Windows vergeblich sucht. Hier eine kleine Übersicht:

OpenOffice.org gibt es seit einiger Zeit auch für den Mac, NeoOffice ist ein Derivat von OpenOffice, welches auch spezielle Features des Mac ausnutzt und ansonsten voll kompatibel ist.
Evernote benutze ich unter Windows und auf meinem iPhone, es ist für Notizen und Mitschriften jeglicher Art sehr praktisch und darf deshalb natürlich auch auf dem Mac nicht fehlen. Obwohl Apple den wirklich auffallend schnellen Browser Safari mitliefert, ist auch die Nutzung von Firefox kein Problem. Mittels des noch in der Entwicklung befindlichen Weave-Plugins kann ich meine Browser sogar synchronisieren.
Auch andere Open Source Programme wie Gimp, Handbrake, Miro oder ScummVM sind auf dem Mac zuhause, andere wie den IM Klienten Adium, das Softwareaktualisierungstool Appfresh oder auch dem Texteditor Smultron gibt’s nur für Mac. Dazu kommen noch ein paar kommerzielle Programme, über die ich vielleicht später noch berichten werde.
Da Mac OS X auf einer Unixbasis steht, ist auch die Benutzung des Terminal, die man so auch aus Linux kennt, vollkommen unproblematisch. Diverse Softwarepakete gibt’s z.B. beim MacPorts Projekt, wer Pakete unter Debian oder Ubuntu installieren kann, der kriegt das hier auch hin.
Und auch für das kleine Spielchen zwischendurch bieten sich diverse Möglichkeiten an, einige Spiele von EA (Spore und Sims 3 beispielsweise) kommen schon Intel-Mac-kompatibel aus der Presse. Mit Darwine (dem Wine-Port für den Mac) kann man dann auch ohne Emulator Windowssoftware – und damit eine größere Auswahl an Spielen – auf dem Mac laufen lassen, das geht sogar auf dem Macbook recht gut.
Ich werde diesem Thema sicherlich noch einige Artikel widmen, zumal ich gerade erst beginne mir einen Überblick zu verschaffen. Klar scheint mir aber, dass es absolut keinen Grund gibt, dem Apple grundsätzlich den Rücken zuzudrehen, viele Kritikpunkte sind heute nur noch Vorurteile und wenn man das Geld investieren möchte, bietet der Apple gerade dem Computereinsteiger ein befriedigenderes Erlebnis als das Windows je konnte.
Endlich ein paar Tage Urlaub. Da das Semester durchaus stressig war, glaube ich mir die paar Tage Ruhe durchaus verdient zu haben. Eine der typischen Urlaubstätigkeiten sind Bücher, ich habe meine Zeit in das überaus erleuchtende Buch “Gestatten: Elite” von Julia Friedrichs investiert. Mehr aus Zufall als aus Absicht bin ich bei uns im (Buch-)laden – dort arbeite ich neben der Uni – auf das Buch gestoßen, so wie meistens war das ein absoluter Glücksgriff.
Das Buch begleitet die Journalistin Julia Friedrichs, die mit 25 Jahren ein Jobangebot von McKinsey ausschlägt um herauszufinden, was wir heutzutage unter Elite verstehen, wer das eigentlich ist und warum der Begriff derzeit solch eine fulminante Renaissance erlebt.
Ohne zuviel aus dem Buch vorwegzunehmen, denn ich möchte die Lektüre dem geneigten Leser meines Blogs durchaus ans Herz legen, möchte ich einige Kernpunkte aufgreifen.
Zunächst mal wird versucht den Begriff Elite zu definieren. Dazu besucht die Autorin diverse Bildungseinrichtungen in Deutschland und außerhalb (Internate, Privatunis etc.), die sich selbst vollmundig als Elitezentren bewerben und deren Absolventen demnach wissen sollten, warum sie die Elite stellen. Es zeigt sich schnell, dass es sich um einen höchst diffusen Begriff handelt, der eine weite Ebene aufspannt unter die man nahezu alle gewünschten Kriterien versammeln kann. Zunächst mal wird über die Leistung argumentiert. “Wer mehr leistet, hat mehr verdient. Wer mehr leistet, darf mehr bestimmen.” Die Eliten legitimieren ihre Sonderstellung primär damit, dass sie länger und härter arbeiten, mehr Verantwortung übernehmen. Durch die Gespräche wird aber klar, der Großteil der besuchten Eliteschmieden hat neben der Leistung ein weiteres, häufig nicht weniger bedeutendes Zugangskriterium: Geld. So wird im Verlauf deutlich, dass es eher die Oberschicht ist, die ihre Kinder auf Sprachschulen für Säuglinge, in luxuriöse Schlossinternate und auf private Wirtschaftsschulen fernab der restlichen Welt schicken kann, weil man von Hartz IV keine 10000 € Schulgeld stemmen kann und weil es kaum Möglichkeiten gibt, die finanziellen Hürden zu umgehen. Mal ganz abgesehen, dass man in einer Gruppe wohlsituierter Jugendlicher eh immer herausstechen wird. Man könnte zunächst annehmen, dies seien alles Klischees, und selbst die Autorin gibt zu, dass sie bis zu ihren Recherchen nicht wirklich an die Existenz dieser Parallelwelt geglaubt hat. Und doch stellt sie fest:
”[..]Mir ist klargeworden, dass in Deutschland eine gewaltige Eliten-Revitalisierungskampagne läuft. Der Satz ‘Wir brauchen wieder Eliten’ ist inzwischen so oft gesagt worden, dass ihn fast niemand mehr hinterfragt. Inzwischen hat man die zweite Phase der Kampagne gestartet. Die Phase der Realisierung. Kindergärten, Schulen und Universitäten versprechen, dass sie diese Eliten, die wir angeblich brauchen, ausbilden. Eltern überweisen Geld, damit ihre Kleinen dazugehören. Gebühren für den Kindergarten, für die Schule, das Internat, den Karrierecoach und die Uni. Wenn man die zusammenzählt, kommt man auf mindestens 300 000 Euro. Die sollte jedes Elternpaar für die Finanzierung eines solchen Elitebildungswegs beiseitelegen. Es wachsen Menschen heran, die vor allem eines lernen: Euer Platz ist unter den Gewinnern. Ihr dürft die wichtigen Posten in der Gesellschaft übernehmen. Ihr seid Elite.”
Den Rest (also beispielsweise mich), der sich nicht den Leistungskriterien unterordnet, keine regelmäßigen 16 Stundentage absitzt und nicht zu McKinsey will, nennen sie Niedrigleister und meinen damit, wenn wir nur wollen würden, könnten wir das auch erreichen, kämen wir auch in den – für mich fragwürdigen – Genuss von höherer Bildung, höherem Einkommen und elitärer Lebenssicherheit. Tatsächlich aber haben sich die meisten Elitisten nicht unbedingt die Position erarbeitet, in der sie sich als Elite sehen. Das widerspräche auch meinem Weltverständnis, denn die Welt halte ich für ein chaotisches System, dass nur sehr eingeschränkt unserer Kontrolle unterliegen kann und letztendlich sind nicht alle, die viel leisten, automatisch auf der Siegerstrasse.
Besonders die Moderne, und darin sind sich Theoretiker wie Sennett, Bauman oder Giddens wohl einigermaßen einig, mit ihren fragmentierten Lebensläufen, Brüchen mit langgehegten Traditionen und der Auflösung beziehungsweise Neuordnung raumzeitlicher Verhältnisse, bietet viel mehr Möglichkeiten und Freiheiten als Menschen jemals gegenüberstanden, viele Abzweigungen auf dem Lebensweg aber eben auch immer weniger Dinge, auf die man vertrauen kann – Verlust der ontologischen Sicherheit – und folglich auch mehr Chancen zu Scheitern. Die Oberschicht konstruiert für ihre Nachfahren etwas, dass die Moderne eigentlich aufgelöst hat: die lineare Biografie über feste Stationen in die anhaltende Vollbeschäftigung und den garantierten Wohlstand. Und einen Führungsanspruch. “Leader” nennt man das heute, und meint dasselbe. Aber der Satz “Natürlich, mein Leader!” ist historisch noch nicht so negativ belegt. Realisiert wird das offenbar durch gezielte Vernetzung. So sind nicht nur die Leistungen sondern die Ehemaligen, Altschüler, Alumni etc. also die Zugehörigkeit zur Gruppe entscheidend für die Zukunftschancen. Und das gilt scheinbar unabhängig vom politischen Lager und in nahezu allen Organisationen, auch den NGOs. Da kann man natürlich sagen: Ja, so ist es halt.
Spätestens seit die Vernetzung vor allem im WWW explizit und sichtbar gemacht wird (Stichwort Soziale Netzwerke) wird wohl vielen klar, wie wichtig diese Netzwerkbildung und -nutzung in vielen gesellschaftlichen Bereichen schon längst ist. Freunde, Kollegen, Geschäftspartner – unser soziales Netz ist ein wichtiger Teil unserer Identität und bestimmt sehr stark unseren Handlungspielraum. Das ein Netzwerk – die selbsternannte Elite eben -, welches sich nur selbst repliziert und ansonsten nach außen abgrenzt, aber eben daraus einen Führungsanspruch ableitet ist ein Gedanke, den wir eigentlich mit der Aufklärung und der französischen Revolution abgelegt haben sollten und der sich mit der Idee der Herrschaft des Volkes so wie ich sie verstehe gar nicht verträgt. Und so kommunizieren auch einige Interviewte sehr klar ihre Überzeugung, dass sie führende Positionen in der Gesellschaft übernehmen wollen und zwar ganz klar außerhalb des geltenden politischen Systems und ohne Rücksicht auf den Rest, weil der sie bei der Weltneuordnung eher behindere. Kaum einer der auftauchende Charaktere stellt sich eine klassische politische Karriere vor. Viel mehr haben Beratungsfirmen wie eben McKinsey und andere, in denen sich die neue Elite längst versammelt und Konzepte für nahezu jeden Bereich der Politik und Verwaltung entwickelt, schon heute direkten Einfluss auf die Politik und damit ganz konkret auf unsere Leben, ohne dass wir sie dazu legitimieren können würden und wohl auch ohne nachvollziehbare und transparente Prozesse. Wäre ich Pessimist, würde ich befürchten, dass unsere Demokratie allmählich unterminiert wird und sich ein neuer Adel (oder Klerus) auf die Herrschaft vorbereitet.
Ich gehe auf eine staatliche Universität, was mich offenbar per Definition aus der Elite aussschließt. Zudem ist die Uni Magdeburg auch keine der neuen Elite-Unis. Zum Glück, wie ich finde. Aber wir beschäftigen uns mit imho wichtigen Fragen, zum Beispiel der Frage, wie die Welt von morgen aussehen könnte und was wir heute tun können, um uns nicht nur darauf vorzubereiten sondern sie mitzugestalten. Ein demokratisches Bildungssystem sollte, schon um die Demokratie selbst zu erhalten, für jeden Menschen die Bildung bereitstellen, die er, unabhängig von sozialem Rang und finanzieller Ausstattung der Eltern, benötigt. Das schließt durchaus besondere Unterstützung für besondere Begabungen ein. Reichtum ist keine solche Begabung, Vitamin B meiner Meinung nach auch nicht.
Es überkommt einen beim Lesen auch hin und wieder ein Unwohlsein ob des Engagements und des Fleißes, den junge Menschen dort offenbaren. Es ist die leise Angst, dass man selbst doch nicht genug leistet, sich zu viele oder zu ausgedehnte Pausen gönnt. Ich halte mich selbst durchaus nicht für außergewöhnlich strebsam und tendenziell wohl eher faul. Ich habe mein Abi mit 2,2 und meinen BA nach 8 statt 6 Semestern mit 1,5 gemacht. Oh, und ich hatte vier Semester Fehlstart. Nebenbei arbeitete ich auch immer (also für Geld). Sicherlich nicht schlecht, aber ein 16-Stunden-Tag oder eine 7-Tage-Woche gehören bei mir – Gott sei Dank – nicht zur Regel. Ich liege auch nicht faul rum, aber nicht alles, was ich tue, dient unmittelbar einer Karriere oder nur einem konkreten Zweck. Und vieles von dem, was ich tue, läßt sich oft eher schwierig monetarisieren. Trotzdem möchte ich dass nicht zum bestimmenden Faktor in meiner Lebensplanung erheben. Muss ich mich fürchten, von einer Gruppe, die sich selbst als das Ultimum begreift, abqualifiziert zu werden?
Das klingt jetzt vorsätzlich sehr überspitzt und genau so wirkt auch der Schluß des Buches, aber trotzdem sollten wir uns fragen. Meine Hoffnung ist, dass bei all den Unvorhersehbarkeiten, die die Zukunft mit sich bringt, auch die selbsternannte Elite irgendwann ins Schwimmen gerät. Das materieller Reichtum, wenn er nicht von der Mehrheit der Erdbevölkerung bessessen wird, schlicht und einfach irgendwann kein Maßstab einer globalen Gesellschaft mehr sein kann. Das man die Leute mit Argumenten überzeugen muß, um die Welt zu verändern, und sie nicht einfach dem Leader folgen. Das klingt vielleicht utopisch, aber das klang ein Flug zum Mond vor 50 Jahren auch noch und dieser Tage feiern wir dessen 40. Jahrestag.
Das Buch liest sich gut weg, bleibt aber doch im Hinterkopf. Möglicherweise ist das Szenario, welches dort gezeichnet wird, sehr einseitig und auch durch die – unverblümt offen kommunizierte – eher kritische Grundhaltung der Autorin beeinflusst. Aber es soll auch lediglich eine Diskussion anregen, die scheinbar nicht geführt wird. Und letztendlich steht ja allen Widerstreitern frei, eigene Argumente und Definitionen des Begriffes “Elite” einzubringen. Auch in Form eines Bestsellers, wenn’s sein muß.